Sonntag, 19. November 2017

Das “Süßwaren Outlet” und “Lecker Lecker” liegen am Ostenhellweg schräg gegenüber. Bei beiden stehen Ständer mit Milka-Schokolade im Eingangsbereich. Die Message an die Kunden: Marken-Süßigkeiten zum Schnäppchenpreis. Auf den ersten Blick sehen die Läden ähnlich aus. Aber bei genauerem Hinsehen gibt es einige Unterschiede. Welcher Laden ist günstiger?

Mit dem Slogan “Markenprodukte zum Schnäppchenpreis” wirbt “Lecker Lecker” am Ostenhellweg 40. Auf der anderen Straßenseite, am Ostenhellweg 39, stehen die Zahlen “10%”, “20%”, “30%” und “70%” in weiß auf lila Hintergrund über dem Eingang des “Süßwaren Outlets”.

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“Lecker Lecker” am Ostenhellweg 40. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24
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Gegenüber am Ostenhellweg 39: das “Süßwaren Outlet”. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Die Läden sind ein Paradies für Süßigkeiten-Liebhaber, die nicht viel Geld ausgeben wollen. Sie halten, was sie versprechen. Die Mehrzahl der Angebote ist günstiger als beim Discounter. Die Auswahl an Produkten ist dafür viel kleiner als im Supermarkt. Dafür stehen riesige Mengen einer Ware herum, teils in Kartons oder auf Paletten.

Die großen Mengen bewirken bei den beiden Geschäften den günstigen Preis. “Wir holen ganze LKW-Ladungen von Waren ab”, erklärt der Chef von “Lecker Lecker”, der nicht namentlich genannt werden möchte. Auch das “Süßwaren Outlet” transportiert die Produkte laut Geschäftsführerin Sara Salhioui mit dem Sattelzug. Außerdem sparen sich die Outlets viele Kosten für Mitarbeiter und Mieten. Beide Läden haben nur drei bis vier Mitarbeiter und sind viel kleiner als Supermärkte. Die Chefs beider Geschäfte sagen auch, dass sie den Ostenhellweg als Standort ausgewählt haben, weil die Mieten bezahlbar sind und ihre Geschäfte trotzdem im Zentrum liegen. Die Filialen der Ketten “Lecker Lecker” und “Süßwaren Outlet” liegen alle in den Innenstädten von Großstädten.

Günstige Süßigkeiten, große Mengen und benachbarte Hausnummern am Ostenhellweg: Die beiden Outlets haben einige Gemeinsamkeiten. Aber auch sehr viele Unterschiede, was Angebot, Preise, Mitarbeiter, Unternehmensstruktur und Kunden angeht. Beide Unternehmenschefs sagen, dass die Kunden die Unterschiede auch erkennen.

Angebot

Auf ihr Angebot angesprochen, sagen beide Outlet-Chefs, dass ihr Laden mehr Markenwaren hat als der andere. Ein Gang durch die Geschäfte zeigt: Beide Outlets verkaufen Milka- und Lindt-Schokolade, KitKat, Haribo und andere bekannte Süßigkeiten-Marken. Aber beide haben auch No-Name-Produkte und ausländische Süßigkeiten. Doch die Packungsgröße und die Art der Süßigkeiten ist unterschiedlich. “Lecker Lecker” hat Lindt-Schokolade mit Kokos und Stracciatella, das “Süßwaren Outlet” mit Mandeln.

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Die Lindt-Schokolade bei “Lecker Lecker”. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24
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Die Lindt-Schokolade im “Süßwaren Outlet”. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Bei den No-Name-Produkten haben die Outlets fast keine gleichen Süßigkeiten. Während “Lecker Lecker” zum Beispiel niederländische Stroopwafels und Kaffeepads anbietet, wegen der laut dem Chef viele Kunden extra vorbeikommen, hat das “Süßwaren Outlet” Aachener Schokoladen-Printen.

