Donnerstag, 14. Dezember 2017

Mal rauskommen, durch die Stadt radeln und sich den Wind um die Nase wehen lassen: Für viele Senioren in Pflegeheimen ist Radfahren nahezu unmöglich. Die Fraktion aus Linke und Piraten hat nun das Projekt “Radeln ohne Alter” vorgeschlagen, das auch Langzeitarbeitslosen eine Perspektive bieten soll.

Die Idee dazu stammt aus Kopenhagen. Ole Kassow war 2012 der erste, der einen älteren Herrn in seine Rikscha lud und ihn durch die Straßen der Stadt fuhr. Mittlerweile sind in der dänischen Hauptstadt zahlreiche Ehrenamtliche in gleicher Mission unterwegs.

In Essen werden Seniorenheimbewohner bereits seit 2016 von Ex-Langzeitarbeitslosen mit Rikschas gefahren. Foto: dpa

Über Essen ist die Idee nun auch nach Dortmund geschwappt. Dort sind Senioren seit einem Jahr in E-Rikschas unterwegs. Eine Fraktionsmitarbeiterin der Piraten hatte Stadträtin Nadja Reigl davon erzählt. Sie fand die Idee klasse und schlug sie kürzlich im Sozialausschuss der Stadt vor.

Idee findet im Sozialamt Gehör

Dass die Idee im Sozialamt zunächst positiv aufgenommen wird, überraschte Reigl dann doch etwas. Sie sei froh, nicht sofort abgewatscht worden zu sein, sagt sie auf Nachfrage. “Gegen gute Ideen kann sich niemand verwehren”, findet sie. Und hier schlage man schließlich zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Senioren freuen sich über eine Ausfahrt, die Langzeitarbeitslosen bekommen eine sinnvolle Beschäftigung, die auch ihnen Spaß machen könne.

Sozialamt Dortmund
Das Sozialamt in Dortmund. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Es gebe zwar viele tolle Projekte in Dortmund, sagt Reigl. Ziel müsse es jedoch sein, die Leute langfristig in Arbeit zu bringen. Finanziert werden soll es zunächst über Fördertöpfe des Landes. Ihr Wunschtraum: Dass das Projekt über Jahre läuft und die Stadt es später bei Erfolg finanziert. Und wegen der immer älter werdenden Bevölkerung brauche man bald eher mehr als weniger Rikscha-Fahrer.

Bis zur Umsetzung wird es noch dauern

Auf Anfrage wollte sich das Sozialamt dazu nicht äußern. Es gebe derzeit nichts neues zu dem vorgeschlagenen Projekt. In einer schriftlichen Stellungnahme an den Sozialausschuss schreibt Birgit Zoerner, Leiterin des Amts, dass die Umsetzung aus fachlicher Sicht grundsätzlich in Frage käme. Es könne Langzeitarbeitslosigkeit reduzieren und gleichzeitig die E-Mobilität fördern.


Den deutschen Untertitel für das Video gibt es nach einem Klick auf “Untertitel” in den Einstellungen (Zahnrad -> “automatisch übersetzen” -> “Deutsch”).

Bis dahin muss das Projekt aber noch einige Hürden nehmen. Die Stadtverwaltung rechnet nach Angaben von Pressereferentin Anke Widow erst Anfang des kommenden Jahres mit Neuigkeiten zur Planung. Laut Michael Schneider vom Jobcenter Dortmund spielt sich die Planung dazu derzeit ausschließlich auf politischer Ebene ab.

Zahlen zum Thema

  • Insgesamt gibt es in Dortmund derzeit rund 34.000 Arbeitslose
  • 13.100 Menschen in Dortmund waren im Juni langzeitarbeitslos.
  • In Dortmund leben rund 120.000 Menschen, die 65 Jahre oder älter sind (Stand: 2015)

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