Sonntag, 20. August 2017

An der Kreuzung rumpeln die Lastwagen vorbei, an der Baustelle rattert der Presslufthammer, im Büro dudelt das Radio. Jetzt etwas Ruhe, das wäre schön. Doch wo gibt es die in Dortmund noch? Mit einer neuen App kann man sie bald vielleicht finden – und anderen zugänglich machen.

„Hush City“ heißt das Programm, das an der TU Berlin entwickelt wurde. Damit kann man an allen Orten die Lautstärke messen und mit Foto und Ortsbeschreibung hochladen. Das können ruhige Ecken im Tremonia-Park, aber eben auch nicht so ruhige Ecken wie die Baustellen in der Innenstadt sein. So sollen laut der Entwickler in der Nachbarschaft kleine, ruhige Zonen gefunden werden, die dann in dem Open-Source-Projekt jedem zur Verfügung stehen sollen.

Hush City App
Die App Hush City kommt aus Berlin. Sie kann aber auch in Dortmund ruhige Orte aufzeigen. Screenshot: Florian Forth/Dortmund24

Weil das Pilotprojekt in der Hauptstadt gestartet wurde, ist Dortmund derzeit noch ein weißer Fleck auf der Karte. Das Thema Lärm ist aber hier wie dort wichtig. Während kaum jemand etwas gegen Meeresrauschen haben dürfte, sieht das bei Verkehrslärm anders aus. Das Gehör selbst ist dabei laut Bundesumweltamt als letztes direkt vom Lärm betroffen. Bereits bei deutlich geringeren Lautstärken könne es bereits zu Schlafstörungen, Kreislauferkrankungen und Konzentrationsstörungen kommen.

So funktioniert die App

Handy raus, Lärm aufnehmen, Foto machen und ein paar Fragen beantworten: fertig ist der Messpunkt. In einer Seitenstraße des Westenhellwegs schlägt die Nadel weit aus: einen Schalldruck von durchschnittlich 63,3 Dezibel zeigt das Handydisplay – ein Wert im roten Bereich. Kein Wunder: Die Baustellen, die man derzeit an fast jeder Ecke findet sind alles andere als flüsterleise, ein Stück weiter läuft laute Musik. Der Höchstwert von 75,5 Dezibel hätte gar die Skala gesprengt.

Hush City App
Auf der Einkaufsstraße ist es aber besonders wegen der Baustellen relativ laut. Screenshot: Florian Forth/Dortmund24

Anders als in der Innenstadt sieht es in dem kleinen Park am Stadtgarten aus. Die Autos am Stadtring, von ein paar Bäumen abgeschirmt, sind zwar gut zu hören. Man kann sich hier aber zumindest ungestört unterhalten. Die App zeigt hier durchschnittlich 48 Dezibel an – das ist fast noch im grünen Bereich. Die Lautstärke wird hier entsprechend der logarithmischen Dezibel-Skala um mehr als die Hälfte leiser wahrgenommen, als auf der Einkaufsstraße.

Zum Vergleich: Ein Gespräch bei Zimmerlautstärke oder ein Regenschauer sind in etwa so laut, wie der Park im Stadtgarten. Die Baustelle keine 200 Meter weiter hingegen entspricht in etwa dem Lärm eines vorbeifahrenden Autos oder dem Benzinrasenmäher des Nachbarn.

Hush City App
Der Stadtgarten bietet etwas Ruhe im Lärm der City. Andere können dern fertigen Eintrag später in der App sehen. Screenshot: Florian Forth/Dortmund24

Da jedoch unklar ist, wie genau diese Messung mit dem Handy ist, sind die Werte mit Vorsicht zu genießen. Etwas nervig ist auch der längere englische Fragebogen. Nach der ersten Nutzung kann man ihn aber schnell ausfüllen und so andere Bürger vor Krach warnen oder ihnen etwas Ruhe schenken. Die Standorterkennung könnte besser sein.

Dortmunder kennen ihre ruhigen Ecken

Ein junger Dortmunder hat es sich am Stadtgarten mit einer Freundin bequem gemacht. Ihm ist es generell nicht zu laut in der Stadt: „Ist doch gut, wenn was los ist“, findet er. Wenn er dann doch mal seine Ruhe haben will, fährt er an den Phoenix-See.

Hush City App
Der Stadtgarten: eine halbwegs ruhige Oase inmitten des Stadtlärms. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Ein Stück weiter sitzt eine junge Frau mit Kopfhörern auf der Wiese. Sie wohne ganz in der Nähe und höre auch in der Wohnung eigentlich immer Musik. Mit dem Lärm in der Stadt habe das aber nichts zu tun. Zu laut findet sie nur die Ring-Raser, die abends ihre Runden durch die Stadt drehen. Einen ruhigen Platz findet sie am Alten Hafenamt im Norden Dortmunds. „Da scheint auch am längsten die Sonne“, sagt sie.

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