Genau ein Jahr ist es morgen (11. April) her, dass Sergej W. einen Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verübt hat. Mittlerweile hat er die Tat gestanden, auf ihn könnte eine lange Zeit in Haft warten.

Am 11. April 2017, hat Sergej W., der im russischen Tscheljabinsk geborene Deutsche, einen Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus des BVB verübt. Zwei Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt. Er hatte mit Optionsscheinen auf einen fallenden Kurs der Aktie des einzigen börsennotierten Fußball-Clubs in Deutschland gewettet. Statt hoher Gewinne aus Börsengeschäften, könnte ihn nun eine lange Zeit in Haft erwarten.

Seit Ende Dezember 2017 verhandelt das Dortmunder Schwurgericht gegen Sergej W. wegen 28-fachen versuchten Mordes. An mehreren Prozesstagen haben in den vergangenen Monaten Spieler des BVB, der Ex-Trainer Thomas Tuchel und weitere Personen ihre Aussagen zu dem Anschlag gemacht.

Sergej W. wollte Angst und Schrecken verbreiten

Und auch der Angeklagte hat die Tat inzwischen gestanden. „Ich bedauere mein Verhalten zutiefst“, hat er vor Gericht ausgesagt. Ihm sei es aber wichtig zu betonen, dass er niemanden verletzen oder gar töten wollte. Lediglich Angst und Schrecken habe er verbreiten wollen. Der Anschlag habe so gut wie keinen Schaden anrichten sollen.

Die zerstörte Scheibe des Mannschaftsbusses von Borussia Dortmund. Foto: Bernd Thissen/Archiv

Wenn die drei Bomben tatsächlich niemanden gefährden sollten, warum bestückte er jede einzelne dann mit 65 Metallstiften, die er selbst an seinem Arbeitsplatz gesägt und gefeilt hatte? „Das Ganze musste doch echt wirken“, hat Sergej W. auf diese Frage geantwortet. Mit voller Absicht habe er die mittlere Bombe deshalb auch in etwa einem Meter Höhe in einer Hecke neben der Bus-Strecke angebracht. Die Splitter sollten angeblich über den Bus fliegen.

Zehn Tage nach dem Anschlag wurde der junge Mann an seinem Wohnort in Rottenburg am Neckar festgenommen. Seine auffälligen Finanzgeschäfte hatten die Ermittler früh auf seine Spur gebracht. Schnell war auch klar, dass er zur Tatzeit das Zimmer 402 des Dortmunder Hotels „l’Arrivée“ gemietet hatte, in dem die Mannschaft von Borussia Dortmund vor dem CL-Heimspiel gegen AS Monaco abgestiegen war. Als Industriemeister für Elektrotechnik besaß W. außerdem das nötige Fachwissen für den Bau und die Zündung von Sprengsätzen.

Verletzter Polizist ist bis heute dienstunfähig

Die drei Bomben waren explodiert, als der voll besetzte Dortmunder Mannschaftsbus um 19.15 Uhr am Hotel „l’Arrivée“ zum Stadion losgefahren war. Im Inneren des Busses wurde der damalige Dortmunder Innenverteidiger Marc Bartra schwer am Unterarm verletzt. Ein Polizist, der dem Bus auf einem Motorrad vorausfahren sollte, erlitt ein Knalltrauma.

Der Beamte ist bis heute dienstunfähig. Und auch die Spieler und Verantwortlichen des Bundesligisten haben die schlimmen Momente noch lange nicht verarbeitet. „Der Anschlag hat mein Leben verändert“, sagte zum Beispiel Torwart Roman Weidenfeller als Zeuge vor Gericht.

BVB-Profi Roman Weidenfeller als Zeuge im Dortmunder Landgericht. Foto: Bernd Thissen/dpa

In seiner Erklärung vor Gericht hat der Angeklagte durchblicken lassen, dass er im April 2017 Gedanken an Selbstmord hatte. „Keinen Sinn mehr“ habe er in seinem Leben gesehen. Das Geld aus dem erhofften Börsengewinn habe er seinen Eltern hinterlassen wollen. Sein Urteil erwartet der Angeklagte nun frühestens im Juni. Auch für versuchten Mord könnten die Richter lebenslange Haft verhängen.

(Mit Material von dpa)

Anzeige