Samstag, 21. Oktober 2017

Wer zur Zeit das Abitur macht, muss insgesamt 12 Jahre die Schulbank drücken. Das soll sich ändern, findet die Elterninitiative “G9 Jetzt NRW”. Und sie könnten Erfolg haben. Wenn sich nur genug Menschen beteiligen.

Dortmund – Wer in Nordrhein-Westfalen lebt, hat dieses Jahr einen echten Wahlmarathon vor sich. Am 14. Mai wird ein neuer Landtag gewählt, im Herbst dann ein neuer Bundestag. Und quasi ganz nebenbei können die Menschen darüber entscheiden, ob sie das Turbo-Abi abschaffen wollen.

Dafür ist eine Änderung des Schulgesetzes notwendig. Und die kann in NRW nur erreicht werden, wenn bei einem Volksbegehren mindestens acht Prozent der Stimmberechtigten, also etwas mehr als eine Million Menschen, das Volksbegehren unterschrieben haben.

So läuft das Volksbegehren ab

In jeder Stadt in NRW werden Unterschriftenlisten ausliegen, in die man sich nach Vorlage des Personalausweises eintragen kann. Möglich ist das zwischen dem 2. Februar und 7. Juni. In Dortmund werden die Listen bei den Bürgerdiensten ausliegen und zu den Öffnungszeiten könnt ihr dort vorbeischauen und eure Stimme abgeben. Außerdem könnt ihr an vier Sonntagen die Möglichkeit nutzen und zwar am 19. Februar, 26. März, 30. April und 28. Mai.

Wer sich darüber hinaus engagieren möchte, kann sich auf www.g9-jetzt-nrw.de registrieren und dann Unterschriftenlisten herunterladen. Die gesammelten Unterschriften sendet man dann an “Mehr Zeit für Kindheit und Jugend e. V.” in Gummersbach. Das ist bereits seit dem 5. Januar möglich.

Sind mindestens 1.060.963 Unterschriften zusammengekommen, ist der Landtag verpflichtet, das Volksbegehren innerhalb von sechs Monaten abschließend zu behandeln. Und hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Die Änderung wird angenommen oder es gibt einen Volksentscheid, bei dem die Bürger ohne die Politiker entscheiden dürfen.

“G8 ist ein Verbrechen an den Kindern”

Der Mann, der für das Volksbegehren verantwortlich ist, ist selbst Lehrer. Markus Hohensteins Meinung ist klar: “G8 ist ein Verbrechen an den Kindern.” Mit der verkürzten Schulzeit würde man den Schülern ihre Kindheit stehlen. Die Folgen sind bereits jetzt spürbar. Weniger Engagement in Feuerwehr oder Musikvereinen und mehr psychische Erkrankungen.

Die Politiker wollen diese Argumente aber nicht gelten lassen. Vor dem Volksbegehren hat es bereits eine so genannte Volksinitiative gegeben, bei der über 100.000 Unterschriften gesammelt wurden. Der Landtag stimmte über den Vorschlag der Initiative ab – mit negativem Ergebnis. Die Piratenpartei war dafür, die CDU enthielt sich, der Rest stimmte dagegen.

Dabei sei die Schulzeit der Kinder eigentlich keine politische Entscheidung, so Markus Hohenstein. Ob Rechts, Links oder Mitte – das Wohl der Kinder sollte an erster Stelle stehen.

Meinungen der Politiker

Einen Befürworter hat das Volksbegehren schon mal. Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau will zu den ersten Unterzeichnern gehören. Er denkt, dass eine längere Schulzeit den Schülern mehr Zeit zum Lernen und zur Persönlichkeitsentwicklung geben wird.

Der Landtagsabgeordnete Torsten Sommer der Piratenpartei sagt: “Wir sind die größten Antreiber des Volksbegehrens und verfolgen das im parlamentarischen Raum schon seit drei Jahren.” Er findet, dass man das Volk viel öfter fragen sollte, weil das der Demokratie gut tun würde.

„Ich habe Verständnis für das Begehren und finde es wichtig, die Bedenken und Sorgen der Eltern in Nordrhein-Westfalen ernst zu nehmen. Als CDU-Landtagsfraktion setzten wir uns in Nordrhein-Westfalen für ein echtes G9 ein, gleichzeitig sollte aber keine Schule mit G8-Modell zu einem Wechsel zu G9 gezwungen werden. Dafür müssen G8 und G9 gleichberechtigt im Schulgesetz verankert werden. Es ist jetzt an der Zeit, das Konzept für ein echtes G9 auf den Weg zu bringen”, sagt Landtagsabgeordnete Claudia Middendorf von der CDU.

Bei der SPD konnte Dortmund24 am Mittwoch (11. Januar) niemanden erreichen. Wir werden ein Statement nachreichen, sobald vorhanden.

Markus Hohenstein hofft, dass das Volksbegehren ein Erfolg wird. “Ich denke es ist möglich, aber wahnsinnig schwierig.”

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