Montag, 16. Juli 2018

Stadt und Polizei wollen an Silvester mit mehr Präsenz als in den letzten Jahren für Sicherheit sorgen. Viele irritieren diese Maßnahmen. Feiern wir den Jahreswechsel oder ziehen wir in den Krieg? Dortmund24-Redakteur Daniele Giustolisi hat sich auch Gedanken darüber gemacht. Und findet: Das kann keine Dauerlösung sein. 

Mehr Polizei, mehr Böllerverbotszonen, mehr Aufmerksamkeit: Willkommen zur Silvesternacht 2017/2018 in Dortmund. Wenn man die Ankündigung der Polizei und der Stadt liest, wie sie sich auf den Jahreswechsel vorbereiten, könnte man meinen, Dortmund zieht in den Krieg. Wollen wir so künftig Silvester feiern? Ich möchte das nicht.


Zunächst einmal folgende Bemerkung: Die Polizei hat an Silvester schon immer gearbeitet und tut das nicht erst seit diesem Jahr. Wo Alkohol fließt – und das ist an Silvester ausreichend der Fall – kommt es zu Zwischenfällen. Das Ganze kombiniert mit waghalsigen Böllerspielchen – und schon können Situationen entstehen, die nicht mehr zu kontrollieren sind. Es sei denn, die Polizei greift ein. Dafür sollten wir dankbar sein! Und es ist wichtig, dass der Staat den Schutz der Bevölkerung so ernst nimmt. Es soll niemand glauben, im Schutze von Dunkelheit und Böllerknall die Sau raus lassen zu können.

Die Polizei setzt in diesem Jahr auf noch mehr Präsenz, als an Silvester 2016/2017. Foto: René Werner/Videonews24.de

Sicher: Spätestens seit der Silvesternacht 2015/2016 in Köln ist man in ganz Deutschland alarmiert. Bilder von grabschenden Männerhorden will man nie wieder sehen. Kölns Image leidet noch heute unter jener schicksalsträchtigen Nacht, die den Diskurs über Zuwanderer in Deutschland veränderte. Denn, so bitter diese Wahrheit ist, es sollen zum großen Teil zugewanderte Nordafrikaner gewesen sein, die an Silvester in Köln für Schlagzeilen sorgten – und damit den Ruf ganzer Bevölkerungsgruppen zerstörten.

Dortmund an Silvester im Ausnahmezustand

Kündigen Polizei und Stadt jetzt also an, an Silvester ihre Einsatzkräfte zu verstärken, ist das auch auf die Silvesternacht von Köln zurückzuführen. NRW-Innenminister Herbert Reul ordnete landesweit per Erlass an, dass Beamte des höheren Dienstes überall in Rufbereitschaft sind. Alle 18 Hundertschaften der Bereitschaftspolizei des Landes sind zudem am 31. Dezember 2017 im Dienst. Man könnte meinen, das Land sei im Ausnahmezustand.

Will sich nicht an die enorme Polizeipräsenz an Silvester und anderen Großveranstaltungen gewöhnen: Dortmund24-Redakteur Daniele Giustolisi. Foto: Murat Akin/Dortmund24

Doch in der Debatte um die enorme Polizeipräsenz geht es nicht nur um Silvester und grabschende Männerhorden. Es geht um die Gesellschaft im Allgemeinen. Wenn der BVB gegen Schalke spielt, wenn in Hamburg gegen G20 protestiert wird, wenn in Dortmund Weihnachtsmarkt ist – überall wo viele Menschen aufeinandertreffen, steigt die Gefahr, dass es kracht. Und damit die Einsatzzeiten der Polizei. Das frisst Geld und kostet nerven, – denn mehr Einsätze sind nur mit mehr Personal zu schaffen. Gerade die Bundespolizei in NRW kann da ein Lied von singen. Weil wir in den kommenden Jahren wohl leider mit diesen Zuständen bei Großveranstaltungen leben müssen, ist den Einsatzkräften zu wünschen, dass sie schnell Unterstützung bekommen.

Noch wünschenswerter wäre es allerdings, dass das alles gar nicht nötig ist. Diese enorme Polizeipräsenz an Silvester darf niemals eine Dauerlösung sein. Dazu müsste es in der Gesellschaft aber eines geben: Mehr Respekt im Umgang miteinander.

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