Mittwoch, 18. Oktober 2017

Sie essen und trinken, wollen stillen und werden deshalb nach Hause geschickt. Viele Mütter dürfen kaum noch in Lokalen ihre Babys stillen. Um dies zu ändern, wurde die Aktion “Stillen? Hier gerne!” ins Leben gerufen. Ein Team vom Jugend- und Gesundheitsamt zeichnet jetzt stillfreundliche Gastronomien aus. Sie sind an Stickern im Eingangsbereich erkennbar.

Wo soll ich nur mein Baby stillen, wenn ich unterwegs bin? Diese Frage stellen sich immer mehr Mütter, denn in vielen Cafés und Restaurants ist das Stillen untersagt. Dass das nicht immer ganz legal ist, weiß Dortmunds Bürgermeisterin und Schirmherrin der Aktion Birgit Jörder: “Da mein Mann Jurist ist, kenne ich mich mit der Rechtslage ganz gut aus. Einer Mutter das Stillen in einer Gastronomie zu verbieten, verstößt gegen das Gesetz.”

Mütter stillen in Dortmund
Schirmherrin Birgit Jörder (Dritte von rechts) und das Team aus Mitarbeiterinnen des Dortmunder Gesundheits- und Jugendamtes stellen das Projekt vor. Foto: Anika Hinz/Dortmund24

Doch viele Betriebe hält die Rechtslage trotzdem nicht davon ab, ein Stillverbot zu verhängen. Damit Mütter künftig wissen, wo sie stillen dürfen, wurde die Aktion “Stillen? Hier gerne” gestartet. Ein Team aus Mitarbeiterinnen des Dortmunder Gesundheits- und Jugendamtes hat sich zusammengetan und die Planung zum Stillprojekt vor rund einem Jahr gestartet.

Stillen zwischen Jeans und Bluse war einmal

Özlem Dag arbeitet bei dem „Familien-Projekt“ und gehört ebenfalls zum Team der Aktion. Sie ist zwar schon seit elf Jahren Mutter, kann sich aber noch gut an ihre Zeit als Stillende erinnern. Besonders ein bekannter Klamottenladen war dabei eine ihrer Anlaufstellen zum Versorgen ihres Babys: “Ich habe oft bei H&M in der Garderobe gestillt. Das würde heute aber nicht mehr gehen. Früher gab es da neben den Umkleidekabinen auch Wickeltische. Die sind mittlerweile auch weg.”

Stillende Mütter
Wo es den Sticker gibt, soll es auch Decken und Kissen für stillende Mütter geben. Foto: Anika Hinz/Dortmund24

Erzählungen wie diese erinnern auch Uta Nagel, Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes, an ihre Zeit als Mutter: “Bei mir ist das mit dem Stillen schon 30 Jahre her. Aber auch ich habe in Läden zwischen Klamotten gestillt. Entweder hinter den Kleiderstangen oder versteckt hinten auf dem Teppich.” Heutzutage haben die Frauen jedoch kaum noch Möglichkeiten. Das Stillen wird oft als zu intim angesehen und die Mütter ernten böse Blicke. Die Aktion soll dies aber in Zukunft ändern. Zumindest in Dortmund.

Erstes stillfreundilches Café wird heute ausgezeichnet

Am Dortmunder Rathaus steht die “Lokalmanufaktur”. Bisher gab es hier vor allem Speisen und Getränke und jetzt gibt es auch: stillende Mütter. Das Café wurde als erstes stillfreundliches Lokal in Dortmund ausgezeichnet. Erkennbar an einem entsprechenden Sticker am Eingang und den Materialien im Inneren. Dazu gehören ein Stillkissen, Stillponcho und eine Infobox.

Bei Bedarf können Gastronomien, die sich der Aktion anschließen, auch einen Wickeltisch bekommen. Die Betreiber der “Lokalmanufaktur” wollten so einen. Doch es sind nicht nur Restaurants und Cafés, die sich das Team als Partner vorstellen kann. Auch andere öffentliche Einrichtungen wie der Flughafen Dortmund wurden angefragt. Bleibt also abzuwarten, bei wem bald noch gestillt werden darf.

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