Dortmunder Arbeitnehmer fallen länger krank aus als der NRW-Durchschnitt – und das nicht zum ersten Mal. 

Dortmund – Zum Arzt statt zur Arbeit gehen Dortmunder Arbeitnehmer häufiger als der NRW-Durchschnitt. Die ausgewerteten Zahlen der Versicherten in der Techniker Krankenkasse (TK) und auch Statistiken anderer Kassen zeigen, dass Dortmund schlechter abschneidet. Im Schnitt ist jeder Erwerbstätige im vergangenen Jahr (2016) in Dortmund 17,1 Tage krankheitsbedingt ausgefallen. Landesweit sind es dagegen 15,5 Tage.

Ruhrgebiet – Höchste Anzahl an Fehltagen

Während Erwerbstätige in Verwaltungsstädten wie Bonn, Düsseldorf, Köln und Münster nicht so häufig fehlen, sieht es im Ruhrgebiet ganz anders aus: Hier gibt es die höchste Ausfallquote. Herne hat die meisten Krankheitsausfälle mit 20,7 Tagen, Bonn hat die wenigsten mit 12,1 Tagen. Bundesweit verzeichnete die TK für 2016 5,77 Millionen Arbeitsunfähigkeiten und 75 Millionen Fehltage.

Was sind die Ursachen für Krankschreibungen?

Zu den Hauptursachen für Krankschreibungen gehören Rückenschmerzen, psychische Erkrankungen und Atemwegsinfektionen. Der größte Anteil der Fehlzeiten entfällt mit 2,91 Tagen pro Versichertem auf Muskel-Skelett-Erkrankungen. Das sind etwa Erkrankungen des unteren Rückens, Bandscheibenvorfälle, Arthrosen beispielsweise der Knie und Entzündungen der Schulter-, Arm- und Handgelenke.

Deutschland hat „Rücken“. Anzahl der Fehltage 2016 pro Kopf (links) und Anteil der Rücken-Fehltage 2016 in Prozent (rechts). Quelle: TK-Report

 

Rückenbeschwerden gehören zu den Hauptursachen für Krankschreibungen. Foto: dpa

„Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt rasant. Der klassische Nine-to-Five-Job ist tot und die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt durch die mobile Kommunikation zunehmend“, sagt Günter van Aalst, Leiter der TK Landesvertretung in NRW. Dadurch wird arbeiten vor und nach der Arbeit zur Normalität. Die Unternehmen stehen hier vor neuen Herausforderungen, um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu schützen.

Nach der TK-Analyse sind die Krankenstände im März und im Dezember am höchsten. Arbeitsunfähigkeit erstreckt sich zu einem überwiegenden Teil nur über kurze Zeiträume, langfristige Ausfälle sind eher die Seltenheit. Mehr als ein Drittel aller Arbeitsunfähigkeitsmeldungen dauern weniger als vier Tage.

Arbeitsunfähigkeit nach Dauer 2016. Mehr als ein Drittel aller AU-Meldungen dauerten weniger als vier Tage. Mit 68,1 Prozent erstreckten sich insgesamt mehr als zwei Drittel der Arbeitsunfähigkeitsfälle über maximal eine Woche. Quelle: TK-Report

 

Arbeitsunfähigkeit nach Berufen

Einen Einfluss darauf, wie oft und wie lange man krank ist, hat der ausgeübte Beruf. Beispielsweise ist ein Handwerker einem höheren Verletzungsrisiko am Arbeitsplatz ausgesetzt als ein Büroangestellter. Entsprechend ist bei Handwerkern eher damit zu rechnen, dass sie mal krank fehlen. In diesen Berufen liegen die Fehlzeiten etwa um den Faktor 1,6 über den durchschnittlichen Fehlzeiten bei Männern – also bei insgesamt 13,7 Tagen je Versicherungsjahr.

Die TK hat Daten von über 1,1 Millionen TK-Versicherten für NRW ausgewertet. Dazu gehören sozialversicherungspflichtige Beschäftigte und Arbeitslosengeld-I-Bezieher. Im Durchschnitt lag der Krankenstand bei 4,18 Prozent, sodass der Trend der steigenden krankheitsbedingten Fehltage der vergangenen Jahre erstmalig nicht fortgesetzt wurde. So zeigt der Gesundheitsreport von 2015 auf 2016 einen Rückgang der Fehlzeiten um 1,2 Prozent. In erster Linie ist eine schwächer ausgeprägte Grippe- und Erkältungswelle im Jahr 2016 dafür verantwortlich.

AU-Tage je Versicherungsjahr 2000 bis 2016 nach Geschlecht. Für das Jahr 2016 wurden durchschnittlich 15,25 AU-Tage ermittelt. Die durchschnittliche Anzahl der Fehltage liegt damit um 0,2 Tage beziehungsweise 1,2 Prozent niedriger als im Jahr 2015. Screenshot: TK-Report