Montag, 16. Juli 2018

Mehr als 1.200 Menschen waren am Samstag (25. März) mit ihren Smartphones in Dortmund unterwegs. Der Grund: Der Mission Day. Wir haben uns mit „Agent Frieda67“ über das internationale Spiele-Event unterhalten. 

Dortmund – „Agent Frieda67“ heißt eigentlich Gabi, ist 1967 geboren, wohnt in Köln und ist Software-Testerin. Aber als sie am Mission Day so vor dem Deutschen Fußballmuseum in Dortmund herum steht, heißt es von allen Seiten: „Du bist doch die Frieda, oder?“


Frieda heißt Gabi in der Online-Welt. Ihre blauen Haare und ihre Sonnenbrille mit blauen Bügeln lassen leicht erraten, welchem Team sie angehört. „Grün oder blau?“, fragt mich ihr Kumpel mit einem großen Lachen. Fangfrage!

Ich wollte gerade antworten da meint ein anderer gegenüber Frieda: „Du schuldest mir noch ein Bier!“ – „Das kann gut sein“, gibt Frieda zurück.

Warum sie heute hier beim Mission Day ist, frage ich Frieda. „Weil es Bier gibt“ lautet die Antwort des Kumpels, dem Frieda wohl noch ein Bier schuldet. „Weil ich ein Hardcore-Ingress-Fan bin“, entgegnet hingegen Frieda.

Teams kämpfen um Vorherrschaft in einer Stadt

Aber was bedeutet das genau? Beim Mission Day geht es um das schon erwähnte Smartphone-Spiel Ingress. Weltweit gibt es gut fünf Millionen Spieler. Einfach gesagt, kämpfen in dem Spiel zwei Teams (Team Grün als die „Erleuchteten“ gegen Team Blau als der „Widerstand“) um die Vorherrschaft in einer Stadt. Dazu müssen sie so viele Portale einnehmen wie möglich. Die Portale befinden sich an besonders wichtigen Sehenswürdigkeiten in der Stadt und werden über GPS auf dem Smartphone angesteuert. Zum Beispiel am Dortmunder U, in der Thier-Galerie oder am Westfalenstadion. Es gibt verschiedene Missionen in der Stadt zu erfüllen – daher der Name „Mission Day“.

So sieht es aus, wenn man eine Mission beim Mission Day bestanden hat. Screenshot: MD Orga Team

Um Dortmund zu erobern, müssen Frieda und ihre Mitstreiter mindestens 12 von 24 Missionen erfüllen. Die meisten Spielfelder liegen zentral. Andere, wie die Kokerei Hansa, der Phoenix See oder Haus Rodenberg locken die Zocker aus der Innenstadt hinaus. „Um alle Missionen zu spielen, muss man 30-40 Kilometer laufen“, sagt Timo Lücke aus dem Organisationsteam. „Die ganz Eifrigen machen das und sind bis zum Abend unterwegs.“

Die Missionen zu erfüllen, dürfte für Frieda aber kein Problem sein. Frieda ist Profi. Sie war unter anderem schon in Rom, Rotterdam und Zürich, um Ingress zu spielen und die Community kennenzulernen. Man kommt gut rum. Und man trifft sich regelmäßig. Denn Ingress ist ein Team-Spiel. Die Spielidee: Verschiedene Portale müssen vom Team gemeinsam eingenommen werden.

Seit drei bis vier Jahren gibt es parallel zum Spiel auch Sammelkarten. Auch von den Spielern. Frieda gibt mir eine von ihr. Auf der Vorderseite streckt Frieda mit den blauen Haaren mir auf einem Foto die Zunge raus. Die Zunge ist blau. Gefärbt durch einen Lolly. Auf der Rückseite steht „Anomaly Assistant of the whole Anomaly“ unter ihrem Namen. Und sonst erfährt man auf der Karte alles über Friedas Ingress-Vergangenheit.

Frieda erreichte als erste weibliche Spielerin Level 16

Vor gut drei Jahren, im Juni 2014, hat sie angefangen. Sie war die erste weibliche Spielerin in Köln, die am 9. September 2015 Level 16 erreicht hat. „Level 16 ist das höchste Level“, erklärt mir Frieda stolz.

Ein Bekannter brachte sie auf das Spiel. „Schaue dir das mal an“, meinte er zu ihr. Und tatsächlich: „Ingress ist genau mein Ding“, gesteht Frieda.

Dass Frieda so bekannt ist wie ein bunter Hund, liegt vor allem daran, dass sie sich sehr in der Community engagiert. „Ingress ist sehr sozial“, erklärt Frieda. Im Schlepptau hat sie am Samstag auch „den Lütten“. Der Lütte spielt erst seit Oktober 2016 Ingress. Vorher zockte er Pokémon Go.

Ob es eine Beleidigung für sie ist, wenn man Ingress mit Pokémon Go vergleicht, frage ich Frieda. Frieda und ihre Jungs lachen. Es scheint fast so als würden sie Pokémon Go als Mini-Ableger von Ingress ansehen. Und das ist vielleicht gar nicht so falsch: „Die Pokéstops wurden meist von Ingress-Spielern eingereicht“, so Frieda.

Als sie letztes Jahr einen Bekannten im Sauerland besuchte, erzählte dieser ihr, dass seine Tochter jetzt Pokémon Go spielt und dauernd auf einen Berg läuft, weil dort ein Pokéstop ist. „Und genau diesen Pokéstop habe ich damals ursprünglich für Ingress eingerichtet“, sagt Frieda.

Sogar aus China ist eine Gruppe nach Dortmund angereist

Wieso ihre Sammelkarte auf Englisch ist, möchte ich wissen. Und die Antwort hätte ich mir denken können: Ingress wird weltweit von gut fünf Millionen Spieler gespielt, deswegen ist die Community-Sprache Englisch.

Auch am Samstag treffe ich vor dem Fußballmuseum auf gut 350 Ingress-Zocker aus Holland, Schottland, Belgien,Tschechien, Schweiz, Österreich, Dänemark und Schweden. „Sogar aus China ist eine Gruppe angereist“, berichtet Timo Lücke aus dem Organisationsteam. Viele von ihnen haben einen Rucksack auf aus dem ein Kabel kommt, das direkt mit ihren Handys verbunden ist. Powerbanks – damit auch ja nicht während des Spiels das Smartphone ausgeht, weil der Akku alle ist.

Zur Stärkung wurden die Restaurants, Bistros und Cafés besucht. Überall in Dortmund waren Agentengruppen zu sehen – immer am gezückten Smartphone mit Kabel zur Powerbank zu erkennen. Gegen Abend füllten sie die Berswordthalle und den Friedensplatz, denn am Ende müssen die Missionen von den Organisatoren bestätigt werden. „Der Mission Day ist immer toll, um eine Stadt kennenzulernen und alte Freunde zu treffen und neue zu finden“, verrät mir dort die 28-jährige Beeke aus Amsterdam.

Organisiert wurde der Mission Day von der Spielergemeinschaft selbst, Dortmund Tourismus hat das Team unterstützt. „Solche Events bestätigen den Trend, dass Städte mit digitalen Hilfsmitteln erkundet werden – am besten mit zusätzlichem Spaßfaktor!“, sagt Sigrun Späte von Dortmund Tourismus. Die Organisatoren sind sich einig, dass der Dortmunder Mission Day ein riesiger Erfolg war.

Mehr Eindrücke findet ihr hier in unserer Bildergalerie

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