Donnerstag, 14. Dezember 2017

Eine Woche ist das Derby zwischen dem BVB und dem FC Schalke jetzt Vergangenheit, doch die politischen Forderungen der Dortmunder Polizei hallen immer noch nach. Stichwort: gewaltbereite Fans. Lebenslange Sperren für “diese Chaoten” forderte Polizeipräsident Gregor Lange in dieser Woche. Zu Recht, findet Dortmund24-Redakteur Daniele Giustolisi.

Quarzhandschuhe sind am Handrücken und im Bereich der Knöchel mit Sand gefüllt. Das soll Messerangriffe besser abwehren. Und es soll die Wucht des eigenen Schlags erhöhen – wie bei einem Schlagring.

Fans des FC Schalke 04 hatten diese Art von Handschuhen auf ihrem Weg zum Stadion mit im Gepäck. Sie wollten ihren Kontrahenten – Anhängern des BVB – möglichst viel Schaden zufügen. Platzwunden, Knochenbrüche, Gehirnerschütterungen – man darf sich gar nicht vorstellen, was ein Schlag mit einem solchen Handschuh bewirken kann. Übrigens: Die Schalke-Fans hatten nicht nur Quarzhandschuhe dabei, sondern Eisenstangen und Messer, zudem Sturmhauben, um nicht erkannt zu werden. Auch BVB-Anhänger wurden mit solchen Utensilien bereits von der Polizei erwischt.

Redakteur Daniele Giustolisi hält die Entwicklung bei Derbys für einen Wahnsinn. Foto: Murat Akin/Dortmund24

Ich frage mich: Wie geisteskrank ist diese Fußballwelt eigentlich? Fans die mit “Kriegsbewaffnung” ins Stadion gehen, Massen an Polizisten, die gewaltbereite Fangruppen getrennt voneinander zum Stadion führen. Das ist für mich kein Fußball mehr, das ist keine Rivalität, sondern der blanke Wahnsinn.

Die Dortmunder Polizei ist es leid, alle zwei Wochenenden Fans zu zähmen, die am Wochenende den Frust der Arbeitswoche abbauen wollen. Das kann man verstehen.

Sollen diese Leute doch private Fight Clubs gründen – gerne mit angeschlossener privater Krankenstation, damit diese sie mit ihren Verletzungen nicht unsere Krankenkassen belasten.

Diesen Menschen geht es nicht um den Fußball, sondern um das Vor- und Nachspiel.

Personalisierte Tickets, wie sie die Polizei fordert, sind zwar ein erster Schritt, Problemfans vom Stadion fernzuhalten. Aber das funktioniert nur, solange die Aggressoren auch polizeibekannt sind. Blöd nur, wenn immer neue frustrierte und Kick-suchende Bengel heranwachsen, die Lust auf Kloppe haben. Und davon mal abgesehen: Es kommen auch noch genug Fans ohne Tickets zum Auswärtsspiel. Diesen Menschen geht es nicht um den Fußball, sondern um das Vor- und Nachspiel.

Der DFB bewegt sich seit ein paar Monaten aktiv auf die Fangruppen der Bundesliga zu. Die verpönten Kollektivstrafen, wie sie der BVB in Form der Sperrung der Süd spürte, sollen in der Form nicht mehr vorkommen. Unschuldige Fans, und das sind 98 Prozent aller Anhänger, sollen nicht leiden, weil ein Haufen Hooligans was auf die Fresse braucht.

Schalke-Fans Kreuzviertel Polizei
So hinterließen Anhänger des FC Schalke 04 eine Straße im Kreuzviertel. Ist das noch normal? Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Und das Problem mit der Pyrotechnik ist nur so lange eines, wie es nicht erlaubt wird – allerdings in extra dafür vorgesehenen Bereichen im Stadion.

Und was wird aus den Polizisten, die mit Steuergeldern bezahlt werden, um das Umfeld von Stadien in Hochsicherheitstrakte zu verwandelnd? Die populistische Forderung lautet: Lasst die Vereine für die Kosten aufkommen. Dann wäre zumindest der Steuerzahler raus. Aber löst es das Problem? Immerhin ist es Hooligans egal, von wem die Polizei bezahlt wird. Die Kriegsmärsche werden weitergehen. Ob Vereine oder der Steuerzahler dafür blecht.

Lebenslange Stadionverbote

Viel wichtiger wären schärfere Sanktionen, wie sie Polizeipräsident Gregor Lange richtigerweise fordert. Lebenslängliche Stadionverbote wären in besonders schlimmen Fällen eine Maßnahme. Bislang gelten Stadionverbote befristet. Maximal sind 60 Monate möglich.

Abgesehen von jeder strafrechtlichen Härte: Wäre es nicht auch mal an der Zeit, dass die Gesellschaft ein Zeichen setzt? Und was ist mit den Spielern? Wie stark wäre ein Zeichen des FC Schalke und des BVB vor dem Derby gewesen, in der gewaltbereite Anhänger verurteilt werden. Wenn Schmelzer, Sahin und Co sagen “Ihr seid nicht unsere Fans”, wäre das ein starkes Zeichen. Da sollten Spieler und Vereine keine Angst haben, den Stimmungsmachern vor den Kopf zu stoßen. Denn diese Stimmungsmacher braucht der Fußball nicht.

Kommentare

Anzeige