Sonntag, 19. November 2017

Dieser Artikel entspricht der Meinung des Autors und spiegelt nicht unbedingt die Meinung der gesamten Redaktion wider.

“Systematische Verstümmelung”, “Verstoß gegen das Tierschutzgesetz”, “tierquälerische Praxis” – die Vorwürfe der Tierschutzorganisation Peta gegen den Zoo Dortmund und 19 weitere Zoos in ganz Deutschland sorgten in dieser Woche für Aufsehen. Die Zoos fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Doch Peta jetzt ganz arrogant als militante Spinner ab zu tun, wäre auch falsch.

Wenn es um die Haltung von Tieren in Zoos geht, erhitzen sich regelmäßig die Gemüter. Auf der einen Seite die scheinbar fundamentalen Tierschützer, die die Haltungsbedingungen von Tieren kritisieren, auf der anderen Seite die Zoo-Verbände, die gebetsmühlenartig das Argument bringen, Zoos seien wichtig, um den Artenschutz sowie den Bildungs- und Forschungsauftrag der Zoos zu erfüllen.

Peta, Zoo Dortmund, Flamingos
Im Fokus der Diskussion: Die Dortmunder Flamingos. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

So aggressiv und penetrant Peta mit seinen manchmal umstrittenen Aktionen vorgeht, so engstirnig ist die Arroganz, die deren Gegner an den Tag legen. Wer Peta als Schreihälse und militante Fundamentalisten bezeichnet, verkennt den Effekt, den die Tierschutzorganisation oftmals hat.

Peta weckt Bewusstsein für den Tierschutz

Durch ihre Aktionen, seien sie auch mal aufgrund ihrer Polemik umstritten, weckt Peta ein Bewusstsein für den Tierschutz in Deutschland. Und das ist gut. Denn zuweilen bekommt man das Gefühl, dass in Deutschland eher der Geschmack des panierten Schnitzels wichtiger ist, als die Art, wie das Schwein vorher gelebt hat. Und dass Tiere von Natur aus nicht in den Zoo gehören, müssen unsere Kinder auch erst lernen.

Redakteur Daniele Giustolisi verteufelt nicht grundsätzlich das Bestreben von Peta. Foto: Murat Akin/Dortmund24

Dass Peta im Zusammenhang mit der sogenannten “Flugunfähigmachung” der Dortmunder Flamingos von Verstümmelung redet, ist natürlich ein Mittel, um möglichst große Aufmerksamkeit zu erzeugen. Denn ohne Aufmerksamkeit, dass muss so gesagt sein, ist Peta tot. Über die Art und Weise, wie radikal Forderungen geäußert werden müssen, lässt sich streiten.

Es ist aber trotzdem gut, dass es eine solche Organisation gibt. Denn die Tierschützer schauen den Tierhaltern in Deutschland auf die Finger. Das muss sich auch der Zoo in Dortmund gefallen lassen – Bildungsauftrag hin oder her.

Auch – aber nicht nur – aufgrund dieses Drucks durch Peta gibt es die Methode der “Flugunfähigmachung” der Flamingos am Dortmunder Zoo nicht mehr. Stattdessen baut man am großen Teich im Eingangsbereich eine große Voliere. Ob die dann flugfähigen Vögel darin Spaß am Fliegen haben, ist die andere Frage. Eine Debatte über die Art und Weise, wie wir mit unseren Tieren umgehen, muss es aber immer geben.

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