Sonntag, 23. September 2018

Doch noch ein Titel für den BVB: Im Dortmunder Westfalenstadion wurden in der vergangenen Saison so viele Plastikbecher verbraucht, wie in keinem anderen deutschen Stadion. Damit ist der BVB erneut Müllmeister. Die Zahlen hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erhoben. Der Verein prüft derzeit sein Bechermodell.

Im Vergleich zur vorherigen Saison 2016/17 hat der BVB den Verbrauch an Einwegbechern nochmals leicht gesteigert: In der gerade abgelaufenen Saison wurden im Westfalenstadion mehr als 1,5 Millionen Plastikbecher benutzt. Damit liegt der BVB mit Abstand vor dem FC Bayern München (1,4 Millionen) und dem Lokalrivalen FC Schalke 04 (1,1 Millionen). Diese drei Vereine sind gleichzeitig die mit den meisten Besuchern.

Deutsche Umwelthilfe Mehrwegbecher Einwegbecher Stadion BVB
In den grün unterlegten Stadien werden Mehrwegbecher benutzt, in den roten Einwegbecher verbraucht. Grafik: Deutsche Umwelthilfe

Insgesamt sollen in deutschen Stadien der ersten zwei Ligen rund 11,5 Millionen Plastikbecher verbraucht worden sein. Erhoben wird diese Zahl von der DUH. Die Organisation setzt sich seit Jahren dafür ein, dass der Berg an Plastikmüll in deutschen Stadien schrumpft. In der kommenden Saison wollen der FC Bayern und der 1. FC Nürnberg auf Mehrwegbecher umstellen. Dann gibt es in 18 der 36 Stadien wiederverwertbare Becher. Generell steigt jedoch die Zahl der Einwegbecher an.

Petition hat 100.000 Unterstützer

Eine Petition für Mehrwegbecher im Westfalenstadion läuft bereits seit Dezember 2017. Vor vier Monaten hatte sie rund 40.000 Fürsprecher. Mittlerweile haben die Forderung fast 100.000 Menschen unterzeichnet. Sie wollen, dass der BVB die Einwegbecher wieder aus dem Stadion verbannt.

Gestartet hatte die Petition Nick Heubeck zusammen mit der DUH. Mit den Unterstützern im Rücken will er nun ein Treffen mit BVB-Boss Joachim Watzke arrangieren. Um den „Einweg-Irrsinn“ zu stoppen hat er deshalb einen Brief an Watzke geschrieben. „Allein in der Saison 2016/17 hat der BVB einen Umsatz von mehr als 400 Millionen Euro erzielt. Da kann es nicht sein, dass dem Verein die Auswirkungen seiner Heimspiele auf die Umwelt egal sind“, schreibt Heubeck in einer Mitteilung auf der Petitionsplattform Change.org.

BVB stellt Modell auf die Probe

Der BVB teilt auf Anfrage von Dortmund24 mit, dass derzeit im „intensiven Austausch mit Experten“ herausgefunden werden soll, welches Bechermodell das beste für Fans und Verein sei. Ob und wann es eine Rückkehr zum Mehrwegbecher geben werde, sei jedoch unklar. Vor der Wahl der Becher habe der Verein Studien geprüft, Experten befragt und sich ausgiebig mit den Auswirkungen beschäftigt.

Zudem verweist der Verein auf seinen Nachhaltigkeitsbericht und die Aktion „Gib mich den Becher“. Bis zur Saison 2015/16 wurden im Stadion jahrelang Mehrwegbecher eingesetzt. Mit Einführung der Einwegbecher aus Maisstärke (PLA) startete auch die Aktion „Gib mich den Becher“. Getränkebecher, die von den Fans in eine von 140 Röhren gegeben werden, landen anschließend in einer 20 Kilometer entfernten Biogasanlage.

Einer der Gründe für die Wahl der Einwegbecher dürfte die Entfernung zur Spülanlage der Mehgrwegbecher gewesen sein. Diese befand sich nach Angaben des BVB im rund 500 Kilometer entfernten Potsdam. Auch mit der Hygiene der Becher war der Verein nicht zufrieden. Weil einige Stadionbesucher volle Mehrwegbecher geworfen hatten, kam es außerdem zu Kopfverletzungen. „Dieses Risiko können und möchten wir keinem unserer Besucher zumuten“, heißt es dazu aus der Kommunikationsabteilung des Vereins.

Der Mehrwegbecher wurde verbessert

Der DUH kritisiert jedoch, dass ein Großteil der kompostierbaren Bioplastik-Becher dennoch verbrannt werden – und somit auch keinen Nutzen für die Umwelt haben. Außerdem gebe es mittlerweile Becher mit abgeschrägtem Boden. Diese entleeren sich, wenn sie geworfen werden und sollen so vermeiden, dass Besucher verletzt werden.

Laut DUH sind Mehrwegbecher bereits dann umweltfreundlicher, wenn sie zum fünften Mal benutzt werden. Laut der Organisation arbeitet die Europäische Kommission derzeit an einem Verbot der Becher. Spätestens dann wird es wohl auch in Dortmund wieder Pils in Mehrwegbechern geben.

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