Sonntag, 23. September 2018

Borussia Dortmund kann sich riesig freuen. Da sind sich Vertreter und Fans von Werder Bremen und dem FC Kopenhagen einig. Mit Thomas Delaney bekommt der BVB einen Führungsspieler, der sowohl auf als auch neben dem Platz seinen Kopf benutzt und passend zum Ruhrgebiet lieber eine robuste Grätsche ansetzt als ein Traumtor schießt.

Herzlich willkommen bei Borussia Dortmund, Thomas Delaney. Hier sind einige Dinge, die ihr (vielleicht) noch nicht über den dänischen Nationalspieler und neuen BVB-Star wusstet.

Delaney ist ein Führungsspieler

Thomas Delaney ist 1991 geboren und debütierte am 16. April 2009 für den FC Kopenhagen im Halbfinale des dänischen Pokalwettbewerbes gegen Norvest FC – 4:0 für Kopenhagen. Zur Saison 2009/10 nahm ihn Cheftrainer Stale Solbakken, der auch mal den 1. FC Köln trainierte, in den Profikader auf. Viermal wurde Delaney mit Kopenhagen Meister, dreimal Pokalsieger. Zudem spielte er regelmäßig in der Europa League und teilweise auch in der Champions League.

Er führte den FC Kopenhagen als Kapitän auf das Feld.  Zum 1. Januar 2017 wechselte er zu Werder Bremen. Schon nach nur einer halben Spielzeit – im Sommer 2017 – ernannte ihn der damalige Werder-Trainer Alexander Nouri zum neuen Bremen-Kapitän. Auch bei der Nationalmannschaft gehört er neben Kaspar Schmeichel (Leicester City) und Christian Eriksen (Tottenham Hotspur) zu den Führungsspielern.

Fester Kapitän in Kopenhagen und Bremen. Aushilfskapitän in Dänemark. Borussia Dortmund kann sich auf einen echten Führungsspieler freuen.

Delaney kämpfe sich ins Herz der Bremer

Der Anfang der des Jahres 2017 war für Werder Bremen sehr schwierig. Die Gegner: BVB, FC Bayern, Augsburg und Gladbach. Vier Niederlagen in Folge. Erst gegen den 1. FSV Mainz 05 gelang der Befreiungsschlag. Mit einem Freistoßtor von Thomas Delaney. Er gehörte mit seiner aggressiven Spielweise zu den Erfolgsgaranten, dass Bremen fast noch die Europa League erreichte. Schnell schoss er aus diesem Grund auch bei den Fans in der Beliebtheitsskala nach oben. Im clubeigenenem Werder TV wurde er gefragt, ob er ein Traumtor oder eine robuste Grätsche besser finden würde. Die Antwort: Die Grätsche. Das dürfte den BVB-Fans auch gefallen.

Die Familiengeschichte ist multikulturell

Die Familiengeschichte von Thomas Delaney, dessen Name nicht wirklich dänisch klingt, ist kompliziert. Seine Vorfahren kamen aus Irland und sind während der großen Hungersnot im 19. Jahrhundert (1845 – 1852) in die Vereinigten Staaten von Amerika ausgewandert. Delaneys Urgroßvater und Großvater erblickten in den USA das Licht der Welt. Sein Vater wurde jedoch in Dänemark geboren, zog zwischenzeitlich in die USA nach New York, lebt aber mittlerweile wieder in Kopenhagen. Thomas Delaney wurde in Frederiksberg (eine Kommune in Kopenhagen) geboren und ist dort aufgewachsen.

Er hätte also auch für die USA spielen können? Aber mit den Worten „Ich bin ein Däne“ gegenüber dem Magazin „Yanks Abroad“ hatte er sich 2012 für sein Geburtsland entschieden. Gute Wahl. Denn bei der WM 2018 trifft Dänemark in der Gruppe C auf Frankreich, Australien und Peru – die US-Boys müssen zuschauen.

Delaney ist auch neben dem Platz ein intelligenter Spieler

Thomas Delaney beendete die Schule in Dänemark. Er hat das Glück und lebt das Privileg, ein professioneller Fußballer zu sein. Trotzdem schien das für ihn kein Anlass zu sein, die Beine abseits des Trainingsplatzes hochzulegen. Nach der Schule belegte er ein Online-Studium im Fach Wirtschaft. Der BVB kann sich auf einen klugen Spieler freuen.

Am 2. Juni spielte Dänemark im Test gegen Schweden (0:0). Hatte sich Delaney da schon für den BVB entschieden? Foto: Joel Marklund/Bildbyran/dpa

Delaney ist eine Kopenhagener Legende

Die Titelsammlung von Thomas Delaney beim FC Kopenhagen kann sich sehen lassen. In 172 Spielen schoss der defensive Mittelfeldspieler 19 Tore. Gar nicht so schlecht. Er holte viermal die Meisterschaft und dreimal den Pokal. Im Jahr 2011 scheiterte der FC Kopenhagen mit Delaney knapp im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Chelsea (0:0 / 0:2). Die Bewunderung für Delaney bei den Anhängern und beim Verein FC Kopenhagen ist so groß, dass sie ihm eine eigene Dokumentation gewidmet haben.

Der FC Kopenhagen holte am Ende der Saison 2016/17 das Double – Meisterschaft und Pokal. Delaney war da schon Spieler von Werder Bremen. Das hielt dennoch niemanden davon ab, ihn zur Meisterschaftsfeier einzuladen – er wurde mit einem Helikopter in das Stadion „Telia Parken“ geflogen und von den Fans total abgefeiert – als Ex-Spieler. Viele BVB-Fans sehnen sich nach Beständigkeit und Typen wie Kuba, Subotic oder Großkreutz. Mit Delaney kommt zumindest ein Spieler, der immer alles für seine Vereine gibt.

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