Samstag, 26. Mai 2018

Dieser Artikel gibt die Meinung der Autorin wieder und muss nicht unbedingt der Meinung der Redaktion entsprechen.

Am Ende sind zwölf Lokalpolitiker schuld, dass das Festi Ramazan 2018 nicht wie geplant auf den Parkplätzen am Remydamm stattfinden darf. Derzeit steht nicht fest, ob das das endgültige Aus für das Fest 2018 bedeutet. Aber klar ist: Das Festi Ramazan schadet unserer Stadt nicht, sondern bereichert sie.


Im Gegenteil: Schaden fügen der Stadt in diesem Fall nur die zwölf Lokalpolitiker aus der Bezirksvertretung Innenstadt-Ost zu, die gegen das Volksfest auf den Parkplätzen am Remydamm gestimmt haben. Sie setzten sich am Dienstag (24. April) gegen fünf Ja-Stimmen durch.

Bei der Abstimmung sagten sie, dass sie damit die Anwohner schützen wollen, für die ein Fest dieser Lautstärke und Dauer „Körperverletzung“ sei. Bürger hatten zuvor 90 Unterschriften gesammelt, mit denen sie sich für den Schutz der Anwohner einsetzten.

Es ist verständlich, dass es den Anwohnern lieber wäre, wenn das Fest woanders stattfindet. Ebenso nachvollziehbar ist, dass die Lokalpolitiker im Sinne der Bewohner ihres Bezirks stimmen. Aber sie haben dabei das große Ganze – ein Fest für 200.000 Menschen – aus den Augen verloren. Gute Politik lebt von Weitblick und Abwägung.

Die Abwägung hätte in diesem Fall anders ausgehen müssen. Es gibt deutschlandweit viele Feste, die mehrere Wochen dauern. Zum Beispiel das Oktoberfest in München und der Wasen in Stuttgart, die noch viel größer als das Festi Ramazan sind. Auch neben der Theresienwiese und dem Cannstatter Festplatz wohnen Menschen. Natürlich macht ein riesen Festival Lärm. Aber wozu gibt es Ohropax?

Letztendlich versammeln die zwölf Lokalpolitiker auf ihrer Seite nicht nur die 90 Unterzeichner, sondern unabsichtlich eine viel größere Masse an konservativ oder rechtspopulistisch eingestellten Menschen, die kein Ramadanfest in Deutschland haben wollen. Ein Teil davon tut seine Freude über die vorläufige Absage lautstark in Kommentaren zu den Artikeln der Medien kund. Sie deklarieren die Entscheidung als Sieg gegen die Muslime in Dortmund.

Eine große Niederlage

Aber die Entscheidung ist kein Sieg, sondern eine große Niederlage. Die Verlierer sind nicht nur die Veranstalter und Händler, die bei einer so kurzfristigen Absage vor einer finanziellen Katastrophe stehen. Es sind ebenso nicht nur die Muslime, die auf dem Festi Ramazan ihr Fastenbrechen begehen.

Viele Dortmunder haben das Festi Ramazan in den ersten sechs Jahren zu schätzen gelernt. Wer einmal dort war, weiß, dass ein Besuch wie ein kurzer Abstecher in die Türkei ist. Ein Ein-Abend-Urlaub sozusagen. Die anatolische Welt nimmt alle Sinne ein, türkische Musik kommt aus den Lautsprechern und der Duft gebratener Fleisch-Spieße liegt in der Luft.

Sandra Schaftner mag die Atmosphäre auf dem Festi Ramazan. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Es ist ein eindeutiges Zeichen, dass sich nach der Absage der Bezirksvertretung selbst die Stadtspitze in die Angelegenheit einmischt und nach einer Lösung sucht. Oberbürgermeister Ullrich Sierau will seinem Handeln nach zu schließen, dass das Fest in Dortmund stattfindet.

Auch der bewährte Dortmunder Schausteller Patrick Arens unterstützt den Veranstalter des Festi Ramazan. Gemeinsam haben sie Konzepte für den Verkehr und die Sicherheit ausgearbeitet. Sie verfügen mittlerweile über Erfahrung und haben die Anfangsschwierigkeiten aus den ersten beiden Jahren überwunden. Doch leider prägen die Verkehrsprobleme und die Überforderung aus der Anfangszeit bei einigen Menschen immer noch das Bild vom Festi Ramazan.

Die letzten Male hat es laut dem Veranstalter keine größeren Probleme gegeben. Auf dem Gelände selbst kam es zu keinen Ausschreitungen – auch nicht selbstverständlich bei einer Großveranstaltung. Das Festi Ramazan ist ein friedliches Fest, auf dem sich Familien, beste Freundinnen und Rentner wohlfühlen. Eine echte Bereicherung für die Stadt – und das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

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