Der Verein DoDog setzt sich für Tiere wohnungsloser und obdachloser Menschen ein. Dafür hat die Initiative in Dortmund eine ambulante Sprechstunde für Tiere eingerichtet. Wir waren vor Ort dabei.

Innenstadt – Für viele wohnungslose Menschen steht das Tier an erster Stelle. Das Tier gibt ihnen Hoffnungen und das Gefühl, akzeptiert zu werden. Die Obdachlosen sorgen sich um ihren Begleiter. Außerdem können sie durch die Tiere auch Kontakte zu anderen Menschen knüpfen. Außerdem gewinnen sie durch das Tier eine Struktur im Alltagstrott: Der Hund muss gefüttert, ausgeführt und gepflegt werden.

Die finanzielle Situation der Personen ist meistens beschränkt und die medizinische Versorgung erfordert Geld. Geld, das viele Menschen, die auf der Straße leben, nicht haben. An dieser Stelle kommt DoDog ins Spiel. Das Hilfsprojekt setzt sich seit 2009 für die Menschen und ihre Tiere ein. Die kostenlose ambulante Sprechstunde findet alle zwei Wochen im Dortmunder Streetwork Café in der Leopoldstraße 22 statt.

Regelmäßige Sprechstunde

Die tierärztliche Sprechstunde im Streetwork Café ist gut besucht. Draußen stehen schon die ersten Tierhalter mit ihren Hunden, Katzen und sogar ein Wellensittich ist dabei. Im Café sind zwei Tische aufgebaut, ein improvisierter Behandlungstisch mit Desinfektionsmittel, Stethoskop und Medikamenten. Daneben eine Tierwaage und Behälter voller Medikamente und Spritzen. Drum herum ein Halbkreis aus Stühlen, für die wartenden Patienten mit Herrchen. Hier braucht es Struktur: Erst sind die Katzen dran, dann die Hunde.

Warteschlange bei der DoDog-Sprechstunde. Foto: Dortmund24/Ann-Kristin Pott
Warteschlange bei der DoDog-Sprechstunde. Foto: Dortmund24/Ann-Kristin Pott

Für jedes Tier gibt es eine Patientenakte. Die Verwaltung übernehmen auch Mitarbeiter des Streetwork Cafés. Die Tiere müssen jedes Mal vor der Sprechstunde angemeldet werden. So hat jeder Hund, jede Katze und jeder Vogel seine eigene Akte. Durchschnittlich kommen zwischen 25 und 45 Patienten in die Sprechstunde. Am häufigsten sind das Hunde, behandelt wird aber jedes Kleintier. Die Grundversorgung besteht aus der Wundversorgung, Impfungen, Wurmkuren und natürlich Beratung. Die Tiere werden außerdem auf Zecken und Flöhe geprüft. Für die Tierbesitzer ist das kostenlos. Fallen Operationen oder größere Eingriffe an, muss der Halter die Hälfte des Preises zahlen, den Rest übernimmt der DoDog Verein.

Das DoDog-Team

Insgesamt betreuen zwei Ärzte-Teams die Sprechstunde. Heute sind Dr. Mechtild Fecke-Peitz aus Lippstadt, Dr. Michael Coers aus Lünen und Arzthelferin Frau Schulz für die Tierbehandlung zuständig. Dr. Coers ist aus christlicher Überzeugung mit im Team. Ihm geht es um Mensch und Tier: „Wenn es dem Hund gut geht, dann geht es auch dem Besitzer gut. Die Tiere geben den Menschen Halt und eine Aufgabe“. Dr. Coers sieht in der Arbeit von DoDog eine gute Möglichkeit, Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, zu unterstützen. Der soziale Kontakt und das Gespräch sind wichtig.

Dr. Michael Coers, Arzthelferin Frau Schulz und Dr. Mechthild Fecke-Peitz in der DoDog-Sprechstunde. Foto: Dortmund24/Ann-Kristin Pott
Dr. Michael Coers, Arzthelferin Frau Schulz und Dr. Mechthild Fecke-Peitz in der DoDog-Sprechstunde. Foto: Dortmund24/Ann-Kristin Pott

Ins Leben gerufen wurde das Hilfsprojekt von den beiden Freundinnen Friederike Weichenhan und Dr. Barbara Seibert, die ebenfalls ein Ärzteteam bilden. Für die Realisierung des Projektes hat das Team hartnäckig gekämpft. Da Tierärzte nicht umsonst arbeiten dürfen, musste eine Ausnahme bei der Tierärztekammer beantragt werden. Denn die Ärzteteams, die sich jeden Monat abwechseln, arbeiten ehrenamtlich für DoDog. Obwohl Barbara Seibert zweimal ein „Nein“ von der Tierärztekammer bekommen hat, hat sie nicht aufgegeben und weiter gekämpft. Mit Erfolg: Mittlerweile arbeiten Tierärztekammer und DoDog gut zusammen, die Hürden sind nicht mehr da.

