Bild: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Sie stehen am Morgen in Gruppen vor „dm“ oder „Rossmann“ und warten darauf, in die Filiale gelassen zu werden. Das Objekt der Begierde der Drogerie-Kunden: Milchpulver für Babys der Firma „Aptamil“. Doch auch kriminelle Banden haben inzwischen ein Auge auf die Baby-Nahrung geworfen.

Es befindet sich in hellblauen Schachteln, heißt „Aptamil Kindermilch“, und hat einen Teddybären als Wappen. Öffnet man die Packung, rieselt weißes Pulver hinaus. Bei „dm“ kostet eine 800-Gramm-Packung des Milchpulvers je nach Sorte um die 15 Euro.

Das Produkt, das in Deutschland von der Firma Milupa (Danone-Konzern) produziert wird, und auch in Dortmund unter anderem bei „dm“ und „Rossmann“ zu haben ist, ist im Ausland heiß gehandelte Ware. Menschen in Dortmund schicken es zum Beispiel ihren Verwandten im Ausland, nachdem sie es legal in Deutschland gekauft haben. Doch wie das Wochenmagazin „Zeit“ berichtet, ist „Aptamil“ auch in den Fokus weltweit agierender Krimineller geraten. Der Grund: Vor allem in China lässt sich damit viel Geld verdienen.

Skandal um Milchpulver

Hintergrund ist ein Skandal, der sich dort im Jahr 2008 abgespielt hat. Damals hatten chinesische Milchpulver-Hersteller ihr Produkt mit Melamin gestreckt. Aus dieser Substanz wird Klebstoff hergestellt. Ziel des Herstellers war es, einen höheren Eiweißgehalt vorzutäuschen. Fast 300.000 Babys erlitten Nierenschäden, mehrere starben. Viele Chinesen waren misstrauisch. Seitdem schwören chinesische Familien auf Milchpulver aus Deutschland. Das Produkt gilt dort als rein und hochwertig, kostet dafür aber mehr als doppelt so viel wie hierzulande.

Daraus haben Kriminelle inzwischen ein Geschäftsmodell entwickelt. Wie die „Zeit“ berichtet, stiehlt ein Netzwerk seit Jahren Babynahrung aus deutschen Drogerieregalen, um damit Geld zu verdienen. Vor allem von Marl aus sei es dem Bericht zu Folge immer wieder zu Diebstählen von „Aptamil“ im ganz Deutschland gekommen.

Bande aus Rumänien im Fokus

Im Fokus der Ermittler steht laut „Zeit“ eine Bande aus Rumänien. Die ein kriminelles Geschäftsmodell entwickelt hat. Dafür werden potentielle Milchpulver-Diebe aus Rumänien angeworben, um das Pulver in deutschen Drogeriemärkten zu klauen. Wie das Wochenmagazin berichtet, wird das Produkt dann gegen einen Tageslohn bei der Führungsebene der Milchpulvermafia abgeliefert. Über Zwischenhändler soll die Ware dann per Container-Schiff in China landen – wo unbesorgte Eltern das Pulver dann in der Regel auf Online-Marktplätzen kaufen.

Dass die Milchpulver-Diebesbanden für „dm“ ein Problem sind, kann das Unternehmen nicht bestätigen. Jedenfalls heißt es gegenüber der „Zeit“: „Wir können keine gesteigerte Diebstahlhäufigkeit feststellen.“ Was aber kein Grund für die Ermittler in Marl war, dem Netzwerk nicht nachzugehen. Mit Erfolg: Ein Teil der Bande ist vor dem Essener Landgericht inzwischen angeklagt. Ein Kopf der Truppe wurde bereits zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis wegen gewerbsmäßiger Hehlerei verurteilt.