Sonntag, 19. November 2017

In einigen Teilen der Innenstadt muss so mancher Fußgänger über schmale Gehwege gehen. Der städtische Beirat für Nahmobilität schlägt jetzt breitere Gehwege vor. Damit will er den Fußverkehr fördern.

Seit 2016 beschäftigt sich der Beirat für Nahmobilität der Stadt mit den Interessen von Radfahrern, Rollstuhlfahrenden und Fußgängern. Er vertritt deren Belange bei Planung, Bau und Stadtentwicklung. In den vergangenen Sitzungen standen Themen wie Barrierefreiheit, Parken neben Radwegen, der Radschnellweg Ruhr (RS1) und der Fußgängerverkehr zur Debatte.

Großes Problem: Zugeparkte Gehwege

Das Thema Fußgängerverkehr hat sich der Beirat für das Jahr 2017 als Schwerpunktthema auf die Fahne geschrieben. Zu den Problemen zählen laut Beirat vor allem Autos, die auf Gehwegen parken. Außerdem steht die Breite der Gehwege im Fokus – in vielen Straßen der Innenstadt ist sie schlicht nicht gegeben.

Solche Probleme soll es in Dortmund künftig nicht geben. Foto: dpa

Für einen besseren Fußverkehr empfiehlt der Beirat, dass Gehwege künftig mindestens zwei Meter breit sind. “Dadurch soll wieder mehr Raum für Fußgänger zurückgewonnen werden. Und wenn man die Nahmobilität stärken möchte, müssen dementsprechend auch attraktive Wege geschaffen werden”, betont Dirk Krüger, Leiter für Verkehr und Umwelt beim ADAC und Mitglied des Beirats.

Doch zwei Meter breite Fußwege reichten hierfür nicht aus. Um die Bedingungen für Fußgänger zu verbessern, fordert der Beirat, das in Dortmund weit verbreitete, zulässige oder geduldete Gehwegparken zu reduzieren. Autofahrer sollen in der Regel auf der Fahrbahn und in Parkbuchten parken.

Parkflächen müssen an breitere Autos angepasst werden

Damit Parkplatzmarkierungen generell nicht mehr “überparkt” werden, schlägt der Beirat außerdem breitere Parkbuchten vor. “Die Fahrzeuge werden immer breiter, dementsprechend müssen auch die Parkflächen angepasst werden”, weiß Dirk Krüger. Und verweist darauf, dass beispielsweise ein VW Golf heutzutage etwa eine Breite von 1,80 Meter  – ohne Spiegel – hat. Neue Parkplätze sollen in Zukunft 2,15 Meter breit sein.

An der Lindemannstraße gibt es zwar Parkbuchten, doch im Kreuzviertel gibt es auch Ecken, an denen auf dem Bürgersteig geparkt wird. Foto: Dortmund24/Florian Forth

Der Verkehrsexperte weist außerdem auf eine neue Regelung in der Straßenverkehrsordnung hin. Laut dieser dürfen Eltern künftig ihre Kinder (unter zehn Jahre) beim Radfahren auf dem Gehweg begleiten. Das führt zu mehr Verkehr auf den Fußwegen. Außerdem müsse man “auch ältere Menschen mit Rollatoren bedenken”, so Krüger.

Chemnitzer Straße als Modellquartier für Fußgänger

Um Lösungen zu entwickeln, hat sich der Beirat ein Modellquartier ausgeguckt. Hier soll unter der Beteiligung von Politik und Öffentlichkeit die Umsetzung erfolgen, die später auf andere Quartiere übertragen wird. “Wichtig ist, dass die Erneuerungen auch für die Anwohner tragbar sind”, erklärt Krüger.

Als Modellquartier wurde die Chemnitzer Straße zwischen Hohe Straße und Rheinlanddamm ausgewählt. Der Grund: Dieser Straßenzug habe sehr unterschiedliche Straßenquerschnitte und räumliche Gefüge. Im oberen Bereich der Chemnitzer Straße (Höhe Rheinlanddamm) seien die Gehwege ca. 2,50 Meter breit, im unteren Bereich (Höhe Hohe Straße) hingegen nur etwa 1,50 Meter. So können verschiedenste Szenarien getestet werden.

Der städtische Beirat für Nahmobilität setzt sich aus verschiedenen Interessensvertretungen und Verbänden zur Förderung der Nahmobilität sowie der Verwaltung, Wissenschaft und Politik zusammen. Dazu gehören unter anderem der Seniorenbeirat, der Fuß e.V., der ADAC, der ADFC, Vertreter der Ratsfraktionen, die TU Dortmund – Fakultät Raumplanung und die DSW21.

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