Sonntag, 19. November 2017

Für die einen ist er ein Schandfleck, für die anderen ein Hingucker, wenn nicht sogar ein Wahrzeichen: Der Kronenturm an der Märkischen Straße. Doch was passiert mit dem leerstehenden alten Gärturm der Kronenbrauerei? 

Dienstagmittag (29. August). Die Sonne brennt vom blauen Himmel und mit 28 Grad zeigt sich der Sommer noch einmal von seiner besten Seite. Von der U-Bahn-Haltestelle Märkische Straße bis zum Kronenturm über die Kronenburgallee hört man eine Mischung aus Vogelgezwitscher, Straßen- und Baustellenlärm.

Rund um das ehemalige Kronenbrauerei-Gelände wird gebaut. Hier entsteht neue Wohnfläche. Wir wollen wissen: Was passiert mit dem Kronenturm? Und machen dort wirklich Jugendliche und Junkies Probleme? Wir haben uns vor Ort umgehört.

Eine ältere Anwohnerin im roten Kleid verrät uns: “Früher waren dort viele Jugendliche. Vor allem abends und nachts. Mittlerweile ist das nicht mehr so.” Das könnte auch daran liegen, dass rund um den gut 60 Meter hohen Turm Baustellenzäune aufgebaut sind.

Keine Vorfälle bei Anwohnern und Arbeitern bekannt

Eine andere Frau erzählt uns, dass man doch auch sehe, dass sich dort jemand herumgetrieben hätte. “Die Fenster haben sich ja schließlich nicht selbst von innen besprüht”, meint sie. “Aber ich kann nicht sagen, letzte Woche ist XY passiert und so einen aktuellen Vorfall nennen.” Eine ältere Frau kommt dazu und ergänzt, dass ja auch die Scheiben nicht von selbst zerplatzen würden. “Was hier entstehen soll, weiß ich nicht. Ich habe alles mal gehört: Wohnungen, Büros, Cafés. Dann soll der Turm doch wieder abgerissen werden.” Letzte Woche habe sie auf dem Gelände noch Jugendliche gesehen: “Die sind übers Gelände gelaufen. Aber ich weiß nicht, ob sie etwas angestellt haben.”

Zwei Mitarbeiter vom K1-Bürocenter an der Kronenburgallee 1 haben von Probleme mit Jugendlichen und möglichen Junkies auch nichts gehört: “Wir arbeiten hier von 8 bis 17 Uhr, freitags bis mittags. Wir haben nichts mitbekommen.”

Auch ein Bauarbeiter kann uns keine Auskunft geben. “Ich arbeite hinter dem Kronenturm auf der Baustelle. Ich habe keine Ahnung, was damit passiert.”

Selbst ganz oben ist der alte Gärturm der Kronenbrauerei, die früher hier saß, von außen beschmiert. “Antifa” steht auf einer Seite und “MASONE SHARK” und “Blitz” auf einer anderen Seite. Die Sprayer Mason und Shark sind seit über 25 Jahren in der Dortmunder Szene aktiv, haben, wie es heißt, sogar internationale Bekanntheit erlangt.

So sieht es momentan rund um den Kronenturm aus:

Vor gut zwei Jahren sind sechs Jugendliche auf den Turm der ehemaligen Brauerei geklettert und mussten von Polizei und Feuerwehr gerettet werden. Eine lebensgefährliche Aktion, die noch einmal gut ausgegangen ist. Einen aktuellen Vorfall hat auch die Polizei nicht. Das bedarf zwar einigen Recherchen der Datenspezialisten, aber an Vorfälle in letzter Zeit kann sich auch eine Pressesprecherin der Polizei nicht erinnern.

Turm befindet sich in Privatbesitz

Nachgehorcht bei der Stadt. Doch auch von der erfahren wir nicht viel. Denn: Der Kronenturm befindet sich in Privatbesitz. Aus datenschutzrechtlichen Gründen wird uns der Besitzer nicht genannt. Aber klar ist: “Bei dem Kronenturm handelt es sich um kein uninteressantes Objekt, in keiner uninteressanten Lage”, so ein Sprecher der Stadt. Der Eigentümer muss das Gelände absichern und für Warnhinweise sorgen. Dadurch das es sich um Privatbesitz handelt, habe die Stadt da keine Möglichkeiten. Die Stadt weiß aber, dass das Stadtarchiv nicht dort einziehen wird. “Dafür müsste es (Anmerkung der Redaktion: Gemeint ist das Gebäude) der Stadt gehören”, so der Stadtsprecher.

Seit 1997 liegt der Kronenturm mit seinen Gebäuden drumherum brach. Aus rechtlich/bauplanerischer Sicht darf hier nur ein sogenanntes Mischgebiet entstehen. Das heißt: Wohnen und Unterbringung von Gewerbegebieten prägen den Charakter des Gebiets und sind gleichberechtigt. Allerdings darf das Gewerbegebiet das Wohnen nicht stören. Eine Familie darf also nicht neben einem Sägewerk oder einer Disco wohnen. Rücksichtsnahme ist hier das Stichwort.

Nach unseren Recherchen ist der Kronenturm im Besitz eines Dortmunder Rechtsanwalts. Dieser war für uns am Mittwoch (30. August) nicht zu erreichen.

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