Sonntag, 24. Juni 2018

Diese Petition hat Wirkung gezeigt: Fast 100.000 BVB-Anhänger haben für Mehrwegbecher im Stadion gestimmt. Nach einem Gespräch mit dem Initiator gibt der Verein jetzt bekannt, wieder zu den Mehrwegbechern zurückkehren zu wollen.

Der BVB verbannt Einwegbecher aus dem Stadion. Das haben der Verein und die Deutsche Umwelthilfe am Donnerstag (7. Juni) in einer gemeinsamen Presseerklärung bekanntgegeben. Der BVB war in der Saison 2015/16 von Mehrwegbechern auf Einwegbecher aus Maisstärke (PLA) umgestiegen. Nach dem Protest der Fans will der Verein nun in einen Dialog eintreten und zum ökologisch sparsameren Mehrwegbecher zurückkehren. Wann genau das neue System eingeführt werden soll, steht bislang noch nicht fest.

Auch Plastiktüten werden abgeschafft


Dazu sagt Marketingdirektor Carsten Cramer: „Mit der zunehmenden öffentlichen Diskussion über Plastikabfälle und im Hinblick auf die erweiterten Erkenntnisse zur Ökobilanz des PLA-Bechers hinterfragen wir unsere im Sommer 2015 getroffene Entscheidung nun allerdings.“ Die Mehrwegbecher sollen „höchsten ökologischen Ansprüchen“ genügen, aber auch fanfreundlich und sicher sein. Außerdem will der BVB zukünftig auf Plastiktüten im Fanshop verzichten.

Nick Heubeck, Initiator der Petition, sagte dazu: „Ich bin begeistert davon, dass Borussia Dortmund den Mut und die Größe bewiesen hat, sich von meiner Initiative sowie der Expertise und den Argumenten der Deutschen Umwelthilfe überzeugen zu lassen, im Signal Iduna Park zukünftig wieder auf Mehrweg setzen zu wollen.“ Auch Thomas Fischer von der DUH, begrüßt den Dialog und den Schritt des Vereins. Die spezifische Situation in Dortmund sei der Umwelthilfe bewusst. „Wir werden den BVB bei dieser Herausforderung gerne unterstützen“, sagte er.

Um die Becher ranken sich Mythen

Um den Mehrwegbecher rankten sich in den vergangenen Jahre einige Mythen. Wir haben bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nachgefragt.

Mythos 1: Mehrwegbecher sind auch unökologisch

Der Vorwurf: Auch Mehrwegbecher müssen gespült werden, und dabei wird viel Wasser verbraucht. Stimmt nicht ganz. Rund 120 bis 170 Milliliter Wasser benötigen die Waschstraßen pro Becher. Das Problem beim Bio-Plastik: Für den Anbau eines Kilogramms Rohmaterial (gentechnisch veränderter Mais) sind 900 Liter Wasser nötig.

Mythos 2: Die Mehrwegbecher wurden in Potsdam gespült

Weder der Dienstleister der Becher noch die Deutsche Umwelthilfe können das bestätigen. Normalerweise werden die Mehrwegbecher in Köln gespült – also rund 100 Kilometer entfernt vom Stadion. Der Mais für die Bioplastik-Becher kommt hingegen aus den USA. „Das Rohmaterial wird um die halbe Welt geschippert“, sagt Thomas Fischer von der DUH. Da wäre es selbst ins rund 500 Kilometer entfernte Potsdam ein Katzensprung.

Mythos 3: Mehrwegbecher sind gefährliche Wurfgeschosse

Immer wieder argumentieren Vereine damit, dass die stabilen Plastikbecher zu Verletzungen führen können, wenn sie geworfen werden. „Wenn das ein gravierendes Problem wäre, würden nicht 18 von 36 Vereinen darauf setzen“, entgegnet Fischer. Viel gefährlicher seien Münzwürfe, Pyrotechnik oder Feuerzeuge. Hannover 96 setzt mittlerweile auf einen leichteren Becher mit abgerundeten Kanten. Auch solche mit schrägem Boden, die sich beim Wurf sofort entleeren, sind mittlerweile auf dem Markt. Man könne den Müll nicht wegen einiger weniger Becherwürfe legitimieren, findet Fischer.

Mythos 4: Die Becher werden doch recycelt

Richtig ist eher: Die Becher könnten recycelt werden. Aber eben nur, wenn viele Fans sie in eine der 140 Röhren im Stadion werfen. Doch wer macht das schon? „Es ist offenkundig, dass die Becher liegenbleiben“, sagt Fischer. Niemand könne so tun, als ob es den Müll nicht gebe. Mehrwegbecher lohnen sich nach Angaben der DUH bereits nach dem fünften Gebrauch.

Mythos 5: Es gab Hygienemängel

Der Dienstleister, der dem BVB die Becher bis 2016 bereitstellte, bestätigt das nicht. Laut DUH hätte der BVB bei Hygienemängeln außerdem wohl kaum jahrelang auf die Mehrwegbecher gesetzt. Zudem würden die sauberen Chargen sicher verpackt und versiegelt.

Mythos 6: So viele Becher werden doch gar nicht verbraucht

Naja, doch: In der vergangenen Saison hat der BVB mit 1,5 Millionen Bechern erneut den Titel „Müllmeister“ eingefahren – vor dem FC Bayern und Schalke. Dabei hatten die Schwarzgelben aber auch die meisten Stadionbesucher zu verzeichnen.

Kommentar des Autors:

Gut so, dass einer der größten Vereine der Bundesliga ein Zeichen setzt und zu Mehrwegbechern im Stadion zurückkehrt. Auch der FC Bayern München setzt nach Fanprotesten in der kommenden Saison auf dieses System. Das zeigt auch: Mit Greenwashing lassen sich die Fans nicht länger veräppeln. Halbgare Lösungen werden nicht toleriert. Entweder, die Vereine übernehmen tatsächlich Verantwortung – oder sie müssen mit Gegenwind rechnen.

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