Samstag, 23. September 2017

“Fahr doch!”, “Du Depp!” – im Straßenverkehr geht es oft ruppig zu. Wann hört man da schon mal ein “Danke”? Eher selten. Jetzt kann man es zumindest lesen. Auf 15 Geschwindigkeitstafeln werden Autofahrer auch in Dortmund seit Dienstag (25. Juli) gelobt, wenn sie nicht zu schnell fahren.

Kommt man kurz vor dem Ortseingang Huckarde um die Kurve, sieht man das Schild, das auf spielende Kinder hinweist, erst spät. Deutlich besser im Blick hat man die Tafel, die mit dem Fotos eines Schulkinds sofort ins Auge fällt. Radarwellen messen jede Dreiviertelsekunde die Geschwindigkeit des Autos. Ist man zu schnell, blinkt in Rot “Langsam!” auf. Geht man daraufhin vom Gas, lobt einen die Tafel mit einem “Danke!” in grün.

geschwindigkeitstafeln
Geschwindigkeitstafeln warnen und loben die Autofahrer in Dortmund. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Baudezernent Martin Lürwer ist überzeugt, dass die Tafeln vielen Autofahrern ein paar Stundenkilometer vom Tacho stehlen. Denn der Fahrer bekomme sofort Feedback. Und schon beim nächsten Wagen scheint es zu funktionieren. Er kommt mit zu viel Schwung aus der Kurve, die Tafel warnt. Das Auto wird langsamer, der Fahrer holt sich sein Lob ab und macht so auch Lürwer glücklich: “Das ist der Realbeweis: Der Fahrer nimmt es wahr”, frohlockt er.

Tafeln stehen an 28 “sinnvollen Standorten”

15 Tafeln sind ab sofort in Betrieb. Das Gerät, das in der Arminiustraße in Huckarde hängt, ist als ersten in betrieb genommen worden. Es hängt rund 100 Meter vor einem Kindergarten. Im Kreuzviertel und in Kurl wird vor Schulen gewarnt. Dabei wird es aber nicht bleiben, sagt Lürwer. Insgesamt sind bereits 28 Standorte mit den Tafeln bestückt. Die 13 weiteren Messstellen sollen in den kommenden Wochen eingeschaltet werden.

Sie stehen alle an “sinnvollen Standorten”, wie Lürwer sagt. Und in der Tat liegen die Messpunkte gut über das Stadtgebiet verteilt in der Nähe von Schulen, Kindergärten, Spielplätzen und Wohngebieten:

Und wenn die Bezirksverwaltungen weiteren Bedarf sehen, wolle die Stadt dem nachkommen, sagt Lürwer. Kostenpunkt pro Stück: 5000 Euro. Man könne die Geräte aber auch ohne großen Umbau an anderen Standorte verlegen. Den Strom beziehen fast alle Geräte von der Straßenlaterne, an denen sie hängen. Nur eine funktioniert mit Solar.

Modell bietet keinen Anreiz für Raser

Die Herstellerfirma aus Österreich verkauft solche Tafeln seit mehr als 20 Jahren. In Dortmund hängen sie aber zum ersten Mal. Die Wahl sei auf dieses Modell gefallen, weil es keinen Anreiz zum Rasen bietet. Bei Geräten, auf denen die tatsächliche Geschwindigkeit angezeigt wird, habe Baranowski schon von Bestenlisten gehört, die darunter aufgehängt wurden.

Geschwindigkeitstafeln gegen Raser Dortmund Huckarde
Schild gegen Raser: Baudezernent Martin Lürwer (von links), Martin Baranowski von der Herstellerfirma Sierzega und Verkehrstechniker Frank Spies vom Tiefbauamt sind mit der Wirkung der Tafel in Huckarde zufrieden. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Der positive Effekt entsteht aber auch durch die Sichtbarkeit für andere Verkehrsteilnehmer: “Es entsteht ein gewisser sozialer Druck, weil alle es sehen können”, sagt Baranowski. Zudem ziehen die Tafeln die Blicke auf sich. Bei herkömmlichen Straßenschildern sei das anders: “Von den Verkehrszeichen nehmen Autofahrer nur noch jedes vierte wahr.”

Die Tafeln sollen dauerhaft hängen bleiben. Bei der Messung werden auch Daten zu Geschwindigkeit und Zeitpunkt erfasst, die später ausgelesen und analysiert werden können. Dann wird sich zeigen, an welchen Stellen die Dortmunder besonders rücksichtsvoll fahren – anonym, versteht sich.

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