Mittwoch, 24. Januar 2018

Die Arbeitslosigkeit ist eines der wichtigsten Themen in Dortmund. Seit Monaten sinkt die Quote der Menschen ohne Arbeit. Die Ansiedlung von Amazon auf der Westfalenhütte hat auch ihren Anteil daran – auch wenn das viele Kritiker des US-Unternehmens nicht wahrhaben wollen. Dortmund24-Redakteur Daniele Giustolisi erklärt, warum er seine anfängliche Skepsis gegenüber dem US-Riesen ein wenig verloren hat.

Im Schnitt 11,1 Prozent der Menschen waren 2017 in Dortmund arbeitslos. Im Dezember sank die Zahl der Menschen ohne Arbeit sogar auf den tiefsten Wert des gesamten Jahres 2017. Das ist erfreulich, auch wenn die Zahl der Arbeitslosen immer noch hoch ist. Zusammen mit den Menschen, die in Qualifizierungsmaßnahmen stecken, hatten im Dezember 2017 rund 47.000 Menschen in Dortmund keine Arbeit. Das sind knackige 14 Prozent!

Dass die Zahl der Arbeitslosen in Dortmund im Jahresverlauf kontinuierlich gesunken ist, ist auch der Entwicklung auf dem Gelände der ehemaligen Westfalenhütte zu verdanken. Zwischen Borsigplatz und Rüschebrinkstraße entsteht derzeit Großes. Und ja, auch das (oftmals in den Sozialen Netzwerken) verteufelte Amazon-Logistikzentrum hat am Arbeitsmarktaufschwung in Dortmund seinen Anteil.

Glück, dass Amazon kam

Um die 2000 Menschen stellte der US-Riese seit seiner Eröffnung Mitte Oktober 2017 ein. Eine Wahnsinnszahl! Dortmund kann von Glück sprechen, dass sich das Unternehmen in unserer Stadt angesiedelt hat. Denn auch wenn Amazon nicht immer den besten Ruf hat (Stichwort “Steuern”, Stichwort “Tarife”), so hat es zumindest eine positive Auswirkung auf den Dortmunder Arbeitsmarkt. Das Unternehmen ist nicht nur böse, wie viele behaupten.

Redakteur Daniele Giustolisi. Foto: Murat Akin/Dortmund24

1800 Menschen arbeiten aktuell bei Amazon in Vollzeit. Jetzt kann man sagen, dass das keine gut bezahlten Jobs sind. Das ist mit Blick auf die reinen Zahlen richtig. Denn anfangs erhält ein einfacher Arbeiter nur 1900 Euro brutto. Und am Band stehen und Waren in Kisten sortieren, das scheint auf den ersten Blick ein Job zu sein, den man nicht ein Leben lang macht.

“Arbeit stärkt Menschen”

Aber abgesehen davon, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man 40 Jahre lang im selben Betrieb arbeitet: Sollte man als ungelernte Arbeitskraft vor Glück nicht gerade platzen, wenn man durch Amazon einen Fuß ins Arbeitsleben bekommt? “Wenn die Menschen Arbeit haben, sind sie dadurch gestärkt”, sagte Arbeitsagentur-Chefin Martina Würker kürzlich bei einer Bilanzpressekonferenz – und hat damit Recht. Die eingestellten Menschen bekommen wieder das Gefühl, gebraucht zu werden. Und sollten sie eines Tages keine Lust mehr auf Amazon haben, oder andersherum, können sie zumindest für weitere Bewerbungen vorweisen, Arbeitserfahrung gesammelt zu haben.

Und es ist nicht nur Amazon, das in Dortmund für Aufschwung sorgt. Es sind auch die Logistikzentren von zum Beispiel Decathlon oder DB-Schenker. Die häufig verteufelte Logistik, sie schafft Arbeit in Dortmund, auch für die nicht Ausgebildeten unter uns. Denn nicht zuletzt fehlt es gerade an Arbeitsplätzen für sie. Mehr als 22 Prozent aller Arbeitslosen in Dortmund haben keinen Schulabschluss, 58 Prozent der Arbeitslosen in unserer Stadt haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Um sie aus der Perspektivlosigkeit zu holen, leisten die neuen Unternehmen in Dortmund gute Arbeit. Die Logistikbranche sollte nicht immer der Buh-Mann sein.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es so viele Menschen ohne Ausbildung in einem Land wie Deutschland, in einer Stadt wie Dortmund nie geben dürfte. Womit wir in der deutschen Bildungspolitik wären. Ein Thema, mit dem sich gerade die Agentur für Arbeit und das Jobcenter in Dortmund herumplagen müssen. Denn eines muss auch gesagt sein: Die meisten einfachen Helferjobs könnten eines Tages durch Roboter ersetzt werden. Was machen dann die ungelernten Arbeitskräfte?

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