Sonntag, 23. September 2018

Lucien Favre wird in der kommenden Saison Trainer von Borussia Dortmund. Er gehört zu den besten Coaches in Europa, ist aber gleichzeitig auch ein schwieriger Charakter. Hier sind ein paar interessante Dinge über den neuen Trainer, die ihr (vielleicht) noch nicht wusstet

Er hat mit seinen Teams mehr Erfolg als erwartet

Gute Nachrichten für den BVB. Jeder Club, den der Schweizer Trainer Favre bisher trainiert hat, war erfolgreich. Er führte den Club Echallons in die zweite Liga und Yverdon in die erste Liga. Mit Servette Genf holte er den Pokal, mit dem FC Zürich wurde er Meister und Pokalsieger.

In Deutschland führte er Hertha BSC fast in die Champions League. Mit Borussia Mönchengladbach spielte er Königsklasse und dem französischen Club OGC Nizza erreichte der Schweizer imerhin die Play-off-Spiele und verlor gegen den SSC Neapel. Er holte aus jedem Club mehr raus, als Experten vorab für möglich gehalten haben. Nicht schlecht, Herr Favre.

Der Schweizer kann auch „Feierbiest“

In einem Interview mit dem Magazin 11Freunde hat Favre zugegeben, in den achtziger Jahren im Trainingslager mit einigen Teamkollegen bis vier Uhr feiern gewesen zu sein. Der Trainer hätte das natürlich gemerkt und das Team am nächsten Tag mit Konditionstraining gequält. Obwohl es anstregend war, fand er des keineswegs schlimm und hat aus diesem Grund eine lockere Einstellung zum Feiern. „Spieler müssen sogar mal feiern. Ich hab auch viel gefeiert!“

Keine Lust auf eine „Abbruch GmbH“

Eigentlich ist es ein Wunder, dass Favre nach Dortmund gewechselt ist. Er mag schönen Fußball. Dafür war Dortmund in der vergangenen Saison ja nicht bekannt. In den 80er Jahren spielte er zeitweise auch für die Nationalmannschaft der Schweiz. Die war damals jedoch nicht sehr gut und wurde von der deutschsprachigen Presse „Abbruch GmbH“ genannt.

Favre trat 1984 aus der Nationalmannschaft zurück und konzentrierte sich fortan auf seinen Verein Servette Genf. Vielleicht Hoffnung für die schwarzgelbe „Abbruch GmbH“. Immerhin hat er sich für den BVB entschieden, sodass vielleicht wieder schöner Fußball im Westfalenstadion zu sehen sein wird.

Von „Chapis“ Papa umgesenst

Favre war in den 80er Jahren ein Topspieler. Die französischsprachigen Presse in der Schweiz verglich ihn mit dem Michel Platini, dem besten Spieler jener Zeit. 1985 spielte er bei Servette Genf.

Pierre-Albert Chapuisat, der Papa von BVB-Ikone Stephane Chapuisat, senste Favre in einem Meisterschaftsspiel so brutal um, dass er seine Karriere fast beenden musste. Die Attacke zertrümmerte sein Knie. Er verklagte Chapuisat wegen Körperverletzung.

Doch schaffte er es noch einmal zurück auf den Fußballplatz. Sein einstiges Niveau erreichte der Techniker jedoch nie wieder.

Ein Start mit Entsetzen

Lucien Favre arbeitete von 2007 bis 2009 bei Hertha BSC. Im Jahr 2009 erreichte Hertha BSC beinahe die Champions League und spielte lange um die Meisterschaft mit. Dabei hätte das Abenteuer Berlin für den Schweizer nach nur einem Spiel schon beendet sein können.

Laut einer Anekdote, die in Berlin kursiert, soll er nach dem ersten Spiel im DFB-Pokal schon gleich wieder abreisen. Was war passiert? Berlin gewann mit 3:0 gegen die SpVgg Unterhaching (3. Liga). Er war so entsetzt und wollte gleich kündigen. Das Ergebnis war dem Trainer nicht hoch genug. Es ist allerdings nicht gesichert, ob die Anekdote stimmt.

In den höchsten Tönen

Weggefärhten von Lucien Favre loben den Trainer in den höchsten Tönen. Skandalnudel Mario Balotelli arbeitete mit ihm bei Nizza zusammen und stellte ihn auf eine Stufe mit Jose Mourinho. Dieter Hoeneß war in Berlin der Manager und verglich ihn mit Pep Guardiola. Gute Aussichten für den BVB.

Wunderschöner Defensivspezialist

Als Lucien Favre Trainer bei Borussia Mönchengladbach war, spielte das Team einen sehr attraktiven Fußball. Die Experten lobten sowohl Passsicherheit als auch Ballbesitz. Aber auch die Defensive war herausragend. Mit einem Gegentorschnitt von 1,1 ist der Schweizer in der Defensiv-Hinsicht der beste Trainer in der Geschichte von Borussia Mönchengladbach.

Ein schwieriger Charakter

Mit Lucien Favre hat sich Borussia Dortmund keinen einfachen Charakter in den Verein geholt. Bei Borussia Mönchengladbach wollte Favre mehrere Male den Vertrag kündigen. Sportdirektor Max Eberl konnte ihn allerdings zum Bleiben überreden.

Nach einer Negativserie zum Anfang der Saison 2015/16 verkündete Favre jedoch seinen Abschied selbst. Auch in Berlin gab es neben der nicht verifizierten Anekdote seiner möglichen Kündigung nach dem Pokalspiel gegen Unterhaching, immer wieder lange Diskussionen. Ex-Berlin-Manager sagte einmal über Favre: „Favre hat mich gefordert.“

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