Freitag, 22. September 2017

Nur von einer großen Glasscheibe ist die Musikbühne mit den E-Instrumenten Schlagzeug, Gitarre, Bass und Keyboard von der Kaiserstraße getrennt. Außerdem stehen drei Standmikros in dem Raum. Und die Zuschauer? Die hören die Musik auf der Straße über Lautsprecher. Die Band hört die Musik auch – über In-Ear-Monitoring mit Kopfhörern im Ohr. Das ist die Technik der Stars.

Sagt euch In-Ear-Monitoring etwas? Das ist gar keine so neuartige Technik, wie es sich anhört. Unter den Stars ist sie schon lange Standard. Beim In-Ear-Monitoring bekommen alle Bandmitglieder Kopfhörer ins Ohr, über die sie sich selbst und die anderen Musiker hören können. Alle sind über Kabel miteinander verbunden.

In-Ear-Monitoring von Hearing in Dortmund an der Kaiserstraße 27a neben Henken & Müller, Interview mit Dirk Henken, Proberaum und Musikbühne für Bands, Kopfhörer testen
So sehen die In-Ears aus. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Kopfhörer statt Boxen

Auf allen großen Bühnen wird diese Technik laut Dirk Henken, Geschäftsführer der In-Ear-Monitoring-Firma Hearing, angewendet. Aber kleinere Bands nutzen meistens noch Monitoring-Boxen, um ihre Musik während der Probe oder des Auftritts zu hören. Das sind Boxen, die statt zum Publikum zu den Bandmitgliedern gerichtet sind.

Doch durch die laute Beschallung belasten Musiker ihre Ohren sehr. Außerdem stören sie damit Anwohner, wenn sie nicht in einem Raum mit gutem Lärmschutz proben. Die großen Monitoring-Boxen müssen die Musiker zudem immer zu ihren Auftritten transportieren. Das alles ist mit der Technik In-Ear-Monitoring anders. Die Musiker benutzen statt der Boxen einfach die Kopfhörer.

Kostenloser Proberaum und Musikbühne

Das Geschäft Hearing bietet solche Kopfhörer an. Nächste Woche eröffnet es seinen neuen Standort an der Kaiserstraße 27a in Dortmund. Aber es hat dort nicht nur einen Store, sondern gleich einen Raum zum Proben und für Auftritte aufgebaut. Auf der Musikbühne ist die ganze Technik verfügbar, die für In-Ear-Monitoring gebraucht wird. Das sind natürlich die Kopfhörer, aber auch ein Mischpult und Bodypacks für jeden Musiker. Mit den Bodypacks kann jeder Musiker die Lautstärke seines Instruments individuell regeln, genauso wie am Mischpult. Außerdem stehen in dem Raum ein Schlagzeug, ein Keyboard, eine Gitarre und ein Bass – natürlich alle in der E-Version und verkabelt. Die Bands können aber auch ihre eigenen Instrumente mitbringen.

In-Ear-Monitoring von Hearing in Dortmund an der Kaiserstraße 27a neben Henken & Müller, Interview mit Dirk Henken, Proberaum und Musikbühne für Bands, Kopfhörer testen
Das Schlagzeug ist auch elektronisch. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Hearing will den Raum einerseits Bands anbieten, die die Technik In-Ear-Monitoring ausprobieren möchten. “Es können auch Einsteiger kommen”, sagt Henken. Sie können sich nach vorheriger Anmeldung bei Hearing die Kopfhörer und die Technik ausleihen. Spielen können sie entweder mit den vorhandenen oder mit ihren eigenen Instrumenten. Insgesamt können bis zu acht Musiker verkabelt werden. Die ersten Male auf der Musikbühne sind auf alle Fälle gratis. Geschäftsführer Henken hat sich noch keine Gedanken darüber gemacht, ob er für regelmäßige Proben Geld verlangen wird.

Kostenlos werden andererseits auf alle Fälle auch die Konzerte sein, die Bands auf der Musikbühne geben können. Zwar ist der Raum zu klein für Zuschauer, aber die hören die Musik einfach über Lautsprecher auf der Straße. Zu sehen ist die Band sowieso durch die Glasscheibe. Das hat schon einmal gut geklappt, als sich Hearing Mitte Juli beim Mini-Festival “Lebenskunst Kaiserviertel” beteiligt hat. Damals war das Geschäft und der Proberaum aber noch nicht generell eröffnet. Zukünftig sollen laut Henken jedoch regelmäßig, etwa alle zwei Wochen, Konzerte auf der Musikbühne stattfinden.

In-Ear-Monitoring von Hearing in Dortmund an der Kaiserstraße 27a neben Henken & Müller, Interview mit Dirk Henken, Proberaum und Musikbühne für Bands, Kopfhörer testen
Die Zuschauer müssen draußen vor der Scheibe stehen bleiben. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Erstes Konzert am 16. September

Das erste Konzert steht auch schon kurz bevor: Am Samstag (16. September) tritt um 16 Uhr die Hip Hop Band Smoove Attack auf und um 18 Uhr liefern Jochen Fischer und die Sängerin Yen Rock-Musik. Dazwischen und danach spielt DJ Falk.

Davor, ab 12 Uhr, können Interessierte die In-Ear-Hörer der Marken Ultimate Ears und Fischer Amps testen. Ultimate Ears ist Marktführer beim In-Ear-Monitoring und bietet maßgefertigte Kopfhörer an. Henken und sein Team machen dafür einen Abdruck des Ohrs und schicken die Daten nach Amerika, wo die Kopfhörer mit einem Laserverfahren hergestellt werden. Nach circa zwei Wochen bekommt der Kunde seine Kopfhörer. Die haben allerdings auch ihren Preis: zwischen 400 und 2.000 Euro. Fischer Amps hat günstigere Standardmodelle ab 120 Euro.

Sido und Seeed sind Kunden

Henken und sein Team von Hearing sind die größten Anbieter für In-Ear-Monitoring in Deutschland. Ihre Kunden sind Seeed, Materia, Deichkind und Herbert Grönemeyer. Henken erzählt, dass er gerade erst bei Helene Fischer Ohr-Abdrücke gemacht hat und sie wegen der Farbe beraten hat. Ihre Wahl fiel auf Schwarz mit Glitzersteinen. Sido entschied sich für goldene Kopfhörer mit roter Schrift. Außerdem liefert Hearing die Technik für Voice of Germany.

Hearing hat bereits seit vier Jahren einen Store in Berlin, in Dortmund wird der zweite sein. Er liegt direkt neben dem Hörgeräte-Geschäft Henken & Müller, aus dem heraus Hearing entstanden ist. Vor vier Jahren entschieden sich Henken und sein Team erst einmal, nach Berlin zu gehen, weil dort die meisten Kunden waren. Dort eröffneten sie laut eigenen Angaben den ersten In-Ear Monitoring-Store in Europa.

Kommentare

Anzeige