Sonntag, 19. November 2017

Gegenwind für den Zoo Dortmund! Die Tierschutzorganisation Peta hat Strafanzeige gegen die Stadt gestellt. Peta wirft dem Zoo vor, Vögel systematisch verstümmelt zu haben.

Seit Jahren empfangen die Flamingos des Zoo Dortmund die Besucher direkt am Eingang. Doch obwohl die Tiere Vögel sind, sieht man sie nie fliegen. Das können sie auch gar nicht. Denn der Zoo beschneidet ihre sogenannten Schwungfedern unter Betäubung so, dass die Flamingos flugunfähig sind. Damit will der Zoo verhindern, dass die Vögel wegfliegen. Da die Federn wieder nachwachsen, muss das Flügelstutzen regelmäßig wiederholt werden.

Die Flamingos im Zoo Dortmund bekommen demnächst eine eigene Voliere – darin dürfen sie dann auch fliegen. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Diese Maßnahmen sind nach Ansicht der Tierschutzorganisation Peta ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, wie die Bundesregierung bereits 2015 in ihrer Antwort auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke bestätigte. Sie zeigt deshalb neben dem Zoo Dortmund 19 weitere in ganz Deutschland an. In NRW gehören dazu die Zoos in Duisburg, Krefeld und Köln.

Peta fordert Ende der Gefangenschaft

Die Tierrechtsorganisation fordert das Ende der “systematischen Verstümmelung von Vögeln in zoologischen Einrichtungen” und spricht sich grundsätzlich gegen die Haltung dieser Tiere in Gefangenschaft aus.

“Obwohl das Verstümmeln von Vögeln in Zoos gegen das Tierschutzgesetz verstößt, drücken die meisten Behörden und Bundesländer beide Augen zu”, so Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei Peta. “Den Wasservögeln wird auf grausame Art und Weise ihre natürliche Fortbewegung verwehrt, nur um sie den Besuchern in Freianlagen nett zu präsentieren. Das ist, als würde man einem gesunden Menschen die Fähigkeit zum Laufen nehmen.”

Gegenwind für den Zoo Dortmund: Die Tierschützer von Peta fordern das Ende der Gefangenschaft von Flamingos. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Die Stadt Dortmund hat bereits vor der Anzeige von Peta auf die geänderten Tierschutzbestimmungen reagiert. Sie baut demnächst eine neue Voliere für die Flamingos. Die soll dann da stehen, wo die Flamingos bereits jetzt zu sehen sind – am Teich am Eingang des Zoos. Bis es aber so weit ist, müssen neugeborene und nicht verstümmelte Vögel in andere Zoos mit Volieren abgegeben werden.

Und was sagt die Stadt zur Anzeige von Peta? Auf Anfrage verweist eine Sprecherin auf die Stellungnahme des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ). Diesem Statement schließe sich die Stadt Dortmund an. Hauptaussage in der Stellungnahme: Eine “Verstümmelung” liege nicht vor, da Vögel beim regelmäßigen Gefiederwechsel (der Mauser) auch zeitweise flugunfähig seien. Das Rückschneiden der Handschwingen der Vögel passiere genau in diesem Zeitraum.

Stadt sieht der Anzeige von Peta ruhig entgegen

Weiterhin heißt es in der Stellungnahme, der VdZ sehe den Anzeigen der Tierrechtsorganisation PETA ruhig entgegen. “Für uns ist klar, dass unsere Mitglieder die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes gewissenhaft einhalten – nicht zuletzt, weil neben der Betreuung durch unsere Veterinäre auch die umfassende Kontrolle der Behörden gegeben ist”, sagt VdZ-Geschäftsführer Volker Homes. Peta, so Homes, sei “immer schnell mit Anzeigen und Aktionen.” Niederlagen vor Gericht hätten in der Vergangenheit aber gezeigt, dass es sich dabei oft um “unbegründeten Aktionismus” handele.

Das sogenannte Kupieren ist in Dortmund schon seit etwa 30 Jahren Usus, wird aber seit 2015 nicht mehr praktiziert. Flamingos und einige Entenarten im Dortmunder Zoo sind aktuell davon betroffen.

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