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Stroopwafels bei “Lecker Lecker”. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24
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Aachener Printen im “Süßwaren Outlet”. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

“Lecker Lecker” hat im hinteren Bereich des Ladens Paletten voller Cola- und Fanta-Dosen. Außerdem stehen am Eingang vier Kühlschränke voller Getränke. Das “Süßwaren Outlet” hat nur zwei Kühlschränke im hinteren Teil des Ladens, die aber halb leer sind. Dafür ist das Angebot des “Süßwaren Outlets” insgesamt größer, genauso wie die Ladenfläche.

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“Lecker Lecker” hat eine große Auswahl an Getränkedosen. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24
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Im Eingangsbereich von “Lecker Lecker” stehen vier Kühlschränke. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24
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Das “Süßwaren Outlet” hat nur zwei Kühlschränke im hinteren Teil des Ladens. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24
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Dafür hat das “Süßwaren Outlet” auch eine Sitzecke, die nicht nach Billig-Outlet aussieht. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Preise

Gleich auf den ersten Blick fällt auf, dass bei “Lecker Lecker” alle Preise auf zehn Cent gerundet sind. “x,99 Euro” liest man auf keinem der handgeschriebenen pinken Preisschilder. Dagegen gibt es beim “Süßwaren Outlet” gerade und krumme Preise, die auf bedruckten gelben Schildern stehen. Die Preise der unterschiedlichen Produkte sind zwar schwierig zu vergleichen. Aber beide Geschäfte haben Milka-Schokolade und Donuts der Marke “Today” im Angebot. Da zeigt sich, welcher Laden wirklich günstiger ist.

Eine Tafel Milka kostet beim “Süßwaren Outlet” 0,79 Euro. Bei “Lecker Lecker” gibt es die Tafeln zwar nicht einzeln zu kaufen, dafür gibt es zwei Tafeln für 1,50 Euro, also umgerechnet 0,75 Euro pro Stück. Im Fall der “Today”-Donuts ist es noch eindeutiger. Bei “Lecker Lecker” stehen die Donuts als Aushängeschild vor dem Laden: 1 Euro pro Sechserpackung. Im “Süßwaren Outlet” gibt es die Packung für 1,50 Euro oder drei Packungen für 4 Euro. Eindeutig teurer als bei “Lecker Lecker”.

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Milka-Schokolade beim “Süßwaren Outlet”. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24
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Milka-Schokolade bei “Lecker Lecker”. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24
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“Today”-Donuts beim “Süßwaren Outlet”. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24
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Die Donuts vor dem “Lecker Lecker”-Laden. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Das Mindesthaltbarkeitsdatum der verglichenen Süßigkeiten ist bei beiden Läden ähnlich und hat deshalb keinen Einfluss auf den Preisunterschied. Manche Süßigkeiten halten sich laut Angabe noch mindestens einen Monat, die meisten bis 2018 oder länger.

Laut eigenen Angaben verkauft “Lecker Lecker” alle Süßigkeiten günstiger als zum üblichen Preis. Salhioui vom “Süßwaren Outlet” sagt, dass sie manche Produkte fast zum regulären Preis anbiete, nur wenige Cent günstiger. Aber alles sei 10 bis 70 Prozent günstiger, wie im Schaufenster angegeben. “Lecker Lecker” toppt diese Preise offenbar teilweise.

Mitarbeiter

“Lecker Lecker” ist ein Familienunternehmen, bestehend aus dem Chef, seinem Bruder und seinem Vater. Zu Lieferzeiten hilft laut dem Chef noch ein weiterer Mitarbeiter aus. Das “Süßwaren Outlet” hat auch nicht mehr Personal. Dort arbeiten drei Angestellte. Die Geschäftsführerin Salhioui und ihr Mann, der Inhaber, sind nicht oft vor Ort, weil ihnen alle zehn “Süßwaren Outlets” in NRW gehören.

