Sonntag, 23. September 2018

Im Haus Sölde sind bisher unbekannte historische Dokumente aufgetaucht. Die älteste gefundene Urkunde ist von 1377, die jüngste aus dem 19. Jahrhundert. Historiker schätzen, dass diese Fundstücke die Dortmunder Geschichte neu schreiben könnten.

Das Papier der Dokumente ist gelblich, an jedem hängen ein oder mehrere Wachssiegel, die Schrift ist überraschenderweise sehr deutlich. „Dass solche historischen Papiere gefunden werden, ist erstens sehr selten und zweitens sind sie zu unserem Glück in einem sehr guten Zustand. Selbst die Wachssiegel sind erhalten, die damals quasi als Absender dienten“, erklärt Dr. Georg Eggenstein. Eggenstein ist Historiker, kennt sich auch mit Archäologie aus und ist Vorsitzender des Aplerbecker Geschichtsvereins. Es handelt sich um eine lateinische Schreibschrift. „Auch wenn das Deutsch ist, handelt es sich beinahe um eine andere Sprache“, sagt Eggenstein.

Der Zweite Weltkrieg zerstörte Dortmund

Dass solche Funde selten sind, liegt daran, dass Dortmund im Zweiten Weltkrieg nicht von Bombardements verschont blieb und die Stadtbrände wertvolle historische Dokumente zerstörten. Umso größer ist nun die Freunde beim Aplerbecker Geschichtsverein und bei dem Stadtbezirksmarketing Dortmund Aplerbeck.

Georg Eggenstein (v.l.) Michael Rohde vom Stadtbezirksmarketing, Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel, Jörg Wiedelmann vom Geschichtsverein, Bernhard Fuest (Stadtbezirksmarketing und Aplerbecker Förderkreis), Ulrich Krüger (Stadtbezirksmarketing) und Susanne Kerschek (Stadtbezirksmarketing) freuen sich über die Dokumente. Foto: Freddy Schneider/Dortmund24

Wo genau die rund 80 Dokumente im Haus Sölde lagerten, weiß Eggenstein nicht. „Es muss aber eine dunkle, trockene Stelle gewesen sein, sonst sähen die Urkunden anders aus“, weiß er. Die Texte sind auf Deutsch. Das heißt aber nicht, dass man den Text gut lesen und ihm folgen kann. „Die Schreibweise ist ganz anders und manche Wörter werden benutzt, die man heutzutage gar nicht mehr benutzt“, sagt Eggenstein.

Dokumente befassen sich mit finanziellen Themen

Der Paderborner Historiker Ralf Otte soll die Dokumente nun entschlüsseln und übersetzen. Zwei Dokumente sind schon transkribiert. „Hauptsächlich geht es nur um finanzielle Themen“, sagt Eggenstein. Zum Beispiel geht es in einem Dokument von 1559 darum, dass Johann und Clara von Hövel ein Geschäft mit den „schwarzen Brüdern“ machen. Johann von Hövel gehörte einem Adelsgeschlecht an und mit den „schwarzen Brüdern“ waren die Dominikaner gemeint. Die Schwarze-Brüder-Straße in der Innenstadt erinnert noch heute an sie.

Der Deal war: Die Dortmunder Dominikaner bekommen jährlich drei Joachimstaler – die Währung im 14. Jahrhundert – von Johann und Clara von Hövel. Dafür bekommen die Eheleute den Betrag X von den Dominikanern. Die genaue Summe, die Johann und Clara von Hövel bekamen, ist (noch) nicht genau überliefert. Aber im Prinzip handelt es sich hier um einen Kreditvertrag. „Übergeben wurde das Geld immer am 22. Februar, einem kirchlichen Feiertag“, weiß der Historiker.

Urkunden sind jetzt in Privatbesitz

Rein theoretisch könnten die Rechtsnachfolger von Johann und Clara von Hövel Anspruch auf das Geld erheben. „Aber ganz sicher bin ich mir da nicht. Das sollte sich besser ein Jurist anschauen“, sagt Eggenstein. Meistens drehen sich die Dokumente um Mitgiften, Erbschaften, Verpachtungen, Verkäufen und um Inventare.

Die Dokumente aus dem Haus Sölde könnten neue Aufschlüsse über die Dortmunder Geschichte geben. Foto: Freddy Schneider/Dortmund24

Die rund 80 Dokumente stammen aus dem Nachlass von Franz Krause, einem Historiker aus Sölde. Es ist nicht bekannt, wie Krause an die Papiere kam. Er hat die Dokumente leider nicht der Stadt Dortmund überlassen. Die Urkunden gehören einer Privatperson, die nicht genannt werden möchte.

Eine Ausstellung für 2019 ist geplant

Wenn der Historiker Otte die Urkunden übersetzt hat, kann es sein, dass die Geschichte von Sölde und Dortmund ergänzt werden muss. Otte interpretiert die Inhalte und ordnet sie zeitlich ein. Die Ergebnisse sollen auch der Öffentlichkeit gezeigt werden.

„Wir planen eine Ausstellung, aber auch eine gebundene Dokumentation, damit man nach der Ausstellung noch etwas in der Hand hat“, sagt Michael Rohde vom Stadtbezirksmarketing Dortmund Aplerbeck. Spätestens 2019 soll die Ausstellung zu sehen sein. Das Projekt wird vom Stadtbezirksmarketing und von der Bezirksvertretung finanziert. 3.000 Euro kommen von der Bezirksvertretung, 15.000 Euro vom Stadtbezirksmarketing.

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