Donnerstag, 14. Dezember 2017

Eine futuristische Rampe, Wohnwürfel am alten Güterbahnhof, ein breiter Parkgürtel: Die ersten Entwürfe für das neue Stadtquartier nördlich des Dortmunder Hauptbahnhofs wurden von einer Jury bewertet. Dabei gab es gleich drei Gewinner. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

“Daraus könnte man deutlich mehr machen”, gaben 88 Prozent der Befragten bei der Auftaktveranstaltung zur Planungswerkstatt Dortmund Hauptbahnhof-Nord 2016 an. Gemeint war das Quartier, das direkt an die Nordseite des Hauptbahnhofs grenzt. Einladend fand ein großer Teil der Befragten den Platz nicht.

Dem Workshop folgte ein Wettbewerb unter Architekten. Eine siebenköpfige Jury hat nun die zwölf eingereichten Arbeiten bewertet – und gleich drei Gewinner gekürt. Die beiden Architekturbüros aus Dortmund erhielten zumindest eine Anerkennung. Bemerkenswert ist dabei, dass es zahlreiche Vorschläge wie mehr Grünflächen (“Grüne Spange”) und der Abbau von baulichen und gesellschaftlichen Barrieren in die Planungen geschafft haben.

Wer hat gewonnen?

Die Architektur- und Planungsbüros bK Kleinekort aus Düsseldorf, Raumwerk aus Frankfurt am Main und Trojan und Trojan aus Darmstadt konnten jeweils den ersten Platz holen.

Wie groß ist das neue Quartier?

Das neue Stadtquartier wird grob gesagt im Süden von den Bahngleisen und im Norden von der Treibstraße, der Grünen Straße und der Steinstraße begrenzt. Im Westen endet es an der Unionstraße/Sunderweg. Im Osten wird auch der Bereich rund um das Burgtor umgestaltet.

Wie soll das neue Stadtquartier aussehen?

Bei den Entwürfen haben die Planer ganz unterschiedliche Vorstellungen, wie Vorplatz und Eingangshalle aussehen sollen. Wir stellen die drei Gewinner vor.

 

Entwurf von Raumwerk

Futuristisch und auslandend: Der Raumwerk-Entwurf sieht eine mehrstöckige, bepflanzte Konstruktion vor. Grafik: Stadt Dortmund/Raumwerk

Wenn es nach den Planern von Raumwerk aus Frankfurt geht, wird der Eingang zum Quartier modern bis futuristisch. Sie wollen den Höhenunterschied zwischen Bahnanlage und Vorplatz mit einer ausladenden Rampe überwinden. Diese soll Anschluss an den Bürgerpark bieten. Darunter können Fahrgäste in Bus und Stadtbahn umsteigen.

 

Entwurf von Kleinekort

Viel Grün mit Aussicht: Der Entwurf des Büros Kleinekort soll zum Verweilen einladen. Grafik: Stadt Dortmund/Kleinekort

Das Büro Kleinekort aus Düsseldorf greift laut der Jury die für die Nordstadt typische Blockstruktur im Westen auf und setzt sie zeitgemäß um. Die Fortsetzung des Blücherparks über eine Freitreppe sei “besonders gelungen”. Der Eingang von Norden her sollte als Landmarke dienen und einen Blick über die Gleise auf die Stadt bieten.

 

Entwurf von Trojan und Trojan

Funktional und charaktervoll: So stellen sich Trojan und Trojan den neuen Vorplatz im Norden des Bahnhofs vor. Grafik: Stadt Dortmund/Trojan und Trojan

Schlanke Baustrukturen und freigelegte Torbögen sollen dem Eingang Charakter verleihen. Der Vorplatz behält seine Größe, das Eingangsgebäude soll verschiedene Nutzungen unter einem Dach kombinieren. Besonders gut fand die Jury den Vorschlag, mit zwei Hochhäusern am Burgtor auch sichtbar ein Tor zur Nordstadt zu bilden.

Warum ist der Umbau nötig?

Auf der Nordseite des Bahnhofs gibt es derzeit einen provisorischen Busbahnhof, einige Parkplätze und Bushaltestellen. Kurz: hier verweilt nur, wer auf den Bus wartet. Zudem fehlt ein echter Eingang zum Bahnhof genauso wie ein angemessener Übergang zur Nordstadt. Das soll sich ändern.

Auch die zahlreichen ungenutzten Flächen am ehemaligen Güterbahnhof und am Burgtor sollen eine neue Verwendung finden. Ein urbanes Viertel, in dem Wohnen, Arbeiten und Freizeit sinnvoll verknüpft sind, ist Ziel der Planungen.

Wer sitzt in der Jury?

Die Jury bestand aus Planungsdezernent Ludger Wilde, dem Architekten und ehemaligen Dortmunder Hochschulprofessor Peter Zlonicky, Bezirksbürgermeister Ludwig Jörder, Ingrid Reuter vom Ausschuss für Stadtgestaltung, dem Stadtplaner Jörn Walter aus Hamburg sowie Christa Reicher und Christian Schlüter aus dem Gestaltungsbeirat.

Peter Zlonicky stellt die Pläne aus dem Wettbewerb vor. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Am Montag haben die Mitglieder rund zehn Stunden lang gerungen, sagte Reuter. “An jedem Entwurf gibt es besondere Highlights. Eine perfekte Lösung für dieses Umfeld gibt es nicht.”

Wie geht es jetzt weiter?

Die Entwürfe werden ab dem 18. Januar öffentlich ausgestellt. Wo, ist noch unklar. Dann können die Bürger weitere Vorschläge einbringen. Die Entwürfe sollen in einem dynamischen Prozess weiterentwickelt werden.

Nach der Sommerpause 2018 soll der Stadtrat über den Plan entscheiden. Die drei Gewinnerprojekte lieferten aber genügend Anregungen, sagte Zlonicky. Die Deutsche Bahn hat mit der Sanierung des Bahnhofs gerade begonnen. Schon 2025 soll er fertig sein. Mit einer Fertigstellung des Stadtquartiers rechnet Planungsdezernent Wilde aber nicht vor 2030. Die Bahn habe zwar zugesagt, die Ergebnisse des Wettbewerbs abzuwarten. Man habe aber auch den Ehrgeiz, auf die Pläne der Bahn Einfluss zu nehmen, sagte Wilde.

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