Das neue Graffito an der Gabionenwand entlang der B54 ist ein echter Hingucker. Das Problem: Der Ausschuss für öffentliche Ordnung hatte das nach Ansicht der FDP so gar nicht abgesegnet. Oberbürgermeister Ullrich Sierau verteidigt das nun auf 367.000 Euro angewachsene Projekt.

„Fakt ist, dass die tatsächliche Neugestaltung der Gabionenwand an der B54 nicht durch den bestehenden Beschluss gedeckt ist“, echauffiert sich Thomas Reinbold, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP und Ausschussmitglied. Der Ausschuss habe vor wenigen Wochen „eben keine künstlerische Gestaltung durch Graffiti beschlossen und auch keine Errichtung eines Zauns“. Geplant war lediglich, Brombeeren zu pflanzen. Die nun deutlich höheren Kosten seien so ebenfalls nicht beschlossen worden. Auch andere Parteien des Ausschusses waren über den Vorgang verwundert.

Laut der Pressemitteilung der Fraktion FPD und Bürgerliste sei es unerheblich, ob die „künstlerische Gestaltung als gelungen angesehen werden kann“. Die Fraktion wolle wissen, wer dazu den Auftrag erteilt habe – und damit gegen den Beschluss des Ausschusses gehandelt habe. FDP-Mann Görgens sieht durch diese „Gutsherrenart“ die Glaubwürdigkeit des Ausschusses beschädigt. Jetzt fordert er im Gremium Antworten von der Stadtverwaltung.

Planung wurde „weiterentwickelt“

Oberbürgermeister Ullrich Sierau nahm am Dienstag Stellung zu der Anfrage der FDP. Demnach sei der Beschluss umgesetzt worden. Fast 2800 Brombeeren seien an der Gabionenwand gepflanzt worden. Wegen des felsigen Bodens mussten jedoch deutlich kleinere Pflanzen eingesetzt werden, als geplant war, damit diese auch anwachsen. Sprayer hätten deshalb weiterhin problemlos bis zur Wand gelangen können – bis die Brombeeren groß genug sind. Und das wollte der Ausschuss ja schließlich vermeiden.

Gabionenwand B54 Dortmund Hombruch
Die Brombeeren (im Bild unten) sind deutlich kleiner ausgefallen, als geplant. Deshalb soll nun vorübergehend ein Zaun die Wand vor Sprayern schützen. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Daher seien „ergänzende Maßnahmen“ wie der Zaun unvermeidbar gewesen, damit die Wand nicht erneut beschädigt würde, sagte Sierau. Er spricht von einer „Weiterentwicklung der Planung“ durch die Verwaltung. Grund dafür sei gewesen, dass die Pflanzperiode im April endet. Bis Ende des Monats mussten die Brombeeren also im Boden stecken. Das will FDP-Mann Görgens nicht gelten lassen. Auch die Stadtverwaltung habe sich an den Beschluss des Gremiums zu halten, sagt er auf Anfrage unserer Redaktion.

Idee entstand bereits 2014

Enthalten sind in den Gesamtkosten von 367.000 Euro deshalb jetzt auch die Gestaltung mit Graffiti für 125.000 Euro sowie ein wiederverwendbarer Zaun für 60.000 Euro. Beides solle dafür sorgen, dass die Wand nicht erneut beschmiert werde. Hinzu kommen außerdem 101 Stieleichen, die entlang der B54 stehen. Das Geld dafür komme von der zuständigen Stadtentwässerung, so Sierau. Der Chef der Stadtentwässerung hatte die Kosten ehemals im niedrigen sechsstelligen Bereich beziffert.

Die Gabionenwand ist ein Dauerbrenner im Ausschuss für öffentliche Ordnung. Die CDU-Fraktion hatte das Thema bereits 2014 in den Ausschuss eingebracht. Zuletzt war ein Versuch, an der Fläche wilden Wein anzupflanzen gescheitert. Thomas Zweier aus der Fraktion Die Linke und Piraten hatte den Beschluss bereits Mitte April 2018 als „Verschwendung von Steuergeldern“ kritisiert. Es sieht nicht danach aus, als würde nun Ruhe in die Debatte kommen.

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