Montag, 11. Dezember 2017

Die 32-jährige Anja Möller hat über 40 Kilogramm Gewicht in viereinhalb Monaten verloren und einen neuen Job gefunden. Jetzt hilft sie als Sprechstundenhilfe im Klinikum Dortmund anderen Betroffenen. 

Ihre Entscheidung zur OP fiel endgültig in einem Freizeitpark: Anja Möller saß in dem Waggon eingeklemmt, der Sicherheitsbügel hatte sich nur mit größter Mühe geschlossen. Sollte sie das Risiko wagen und der Achterbahn-Technik vertrauen? Die 32-jährige Mutter von zwei Kindern entschied sich auszusteigen, einige andere Fahrgäste tuschelten und schüttelten mit dem Kopf.

Bei einer Körpergröße von 1,77 Meter wog Möller damals 138 Kilogramm (BMI: 44,3). Ein klassischer Fall von Adipositas, also chronischem Übergewicht, der in der Chirurgie des Klinikums Dortmund jetzt erfolgreich behandelt wurde.

Nicht mehr so viel Appetit

Anja Möller arbeitet inzwischen sogar für ihre Operateure: Sie baut jetzt als neue Sprechstundenhilfe das Zentrum für Adipositas-Chirurgie im Klinikum Dortmund weiter aus. “Ich kann Patienten sicherlich sehr authentisch darüber berichten, wie es rund um eine OP so ist”, erklärt Möller, die seit ihrer OP im April 2017 bereits 40 kg abgenommen hat. “Ich habe einfach nicht mehr so viel Appetit.” Genau das war das Ziel der Therapie bei ihr, die schon seit ihrer Kindheit viel gegessen hatte, aber immer auch (bis heute) sportlich aktiv war und zum Beispiel regelmäßig Volleyball spielte.

Prof. Dr. Maximilian Schmeding, Direktor der Klinik für Chirurgie im Klinikum Dortmund, und sein Team verkleinerten den Magen der jungen Mutter und schnitten dabei unter anderem auch einen Teil der Magenwand heraus, der eigentlich als Appetitanreger funktioniert. Wo früher ein Magen von über 1,5 Liter Fassungsvermögen war, ist heute ein Schlauch von wenigen 100 Millilitern.

So ein Schritt will jedoch vorab reiflich überlegt sein. Deshalb steht die OP auch immer erst am Ende einer Therapie, die auf einem so genannten “multimodalen Konzept” beruht. “Sechs bis zwölf Monate vor der eigentlichen OP müssen die Patienten eine Vielzahl von Maßnahmen absolvieren, unter anderem ihre Ernährung unter Anleitung umstellen, Sport treiben und eine psychologische Beratung aufsuchen”, erklärt Prof. Schmeding. Erst wenn das alles erfolgt ist, übernimmt die Krankenkasse auch die Kosten für den operativen Eingriff.

Patienten werden individuell beraten

“Was wir konkret operieren, prüfen wir vorab gemeinsam mit dem Patienten und individuell. Es muss also nicht immer ein Schlauchmagen sein wie bei Frau Möller”, so Prof. Schmeding. In Vorbereitung auf die OP besuchte die 32-Jährige auch die Selbsthilfegruppe Adipositas, die es im Klinikum Dortmund gibt. Hier bekam sie viele Informationen von anderen Patienten, die in unterschiedlichen Stadien der Therapie waren, quasi aus erster Hand.

Hier war es auch nicht so schlimm, über das eigene Übergewicht zu sprechen. “Ansonsten werden Sie ja in der Öffentlichkeit ständig abfällig beobachtet, wenn Sie als dicker Mensch essen. Egal, was oder wieviel sie essen”, erinnert sich Möller. Doch nicht nur das: “Wissen Sie eigentlich, wie fett sie sind?” musste sie sich zum Beispiel von ihrem behandelnden Arzt in einem anderen Krankenhaus anhören, als sie ihr jüngstes Kind zur Welt brachte.

Das aber liegt nun alles hinter Anja Möller: “Ich bereue den Schritt auf gar keinen Fall. Ich brauchte auch keine Beruhigungsspritze, als es in den OP ging. Ich war so happy, als es losging.” 16 bis 17 Kilo möchte sie noch verlieren. Aber das, so sagt sie, liege ganz in der Macht ihres Körpers. “Man kann leider nur wenig steuern, bis auf welches Gewicht es nach einer solchen OP heruntergeht. Irgendwann hört der Körper einfach auf abzunehmen.”

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