Montag, 16. Juli 2018

Unser Artikel über die Angriffe auf Verkehrskontrolleure des Ordnungsamts hat die Gemüter erhitzt. Statt Politessen zu bedrohen, sollten sich die Falschparker aber lieber die eigenen Fehler eingestehen. Alles andere ist schwach, findet Dortmund24-Redakteur Florian Forth.

Aggressionen, ob verbal oder gar körperlich, gegen Mitarbeiterinnen des Ordnungsamts legen nur die Unfähigkeit der Falschparker offen, sich ihren Fehler einzugestehen. Wer es nicht schafft, seinen Wagen in einer Großstadt ordnungsgemäß abzustellen, ohne Radfahrer und Fußgänger zu behindern, der hat nichts anderes als ein Knöllchen verdient. Wer dann schon bei einer geringen Geldbuße handgreiflich wird, macht sich vollends lächerlich.

Falschparker: immer im Recht


Stark wäre es hingegen, sich den eigenen Fehler einzugestehen. Das Ticket zu bezahlen. Und die Mitarbeiterin des Ordnungsamts ihren Job machen zu lassen. Dass nicht alle von ihnen in jeder Situation vor Freude strahlen, liegt in der Natur der Sache. Sie sollen kontrollieren, hinweisen, korrigieren. Das geht kaum, ohne Autorität auszustrahlen und mitunter deutlich zu werden. Dass sie etwa im Kreuzviertel seit Jahren ein Auge zudrücken, darf dabei nicht vergessen werden. Hartnäckig hält sich, auch in den Kommentaren zu unserem Artikel, der Vorwurf der Abzocke.

Ein Parkschild für Bewohner. Foto: dpa

Das würde bedeuten, dass man selbst gar nicht wirklich Schuld ist, sondern die Stadt einem etwas zu Unrecht wegnimmt. Doch das ist nicht der Fall. Denn wenn wir mal ehrlich sind: Ein bisschen schwingt beim Falschparken doch immer auch das Wissen mit, etwas Verbotenes zu tun. Kommt man damit davon, ist die Freude groß. Wird man erwischt, ruft man schnell „Abzocke!“ – und ist ebenfalls aus dem Schneider. Das ist zu einfach.

Geld für die Stadtkasse?

Selbstverständlich landet durch die Kontrollen Geld in der Stadtkasse. 2015 wurden 67.503 sogenannte gebührenpflichtige Verfahren im ruhenden Verkehr, also Knöllchen oder ähnliches, gezählt. Mittlerweile rechnet die Stadt in ihrem Haushaltsansatz von 2017 mit rund 50.000 Verstößen. Die Einnahmen decken die Ausgaben aber nur zu rund 60 Prozent. Die Stadt müsste die Kosten fürs Falschparken demnach also noch erhöhen, damit sich das Kontrollieren überhaupt lohnt. Kaum auszudenken, was sich die Politessen dann anhören dürften.

Florian Forth ist der Meinung, dass das Spiel nur einen Tag nach der Explosion am BVB-Mannschaftsbus niemals hätte stattfinden dürfen. Foto: Murat Akin/Dortmund24
Florian Forth Foto: Murat Akin/Dortmund24

Dabei liegen die Bußgelder für Parken auf dem Gehweg in Deutschland mit 25 Euro weit unter dem EU-Durchschnitt. In Österreich etwa zahlt man locker das Doppelte, in Schweden fast das Sechsfache. Kein Wunder, dass es hier als Kavaliersdelikt durchgeht, aus Bequemlichkeit kreuz und quer zu parken. Zur Realität gehört in Dortmund aber auch, dass die Stadt den Parkdruck auf Anwohner, vor allem aber auf Auswärtige in den innenstadtnahen Viertel erhöht, damit sie andere Verkehrsmittel nutzen.

Steinzeitliches Gehabe

Was aber das Schlimmste ist: Es seien ausschießlich Männer, die Kontrolleurinnen des Ordnungsamts verbal und immer öfter auch körperlich angehen. Das sagte Beate Siekmann, Leiterin des Ordnungsamts Dortmund. Es ist davon auszugehen, dass diese Angriffe eher passieren, wenn ein Auto abgeschleppt werden soll. Denn dann wird es meist richtig teuer.

Doch generell spielen Männer hier offenbar ihre körperliche Überlegenheit aus, um den eigenen Fehler auszubügeln. Dass man das – wenn überhaupt – mit etwas Charme eher hinbekommen dürfte, als mit Drohgebärden, dürfte bekannt sein. Ein Sprichwort besagt zudem: „Grobheit ist die Kraftmeierei der Schwachen.“ Wer sich derartig steinzeitlich und impulsiv verhält, sollte darüber nachdenken, seinen Wagen besser ganz stehen zu lassen. Und die Kontrolleure? Sie können wohl froh sein, wenn sie dieser Art von Autofahrern gar nicht erst begegnen.

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