Donnerstag, 19. Oktober 2017

Bis zu 15 Prozent der Stimmen: die AfD hat im Dortmunder Norden viele Wähler mobilisiert. Wirklich verwunderlich ist das aber nicht. Eine Einordnung mit Blick auf die Strukturdaten der Wahlkreise.

Welches Profil hat er denn nun, der typische AfD-Wähler? Das ist schwer zu sagen. Die Forschungsgruppe Wahlen hat es in einer Analyse versucht herauszufinden und die Bürger befragt. Herausgekommen ist folgendes: Der AfD-Wähler ist meistens zwischen 30 und 44 Jahre alt und deshalb nur selten Rentner. Meistens ist er arbeitslos, aber eben auch fast genauso oft berufstätig.

Unter Männern, die vorher Nichtwähler waren, ist die AfD besonders beliebt. Zur Wahl geht der AfD-Anhänger aus Unzufriedenheit. Am meisten stört ihn Merkels Flüchtlingspolitik (98 Prozent der Befragten). Auch deshalb, weil er nicht glaubt, dass Deutschland so viele Flüchtlinge verkraften kann (86 Prozent). Darin liegt aber auch eine Menge Protest gegen die Kanzlerin.

Wie passt das zu Dortmund?

Obwohl es Deutschland wirtschaftlich gut geht, kommt das nicht bei allen Menschen an. Die Armutsquote ist etwa in Dortmund überdurchschnittlich hoch. Seit 2005 steigt sie zudem fast jährlich. Dortmund mit einer Armutsquote von 22 Prozent (2015) und das Ruhrgebiet insgesamt gelten als Problemregionen. Zum Vergleich: Münster liegt bei 14,6 Prozent, Bochum und Hagen zusammen bei 19,4. Kein Wunder also, dass auch immer mehr Menschen unzufrieden sind, obwohl es wirtschaftlich läuft.

AfD Wahlkreise
Nord-Süd-Gefälle: So hat die AfD bei der Bundestagswahl 2017 in Dortmund abgeschnitten. Grafik: Stadt Dortmund

Dazu passt, dass die nördlichen Stadtbezirke Dortmunds als Hochburgen der SPD gelten. Genau hier hat die Partei aber auch am stärksten verloren – und die AfD am meisten zugelegt, wie die Grafik der Stadt Dortmund zeigt. Soziale Gerechtigkeit hatte etwa die SPD im Wahlkampf zwar versprochen, in den vergangenen Jahren aber als Partei selbst nicht gelebt. Anstatt also auf die Versprechen zu hoffen, haben die Wähler die Sozialdemokraten abgestraft. Das sieht man an den zum Teil zweistelligen Verlusten in den nördlichen Stadtbezirken Dortmunds.

Klares Nord-Süd-Gefälle erkennbar

Zum anderen passen die Strukturdaten der Stadtbezirke (Stand 2015) zum Wählerprofil, das die Forschungsgruppe Wahlen umrissen hat. In Eving, Huckarde und Scharnhorst etwa gibt es Quartiere mit hoher Arbeitslosigkeit. Wahlergebnisse der AfD: zwischen 13,8 und 15 Prozent. Hombruch hingegen verzeichnet die geringste Arbeitslosenquote Dortmunds. Die AfD holt dort 7,7 Prozent.

In Mengede sind die Bewohner unterdurchschnittlich jung, haben aber einen Job. AfD-Ergebnis: 14,9 Prozent. Die Rentner wohnen hingegen eher im Süden Dortmunds. Dort blieb die Partei unter dem städtischen Durchschnitt, hier ist jedoch der Verdruss über die CDU bemerkbar. Und in Scharnhorst leben zahlreiche russischstämmige Spätaussiedler, bei denen die AfD im Wahlkampf bundesweit auf Stimmenfang ging. Das Ergebnis hier: glatte 15 Prozent.

Nicht falsch verstehen: Es handelt sich hier nicht um Beweise, sondern um Korrelationen, die auf einen Zusammenhang Hinweisen können. Gewählt wurde die AfD schließlich in ganz Dortmund. Legt man die Eckdaten aber übereinander, ist das Wahlergebnis der Rechtspopulisten in Dortmund wahrlich keine Überraschung mehr.

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