Mittwoch, 24. Januar 2018

IKEA und Co. bekommen wohl Konkurrenz: Das Möbelhaus Segmüller und die österreichische Kette XXXLutz haben Interesse bekundet, Filialen in Dortmund zu eröffnen. Die Stadtverwaltung freut das, die Nachbarstädte sind jedoch dagegen. Zur Not will Dortmund die Planungen auch ohne deren Zustimmung beginnen.

Die Pläne, weitere Möbelhäuser in Dortmund anzusiedeln, gibt es bereits länger. An der nördlichen Bornstraße soll eine Filiale von XXXLutz entstehen. Dieses Vorhaben ist laut der Stadtverwaltung eher unstrittig. Für Unmut – insbesondere bei den umliegenden Städten – sorgt hingegen der Plan, eine Segmüller-Filiale mit rund 45.000 Quadratmetern Verkaufsfläche zwischen Indupark und dem Autobahnkreuz Dortmund-West zu bauen.

Zwischen Indupark und Autobahnkreuz soll die Segmüller-Filiale gebaut werden. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Aus Sicht der Stadtverwaltung ist das Vorhaben verständlich: Derzeit werden rund 40 Prozent der Kaufkraft für Möbel und Einrichtungsgegenstände nicht etwa in Dortmund umgesetzt, sondern in den Nachbarkommunen. Durch die beiden neuen Möbelhäuser würde sich das genau umkehren: Käufer aus den umliegenden Kommunen würden ihr Geld dann in Dortmund lassen.

“Wäre kein gutes Beispiel”

Seit 2000 besteht ein regionales Einzelhandelskonzept. Es soll eigentlich verhindern, dass große Firmen außerhalb des Zentrums die Entwicklung des Einzelhandels im Stadtzentrum sowie der angrenzenden Kommunen gefährdet. Doch genau das befürchten fünf der aktuell 22 Kommunen im östlichen Ruhrgebiet derzeit offenbar. Sie haben deshalb in einer Vorababstimmung im Arbeitskreis gegen die Ansiedlung beider Möbelhäuser gestimmt. Der Grund leuchtet ein: Sie alle haben selbst große Möbelhäuser im Stadtgebiet.

“Wir haben uns an das Regelwerk gehalten”, sagte Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau in der Pressekonferenz des Verwaltungsvorstands am Dienstagmittag. Im Gegenzug kritisierte er die Nachbarkommunen: “Das ist ein Bruch mit der Verfahrenstradition.” Die Stadtverwaltung sei weiter der Auffassung, dass es sinnvoll sei, im regionalen Verbund zu entscheiden. Sollte das keinen Erfolg haben, sei aber auch ein anderer Weg denkbar: “Wir können es auch anders machen und uns an das Land wenden”, sagte Sierau.

Dort würde schließlich der NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) “die Marktkraft entfesseln” wollen. Damit wäre jedoch die informelle Regelung hinfällig, dass nur gebaut werde, wenn alle zustimmen. “Das könnte man dann auch beerdigen”, sagte Sierau. Doch die Stadt will die Investoren nicht in die Flucht schlagen. “Das wäre kein gutes Beispiel für die Metropole Ruhr”, warnte er. Ein Entschluss im RVR habe aber ohnehin keine bindende Wirkung, sagte Stadtplanungsdezernent Ludger Wilde. Laut Gutachten hätten durch die Ansiedlung weder das Stadtzentrum Nachteile, noch sei die Existenz der Möbelhäuser in der Region bedroht.

Planungen auch ohne Konsens

Selbst wenn die Planungen – auch ohne Konsens – starten, wird es noch eine Weile dauern, bis in den Möbelhäusern geshoppt werden kann. Zunächst muss der Rat der Stadt dazu befragt werden. Anschließend stehen sämtliche Planungen an. Die Flächen in Oespel und der Nordstadt seien aber bereits als Gewerbeflächen angemeldet worden, sagte Wilde.

Das Verkehrskonzept am Indupark muss leicht angepasst werden. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Der Verkehr am Sorbenweg in Oespel wurde bereits untersucht. Demnach wäre es mit einigen Anpassungen der Ampelschaltungen sowie einem Umbau der Kreuzung vor IKEA getan. Für die Zufahrt zum neuen Möbelhaus ist außerdem eine neue Ampel nötig. Für das Möbelhaus in der Nordstadt gibt es noch kein Verkehrsgutachten. In die Verkehrsprognose der Westfalenhütte sei ein Möbelhaus aber bereits eingepreist worden. Ob der Verkehr auch ohne die geplante Nordspange verträglich laufen wird, müsse noch untersucht werden.

 

Kaufkraft soll in Dortmund bleiben

Das regionale Handlungskonzept besteht bereits seit 2000 und ist für Dortmund von dem damaligen Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer bestätigt worden. Die Kommunen im östlichen Ruhrgebiet haben sich damit darauf verständigt, über die Ansiedlung von großen Möbelhäusern abzustimmen.

Laut Sierau seien rund um Dortmund davon in der Vergangenheit aber zahlreiche entstanden. Das führte dazu, dass die Dortmunder ihr Geld dort ausgeben. Durch die neuen Möbelhäuser würde die Stadt deutlich an Kaufkraft dazugewinnen. “Wie es sich für ein Oberzentrum gehört”, sagt Stadplanungsdezernent Ludger Wilde.

Kommentare

Anzeige