Das Tier als Lebensinhalt

Marion Patzek ist von Anfang an als Kassiererin des Vereins mit dabei. Sie organisiert die Behandlungsstunden und ist selbst Hundehalterin. Für Menschen ohne Obdach stellen die Tiere einen wichtigen Teil des Lebens dar. „Oft werden diese Menschen nicht gesehen, der einzige Sozialpunkt ist das Tier. Das nimmt sie so, wie sie sind“, sagt Marion Patzek. Das Tier ist der Lebensinhalt der hilfsbedürftigen Menschen. Sie geben ihnen eine Tagesstruktur, einen Antrieb für den Tag.

Marion Patzek und Barbara Seibert bei der DoDog-Sprechstunde. Foto: Dortmund24/Ann-Kristin Pott
Marion Patzek und Barbara Seibert bei der DoDog-Sprechstunde. Foto: Dortmund24/Ann-Kristin Pott

Auch Barbara Seibert glaubt, dass die Tiere den Menschen aus ihrer oft schwierigen Lage helfen können: „Viele haben es dadurch geschafft wieder ins bürgerliche Leben zu finden und Verantwortung zu übernehmen“. Es handelt sich bei den hilfsbedürftigen Tierbesitzern um Obdachlose und um Menschen, die Alkohol- oder Drogenprobleme haben. Das wird auch von den Mitarbeitern des Streetwork Cafés geprüft.

Eins ist dem DoDog Team aber besonders wichtig, betont Barbara Seibert: „Ein respektvoller Umgang, ein Umgang auf Augenhöhe ganz ohne herablassende oder mitleidige Blicke“.

Hilfsprojekt für Mensch und Tier

Es gibt zahlreiche positive Beispiele an denen deutlich wird, dass Tiere ihre Besitzer retten können. Barbara Seibert erzählt die Geschichte von einem drogenabhängigen Mann und seiner Schäferhündin Shiva. Er ist immer wieder zur Behandlung gekommen und war durch den Drogenkonsum oft sehr verwirrt und neben der Spur. Als seine Hündin angefahren wurde und einen Beinbruch erlitten hat, standen die DoDog-Ärzte vor einer schwierigen Entscheidung: OP oder Einschläfern? Sie haben sich für die Operation entschieden.

Die Schäferhündin wurde mit Hilfe der Tierschutzorganisation Arche in eine Praxis transportiert und schließlich dort operiert. Danach hat ihr Besitzer die Hündin abgeholt. Zu Fuß, 2km Weg. Das hat der Hund nicht geschafft. Deswegen wurde die Hündin abgeholt und bei einer Bekannten von Frau Seibert untergebracht. Der ehemalige Besitzer hat der Hündin immer wieder Essen gebracht. Als die seine Schäferhündin auch dort nicht mehr gehalten werden konnte, wurde dem obdachlosen Hundebesitzer eine zweite Chance gegeben. Dr. Seibert hat ihm gezeigt, wie er den Verband wechseln muss. Er hat sich um seine Hündin gekümmert, wurde jedes Mal klarer im Kopf und hat sogar einen Entzug gemacht. Barbara Seibert ist sich sicher: „Der Hund hat den Mann gerettet“.

Mirko und Medusa

Mirko und seine Hündin Medusa bei der DoDog Sprechstunde. Foto: Dortmund24/Ann-Kristin Pott
Mirko und seine Hündin Medusa bei der DoDog Sprechstunde. Foto: Dortmund24/Ann-Kristin Pott

Mirko kommt seit 2009 zur DoDog Sprechstunde. Er war Gast im Streetwork Café und hat dann von der tierärztlichen, kostenlosen Sprechstunde gehört. Seine Labradorhündin hat er von kleinauf groß gezogen. „Sie ist für mich wie ein Kind“. Er findet es super, dass es DoDog gibt, weil medizinische Versorgung ganz schön teuer sein kann: „Ich habe nicht so viel Geld und hier wird man unterstützt und ich muss nicht den vollen Preis zahlen“, sagt Mirko. Mittlerweile hat er eine Wohnung, war aber auch schon einmal obdachlos. Medusa hat ihn immer begleitet, dadurch war er nie allein. Seine Hündin leidet an Krebs und wird derzeit mit homöopathischen Mitteln behandelt. Dadurch geht es ihr besser – und nicht nur ihr, auch Mirko.

Nicole und Daniela bei der DoDog-Sprechstunde. Foto: Dortmund24/Ann-Kristin Pott
Nicole und Daniela. Foto: Dortmund24/Ann-Kristin Pott

Nicole ist zum zweiten Mal in der Sprechstunde. Sie ist begeistert und froh, dass es diese Institution gibt. Nicole: „Hier kriegt man alles, was der Hund braucht. Auch Trockenfutter und Nassfutter“. Als Nicole kurz den Raum verlässt, bellt ihre Labradorhündin auf. Man merkt sofort, dass eine Verbindung zwischen Mensch und Tier besteht. Auch Daniela ist froh, Hilfe zu bekommen: „Wir könnten das Geld alleine nicht aufbringen, um die vollen Tierarztkosten zu bezahlen. Hier wird uns geholfen“.

 

Wer helfen will, kann im Streetwork Café in der Leopoldstraße 22 Decken, Hundefutter, Leinen oder Halsbänder vorbeibringen. Sponsoren werden immer gesucht. Mittlerweile hält sich der Verein seit 8 Jahren. Finanziert wird die Grundversorgung durch Mitgliederbeiträge und Spenden.

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