Sonntag, 19. November 2017

Seit Jahren gibt es Ärger um ein kleines Sträßchen, das in rund einem Kilometer Luftlinie zum Westfalenstadion liegt. Anwohner werfen der Stadt vor, sie würde ahnungslose Fußballfans, die dort parken, schamlos abzocken. Doch das Ordnungsamt wehrt sich gegen die Anschuldigung.

Wenn der BVB spielt und 80.000 Fans ins Westfalenstadion strömen, macht sich das auch in der Siedlung rund um die Chemnitzer Straße bemerkbar. Von hier aus laufen viele Fans die paar Kilometer zum Stadion, nur die B1 muss im Grunde überwunden werden – und immer öfter auch das Ordnungsamt der Stadt Dortmund. Denn das geht seit einiger Zeit vermehrt gegen Falschparker vor. Das wiederum geht Ingo Rutz auf den Zeiger.

Zu schmal zum Parken: Die Wilhelm-Crüwell-Straße nördlich der B1. Foto: Ingo Rutz

Ingo Rutz wohnt gar nicht in der Wilhelm-Crüwell-Straße, sondern seine Lebensgefährtin. Deshalb weiß er um die Situation im kleinen Sträßchen nördlich der B1. Das Wort “klein” sei an dieser Stelle ausdrücklich unterstrichen, denn am Ende geht es genau darum. Die Straße ist fürs Parken zu klein, besser gesagt zu eng.

Parken auf der Wilhelm-Crüwell-Straße verboten

Deshalb ist das Parken dort auch von jeher verboten. Doch wie das so ist, kann das Ordnungsamt nicht überall sein. Und so kam es, dass in der Wilhelm-Crüwell-Straße jahrelang keine Verstöße geahndet wurden. Seit einem Jahr aber schon. Denn die Stadt bekommt immer mehr Beschwerden seitens einiger Anwohner, die sich über Falschparker aufregten. Häufig geht es um das Parken auf Gehwegen – was auch auf der Wilhelm-Crüwell-Straße der Fall ist. Und so hat sich die Stadt dazu entschlossen, nicht nur in der Innenstadt verstärkt gegen Falschparker vorzugehen, sondern auch in Randlagen.

Dass die Stadt abschleppt oder Warngelder verhängt, scheint nicht das größte Problem von Ingo Rutz zu sein. Viel schlimmer findet er es, dass unwissende Stadionbesucher nicht davor gewarnt werden. “Viele Stadionbesucher schauen dann auf die Schilder und es findet sich kein Hinweis auf ein Parkverbot”, erzählt Rutz. Er sei deshalb schon dazu übergegangen, Falschparker zu warnen, damit die Stadt sie nicht abschleppe. Rutz: “Das perfide ist nämlich, dass nicht einmal ein Schild aufgestellt wird.”

Falschparker seit Jahren ein Problem

Was Rutz auf die Palme bringt, ist ein Problem, dass eine viel tiefere Wurzel hat. Denn während die Stadt seit Anfang dieses Jahres verstärkt gegen Falschparker in der Wilhelm-Crüwell-Straße vorgeht, schwelt das Problem schon seit 2015. So zumindest berichtet es Ordnungsamtsleiterin Beate Siekmann. Seit dort ein ehemaliges Altenheim in ein Wohnhaus umgebaut wurde, sei dort der Parkdruck immer größer geworden. Das Unheil nahm seinen Lauf.

Beate Siekmann ist Chefin des Dortmunder Ordnungsamts. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Siekmann: “Bereits 2015 wurde deshalb festgestellt, dass weder die Restbreiten des Gehweges noch der Fahrbahn gegeben sind, um dort legal zu parken bzw. das Parken zu legalisieren.”

Was für die Chefin des Ordnungsamtes klar ist, hält Ingo Ritz für realitätsfremd. Denn wer habe immer einen Zollstock dabei, um die Enge der Fahrbahn und des Bürgersteigs abzumessen? Warum dann kein gesonderter Hinweis der Stadt?

Keine doppelte Beschilderung

Vonseiten der Stadt scheint die Sache da offenbar klar zu sein. Denn “Parken auf dem Gehweg ist überall verboten, wo es nicht ausdrücklich durch Beschilderung oder Markierung erlaubt ist”, sagt eine Sprecherin, um dann auf die zusätzliche Enge der Straße zu verweisen. Eine Beschilderung des bestehenden Halteverbots dürfe nicht erfolgen, “da dies nur die bereits bestehende gesetzliche Regelung wiedergeben würde.” Kurz: Autofahrer müssen auch ohne zusätzliches Schild wissen, was erlaubt ist, und was nicht. Doppelt gemoppelte Verbote spricht die Stadt nun mal nicht aus.

Ingo Rutz hält das für ein perfides Vorgehen, denn die Stadt lasse so die unsicheren auswärtigen Autofahrer bewusst auflaufen, um abzukassieren. Eine Konsequenz hat er für sich schon gezogen: “Bei Kommunalwahlen in Dortmund werde ich nie wieder die SPD wählen.”

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