Dienstag, 19. Juni 2018

Der eine ist Grafik-Designer, der andere Sonderpädagoge und der dritte Weinhändler. Zusammen sind Jens Neubert (44), Christian Schritt (42) und Marcus Koch (44) seit Neuestem Bierproduzenten. Wir haben sie in ihrer Verkaufsstube an der Davidisstraße besucht – und sie unter anderem gefragt, was es mit dem Label „für Linkshänder geeignet“ auf sich hat.

Dortmund Innenstadt-Ost. Ja, es ist ihr voller Ernst: Ein Bier für Linkshänder, unter anderem vertrieben aus einer kleinen Weinhandlung in Kaiserstraßennähe, in Eigenregie verpackt und in ein paar Dortmunder Läden gefahren. Kein Zweifel: Was Jens Neubert, Christian Schritt und Marcus Koch da seit neustem tun, ist ohne eine ordentliche Portion Idealismus kaum zu schaffen.


Die Erschaffer der Dortmunder Biermarke „Unser voller Ernst“ (v.l.): Christian Schritt, Marcus Koch und Jens Neubert. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Und es lohnt sich schon. Die ersten 3.000 produzierten Flaschen (1.000 Liter) sind fast ausverkauft, die Resonanz auf das neue Dortmunder Bier mit dem Namen „Unser voller Ernst“ äußerst positiv. „Wir erleben derzeit ein großes Glück“, sagt Christian Schritt. Man habe zwar immer davon geträumt, sowas zu machen – und dann auch noch so einen Erfolg damit zu haben. Aber damit gerechnet, damit haben die drei Freunde nicht.

Bier probiert und keinen Unterschied geschmeckt

Angefangen hat das Vorhaben im Spätsommer 2016, als die drei Bierfreunde blind circa 25 Biere Pilsener Brauart verkosteten. „Viele Unterschiede gab es zwischen den Bieren nicht“, erinnert sich Marcus Koch. Und so beschlossen die Biergenießer, aus ihrer Enttäuschung eine Tugend zu machen, und machten ernst  – oder besser „Ernst“, das Bier.

Mühsam testeten Neubert, Koch und Schritt verschiedene Geschmäcker, bis sie eines Tages zufrieden die Braustube verließen. Heraus kam ein klassisches Pils, das anders als heutige Pilssorten noch wirklich hopfig und herb ist. Der Clou: Nachdem das Bier fertig ist, nutzen die Hersteller die Methode des „Hopfenstopfens“. Ähnlich wie der Teebeutel im Wasser, wird der Hopfen dabei in einem Sack in das bereits fertig gebraute Bier gesenkt. Die ätherischen Öle des Hopfens können sich so besser entfalten.

Dortmund hat wieder eine neue Biermarke: Unser voller Ernst. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Und so wollen die Hobbybrauer jetzt den Dortmunder Biermarkt aufmischen. „Es ist neben der großen Brauerei in der Nordstadt noch Platz für andere Biere, es schlummert noch viel Potenzial in Dortmund“, sagt Christian Schritt. Dass den Dortmundern die Biervielfalt fehle, merke man häufig im Gespräch mit den Kunden. „Man merkt, dass es eine Sehnsucht danach gibt, wieder Bierhauptstadt zu sein“, sagt Marcus Koch. Und Jens Neubert ergänzt: „Und es ist für uns die Möglichkeit, auch mal etwas Eigenes zu erschaffen.“

Label „für Linkshänder geeignet“

Und was hat es mit dem Label „für Linkshänder geeignet“ auf sich? Kurzes Schmunzeln unter den drei Freunden. Das sei, so Koch, ein kleiner Seitenhieb in Richtung Zertifizierungs-Wut, die man heutzutage bei vielen Lebensmitteln erkennen könne. Also doch nicht alles ernst, was mit „Ernst“ zu tun hat. Koch: „Man hat das Gefühl, dass fast nichts mehr ohne Bio- oder Vegan-Siegel auskommt.“ Wichtiger, so Koch, sei es doch, ein Vertrauensverhältnis zwischen Produzenten und Kunden aufzubauen, das ohne Siegel und Zertifizierung auskomme.

Das Label "für Linkshänder geeignet" ist ein Seitenhieb auf die "Zertifizierungswut" im deutschen Handel, wie die Flaschenbierfreunde sagen.. Screenshot: Daniele Giustolisi/Dortmund24 via Flaschenbierfreunde.de
Das Label „für Linkshänder geeignet“ ist ein Seitenhieb auf die „Zertifizierungs-Wut“ im deutschen Handel, wie die Flaschenbierfreunde sagen. Screenshot: Daniele Giustolisi/Dortmund24 via Flaschenbierfreunde.de

Hinter dem Namen „Unser voller Ernst“ haben die drei Brauer übrigens verschiedene Botschaften versteckt. Pils, sagen sie, sei für viele eine ernste Angelegenheit. „Red‘ mal mit Männern über Bier“, sagt Christian Schritt, „da hört der Spaß aber auf.“ Das sei so wie beim Fußball – alle glauben, sie seien der beste Trainer der Welt. Und das Wort „voller“ könnte man auf den vollen Geschmack des Bieres zurückführen. Und schließlich der Ernst. Der soll dem Bier eine Persönlichkeit geben. „Der Ernst“, sagt Schritt, „ist ein Bier für alle Lebenslagen.“

Info: Eine Flasche (0,33 Liter) „Unser voller Ernst“ kostet 2 Euro. Das Sixpack wird im Karton verkauft und kostet entsprechend 12 Euro. Kaufen kann man das Bier in drei Rewe-Filialen in Höchsten (Pfarrer-Rüter-Weg 2), Körne (Körner Hellweg 37) und Eving (Bayrische Straße 155), bei „Hans bringt Glück“ (Kaiserstraße 77) sowie in der Weinhandlung „Der kleine Weinkoch“ (Davidisstraße 39). Noch mehr Infos und Kontaktmöglichkeiten zu den Flaschenbierfreunden bekommt ihr hier

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