Freitag, 20. Oktober 2017

Nanu, wer hat sich denn da nach Dortmund verirrt? Bundeskanzlerin Angela Merkel war am Samstag (12. August) zu Gast in den Westfalenhallen. Vor rund 800 Menschen leitete sie den Bundestagswahlkampf der CDU ein.

Kurz zur Ausgangslage: Dortmund hat zwei Wahlkreise und beide Wahlkreise wurden bei der vergangenen Bundestagswahl 2013 von der SPD gewonnen. Und zwar jeweils mit gut 10 Prozent mehr Stimmen als für die CDU. Die Stadt ist also beim Fußball schwarz-gelb, ansonsten aber durch und durch rot. In Dortmund und im gesamten Ruhrgebiet sitzt, so sagt es der Volksmund, die Herzkammer der Sozialdemokratie. Und dann kommt ausgerechnet die CDU-Kanzlerin nach Dortmund?

Vor den Westfalenhallen wird gegen den Auftritt von Angela Merkel protestiert. Aber nicht die Sozialdemokraten stehen dort, nein die Alternative für Deutschland hat circa 20 Anhänger mobilisiert, die im Dauerregen ihre Plakate halten und ein Pfeiffkonzert veranstalten.

Auftritt leitet Wahlkampf ein

Angela Merkel Westfalenhallen Foto: Bianca Hoffmann/Dortmund24
Foto: Bianca Hoffmann/Dortmund24

Im Inneren Parteimitglieder, interessierte Bürger und viel Presse. Klar, schließlich wird mit dem Auftritt der Kanzlerin der Bundestagswahlkampf der CDU eingeleitet. Einer der Gäste ist Daniel Ratschmann aus Dortmund. Der 36-Jährige sagt: “Ich wollte mal unsere Bundeskanzlerin sehen, das muss man ja mal erlebt haben. Ich hätte mir die Veranstaltung allerdings größer vorgestellt.”

Daniel Ratschmann (36) aus Dortmund Foto: Bianca Hoffmann/Dortmund24
Daniel Ratschmann (36) aus Dortmund Foto: Bianca Hoffmann/Dortmund24

Eingeladen hatte die CDA – das ist die Christlich-Demokratische Arbeiterschaft, also der Sozialflügel der CDU. Deren Vorsitzender Karl-Josef Laumann wurde am 30. Juni zum neuen Arbeitsminister von NRW verteidigt. Die CDA kümmert sich um die Beschäftigten und deren Familien, so ist es auf der Homepage zu lesen. Also die Themen, die auch Kern der Sozialdemokratie sind. Sicher kein Zufall, dass in Dortmund das Thema Arbeit im Mittelpunkt steht.

Jan Günther ist im Landesvorstand des Parteizweiges. Der 27-Jährige sagt: “Es macht einfach Spaß, eine erfolgreiche Bundesregierung und eine Kanzlerin, die alles in sicherem Fahrwasser hält, zu unterstützen. Sie präsentiert Ideen aus einem Guss und da bin ich total gespannt drauf.”

Jan Günther (27), Landesvorstand CDA Foto: Bianca Hoffmann/Dortmund24

Auftritt in Dortmund ist kein Zufall

Das Publikum ist durchmischt. Allerdings fällt auf: Hier sitzen entweder sehr alte Menschen oder sehr Junge im Publikum. Dann kommt die Kanzlerin und wird mit stehendem Applaus begrüßt. Sie bestätigt, dass es kein Zufall ist, dass der Wahlkampf in Dortmund beginnt. “Es ist wichtig, sich mit den Wünschen, Sehnsüchten und Erwartungen derer zu befassen, die im Arbeitsleben stehen oder demnächst stehen werden. Und da ist die CDA natürlich der richtiger Ansprechpartner”, so Merkel.

Der Fokus der rund 40-minütigen Rede liegt auf dem Thema Arbeit. Sie spricht unter anderem das Ziel an, bis 2025 Vollbeschäftigung erreichen zu wollen, also eine Arbeitslosenquote unter 3 Prozent. Davon ist Dortmund zurzeit meilenweit entfernt. Im Juli waren hier 11,1 Prozent der Menschen arbeitslos.

Aber auch die Digitalisierung, stabile Renten und die Stärkung der Familien wurden von Angela Merkel thematisiert. Die gesamte zusammengefasste Rede findet ihr hier. Es folgt “Politik trifft Praxis”. Hier sprach die Bundeskanzlerin mit Sozialdienstleiterin Petra Kamolla aus Dortmund, Günter Back, Betriebsratsvorsitzender bei Thyssen Krupp und Schwester Margareta Kühn, die in Berlin ein Jugendzentrum betreibt. Hier gab es vor allem Lob für die Kanzlerin.

“Dortmund wird nicht ewig den Roten gehören”

Abschließende Worte fand Thorsten Hoffmann. Der Dortmunder sitzt für die CDU im Bundestag. Er fand beim Wahlkampfauftakt die wohl klarsten Worte in Richtung SPD: “Wir sind hier in Dortmund. Für viele Jahre gab es hier keinen Blumentopf zu gewinnen. Die Sozialdemokraten haben das Ruhrgebiet heruntergewirtschaftet. Wenn man so mit seiner Herzkammer umgeht, ist der Patient übrigens bald tot. Doch diese Misswirtschaft ist seit drei Monaten endlich vorbei. Und ich will ganz deutlich sagen: Dortmund wird nicht ewig den Roten gehören!”

Nach dem obligatorischen Gruppenbild und der Nationalhymne war der Wahlkampfauftakt der CDU auch schon wieder vorbei. Übrig blieben zwei junge syrische Männer, die vor der Tür gewartet hatten, um die Kanzlerin mal zu treffen. Sie sagten, dass sie sich gerne bei ihr bedanken wollten. Leider war Angela Merkel da schon unterwegs zum nächsten Termin.

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