Mittwoch, 18. Oktober 2017

Der DSW21-Chef Guntram Pehlke steht in der Kritik: Er fährt einen Audi SQ7 als Dienstwagen – nicht gerade preiswert und umweltschonend. Aber warum eigentlich? Unter anderem, weil er durchschnittlich drei bis fünf Stunden pro Tag darin verbringt, so der Vorstandsvorsitzende. Außerdem hat er 2011 im Gegenzug für seinen teuren Dienstwagen auf einen Bonus verzichtet. 

Seit ein paar Wochen wird in den Dortmunder Medien darüber berichtet, dass DSW21-Chef Guntram Pehlke einen Audi SQ7 als Dienstwagen fährt. Der “Monsterdiesel” scheint unangemessen für den Chef einer Firma, die damit wirbt, dass Kunden den umweltfreundlichen ÖPNV nutzen sollen. Die Grünen nutzten die Lage für eine PR-Aktion. Sie schenkten Pehlke ein Viererticket für den Dortmunder ÖPNV und forderten, dass er “seinen 453-PS-Dienstwagen auf den Dieselhaufen der Geschichte” legt.

Besseres Auto statt Bonus

Das Argument der Grünen, dass Pehlke als Vorstandsvorsitzender der DSW21 mit gutem Beispiel vorangehen sollte, ist nachvollziehbar. Aber auch Pehlke hat seine Gründe, warum er so ein großes Dieselauto fährt. Er hat so einen Dienstwagen auch nicht erst seit Neuestem. Sein aktuelles Modell fährt er seit ein paar Monaten, vorher hatte er jedoch schon vier Jahre lang einen Audi Q7.

Normalerweise würde ihm ein Audi A6 zustehen, erklärt er unserer Redaktion. Dieser ist laut UVP etwa 20.000 Euro günstiger als der Q7. Im Gegenzug verzichtete Pehlke damals im Jahr 2011 jedoch auf einen Bonus, der ihm zugestanden hätte. Andere Kollegen von DSW21 nahmen den Bonus, Pehlke wünschte sich ein größeres Dienstauto. “Für die Firma war das ein guter Deal”, meint er bezogen auf die Kosten.

Guntram Pehlke DSW21-Chef
Guntram Pehlke, Vorstandsvorsitzender von DSW21. Foto: DSW21

Arbeitsplatz Auto

Er wollte ein größeres Auto, weil er darin nach eigenen Angaben durchschnittlich drei bis fünf Stunden pro Tag arbeitet. “Das ist wie mein zweites Büro”, sagt er. Deswegen brauche er darin genug Platz. Aber warum dann kein großes Elektro- oder Hybridauto? Das Problem mit den Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen sei, dass sie für so lange Strecken, wie er sie regelmäßig fährt, nicht geeignet seien, meint Pehlke. Mit Elektroautos sei das gar nicht möglich und Hybridautos seien auf langen Strecken umweltschädlicher als sein Dieselauto.

Der DSW21-Chef ist laut eigenen Angaben seit 1. Juli mit seinem Dienstwagen bereits über 13.000 Kilometer gefahren. Pro Jahr sind es durchschnittlich 48.000 Kilometer. Sobald mit Elektro- oder Hybrid-Autos so lange Strecken möglich sind, will Pehlke sie nutzen.

DSW21 nutzt für die Vorstandsmitglieder zwar Diesel-Fahrzeuge. Wo es möglich ist, sollen die Mitarbeiter jedoch mit Elektro-Autos fahren. Laut Bernd Winkelmann, Leiter der DSW21-Unternehmenskommunikation, wird das Unternehmen bis Ende 2017 zehn Elektrofahrzeuge im Einsatz haben.

Viele Vorwürfe, die ihm die Grünen machen, hält Pehlke für “nicht sachgerecht”. Wenn man sich die Details ansehe, sei sein Wagen “nicht so schlimm wie dargestellt”. Zum Beispiel stoße ein Elektroauto ebenfalls Feinstaub aus – 80 Prozent so viel wie ein Diesel. Der Grenzwert für den NOX-Ausstoß sei bei allen Diesel-Fahrzeugen gleich, egal wie groß sie sind.

Autofahren oft am günstigsten

Aber warum fährt Pehlke überhaupt so viel mit dem Auto und nicht mit Bus und Bahn, wie die Grünen vorschlagen? Der DSW21-Chef sagt selbst, dass er mindestens zweimal pro Woche den ÖPNV nutzt. Er hat mehrere tausend Bahnkilometer pro Jahr. Aber er wägt immer ab, was am ökonomisch sinnvollsten ist. Bei einer Autofahrt müsste seine Firma nur den Diesel bezahlen. Das ist meistens günstiger als ein Bahnticket.

Seine Firma hat auch gute Gründe, den Dienstwagen zu kaufen statt zu leasen. Unter anderem die vielen Kilometer pro Jahr und die Reparaturen in der eigenen Werkstatt. Laut Pehlke ist es aus ökonomischer Sicht außerdem sinnvoll, alle paar Jahre neue Dienstautos zu kaufen. Bei DSW21 geschieht dies normalerweise alle drei Jahre. Seinen letzten Wagen hatte er wegen Sparmaßnahmen vier Jahre lang.

Absage an die Grünen

Zweites Büro, Verzicht auf den Bonus, mangelnde Alternativen – Pehlke hat einige Argumente für seinen Dienstwagen. Deswegen ist er empört über die Berichterstattung und das Verhalten der Grünen. Er wusste bereits am Donnerstag von der Aktion, die am Freitag geplant war. Die Grünen hatten ihm eine E-Mail geschrieben. Darauf hatte der DSW21-Chef bereits am Donnerstagmittag geantwortet, dass er um die geplante Uhrzeit einen Termin außerhalb von Dortmund hat. Er bot den Grünen an, ohne Beteiligung der Medien über seinen Dienstwagen zu sprechen.

Obwohl die Grünen von der Abwesenheit Pehlkes wussten, trafen sie sich mit Medienvertretern am Freitag (6. Oktober) zur Übergabe eines Vierer-Tickets für den ÖPNV vor dem Gebäude der DSW21. Weil Pehlke wie angekündigt nicht da war, hinterließen die Grünen das Ticket beim Pförtner.

Zehn Tickets für “bodo”

Pehlke sagt, er wird das Ticket nicht nutzen. Als DSW21-Chef kann er den Dortmunder ÖPNV mit seinem Dienstausweis kostenlos nutzen. Stattdessen kaufte er aus eigener Tasche neun weitere Vierer-Tickets und schenkte alle zehn dem Straßenmagazin “bodo”. “Eine Fahrkarte fand ich ein bisschen schofelig von den Grünen”, meint er dazu.

In seinem privaten Umfeld erfuhr Pehlke hauptsächlich Verständnis. “In deinem Job würde ich auch kein anderes Auto fahren”, meinte ein Bekannter. Andere empörten sich, ob die Medien keine anderen Themen hätten. Ein ehemaliger Lehrer habe sich nach der Berichterstattung jedoch bei Pehlke beschwert, dass er den neuen Dienstwagen nicht gut finde. Pehlke hat ihn dann eingeladen und offen seine Gründe erklärt.

Was sagt Ullrich Sierau?

Oberbürgermeister Ullrich Sierau hat sich laut eigener Aussage mit Pehlke über das Thema unterhalten. Er weiß um die Hintergründe, will sich aber nicht dazu äußern. Der Oberbürgermeister ist selbst regelmäßig mit Fahrrad und Elektroauto unterwegs und geht so mit gutem Beispiel voran.

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