Unternehmensstruktur

Was selbst Dauerkunden nicht mitbekommen, ist die Unternehmensstruktur der Outlets. “Lecker Lecker” in Dortmund ist als Familienbetrieb selbstständig. Der Laden gehört zwar der Kette mit insgesamt 15 Filialen in NRW an, entscheidet aber selbst über die Warenauswahl, Mitarbeiter und die Gestaltung des Ladens. Über allen Filialen steht ein Chef, dem auch die drei großen Warenlager in NRW gehören. Jede Filiale kann sich dort die Waren aussuchen, die sie verkaufen möchte. Der Dortmunder Chef holt sie mit dem eigenen LKW ab.

Von den “Süßwaren Outlets” gibt es zehn Filialen in NRW. Salhioui ist die Geschäftsführerin für alle, ihr Mann der Inhaber. Sie haben ein Lager in Bochum und koordinieren dort die Warenauslieferung an die Filialen. Das Angebot ist laut Salhioui in allen Filialen ähnlich. Ihr und ihrem Mann gehörte bis zum Sommer 2017 das “Rabatt-Outlet” gegenüber am Ostenhellweg. Mit dem Umzug in den größeren Laden änderte sich auch der Name.

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Das “Rabatt-Outlet” hat nicht mehr geöffnet. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Kunden

Laut Salhioui kaufen die Kunden beim “Süßwaren Outlet” größere Mengen an Waren ein als bei “Lecker Lecker”. Eine Statistik gibt es dazu natürlich nicht, aber auch der Chef von “Lecker Lecker” sagt, dass bei ihm viele Kunden nur ein Getränk kaufen. Die vier Kühlschränke stehen direkt neben dem Eingang. Seitdem neben dem Laden ein syrischer Imbiss aufgemacht hat, kämen sogar noch mehr Kunden, um sich eine Dose zu kaufen, erzählt der Chef.

Aber einige Kunden kaufen bei ihm auch tütenweise ein. Zum Beispiel ein junger Mann, der gegenüber eine Wohnung hat. Er hole regelmäßig Softdrinks und Chips bei “Lecker Lecker”, weil es dort so günstig sei und er nicht weit tragen müsse, meint der Stammkunde. Im “Süßwaren Outlet” sei er zwar noch nicht gewesen, aber früher öfter bei seinem Vorgänger, dem “Rabatt-Outlet”. Er erzählt, dass er oft zu beiden Geschäften gegangen sei, weil sie unterschiedliche Waren gehabt hätten.

Direkt nach ihm kauft ein Ehepaar mittleren Alters Bonbons für fünf Euro ein. Die beiden sind zum ersten Mal in dem Laden. Direkt davor waren sie im “Süßwaren Outlet”. Dort kauften sie ebenfalls Bonbons und Kaffee. Und welches Outlet fanden sie besser? Das “Süßwaren Outlet”, antworten die beiden. Weil das Geschäft größer gewesen sei.

Friedliches Nebeneinander

Alle Unterschiede hin oder her. Insgesamt haben die Outlets ein ähnliches Angebot und liegen fast gegenüber am Ostenhellweg. Da muss es doch Konkurrenz geben, oder? Diese Frage verneinen beide Chefs. Salhioui sagt zwar, dass der Umsatz des Rabatt-Outlets im Juni und Juli ein bisschen eingebrochen sei, als “Lecker Lecker” eröffnet habe. Aber nach dem Umzug und der Label-Änderung in “Süßwaren Outlet” im August spüre sie keine Konkurrenz mehr. “Das Angebot ist einfach ganz anders”, sagt Salhioui. Der Chef von “Lecker Lecker” meint, dass die Nachfrage in Dortmund groß genug für zwei Süßigkeiten-Outlets sei. Er versteht sich nach eigener Aussage gut mit einem Mitarbeiter des “Süßwaren Outlets”. “Wir besuchen uns oft gegenseitig und schauen unsere Waren an”, erklärt er. Ein friedliches Nebeneinander also am Ostenhellweg.

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