Dienstag, 22. Mai 2018

In Dortmund gibt es jährlich Tausende akute Herzkreislaufstillstände. Der Weg vom Unfallort zum Krankenhaus endet für viele Verletzte tödlich. Aus diesem Grund nehmen der Dortmunder Rettungsdienst und die Fachabteilungen für Kardiologie an einer Reanimationsstudie teil. Dabei testen sie ein neues Hilfsmittel.

Ab dem ersten April 2018 beginnt die Studie. Hierzu werden alle  Notarztfahrzeuge und Sonderrettungsmittel des Dortmunder Rettungsdienstes und die drei kardiologischen Fachabteilungen mit der mechanischen Reanimationshilfe ausgestattet.


Der Dortmunder Rettungsdienst testet diese mechanische Reanimationshilfe. Foto: Kevin Mattes/Dortmund24

Weitere Teilnehmer der Studie sind Aachen, Gütersloh und Kiel. Zuvor wurde das Gerät drei Monate lang getestet. Bis zum Einsatzbeginn werden die Einsatzkräfte in mehreren Lehrgängen geschult, damit die Maschine im Ernstfall ohne Probleme zum Einsatz kommt.

Der Herzkreislaufstillstand ist die häufigste Todesursache in Deutschland. Er tritt ein, wenn alle lebenswichtigen Organe mit Blut unterversorgt sind, einschließlich des Herzens. Die Blutmenge, die das Herz pro Minute durch den Körper pumpt, ist deutlich herabgesetzt bzw. die Blutzirkulation ist zum Stillstand gekommen. „Ein Herzkreislaufstillstand hat meist kardiologische Hintergründe“, sagt Prof. Möllmann, Chefartzt der Kardiologie im Johannes-Hospital. Deshalb sei man „sehr froh“ über die zusammenarbeit.

Laienreanimation bleibt entscheidend

Die sogenannte „Laienreanimation“ bleibt aber der wichtigste Faktor bei einem Herzkreislaufstillstand. Es sind die nunmal die ersten Maßnahmen, die von Beobachtern oder Angehörigen beim Herzkreislaufstillstand ergriffen werden, die einem Menschen das Leben retten. Ein frühes eingreifen ist ganz wichtig: „Wenn nach einem Herzkreislaufstillstand nicht innerhalb von fünf Minuten einfache Maßnahmen – vor allem die Herzdruckmassage – durchgeführt werden, dann ist ein Überleben unwahrscheinlich“, mahnt Prof. Heitzer vom Klinikum Dortmund. Die Quote der erfolgreichen Laienreanimationen in Deutschland ist mit circa 30 Prozent deutlich schlechter als beispielsweise in Skandinavien (70 Prozent).

Wie hilft die mechanische Neuerung?

Doch ohne eine erste erste Hilfe durch Anwesende hilft meist auch das Gerät nicht, sagt Dr. Küpper, Leiter des Cardiac Arrest Center Westfalen. Denn: Bis die Reanimationshilfe vor Ort ist, müssen Menschen die Herzdruckmassage übernehmen.

Verläuft die Studie positiv, könnte das Gerät bundesweit zum Einsatz kommen. Mechanische Reanimationshilfe

Das Gerät soll dann die Arbeit der Notartztkräfte erleichtern: „Gerade beim Transport aus der Wohnung in den Rettungswagen ist es schwierig, eine Herzdruckmassage durchzuführen und gleichzeitig einen sicheren Transport zu gewährleisten.“ Auch die Sicherheit für das Personal wird größer. Die Rettungskräfte können während der Fahrt sitzen bleiben und die mechanische Reanimationshilfe arbeiten lassen. Damit entgehen sie der Gefahr, bei einer starken Bremsung sich selbst oder den Patienten weiter zu verletzen.

Was bringt die Studie?

Ziel der Studie ist es, zu überprüfen, ob durch den Einsatz der mechanischen Reanimationshilfe die Überlebenschancen der Menschen steigen. Die Studienteilnehmer erwarten durch die mechanische Unterstützung eine deutliche Verbesserung der Überlebenschance während des Transports zur Fachklinik. „Wir wollen 10.000 Menschenleben mehr retten“, sagt Dr. Lemke, ärztlicher Leiter des Dortmunder Rettungsdienstes. Am Ende der Studie werden die Ergebnisse vom Deutschen Reanimationsregister in Kiel ausgewertet und veröffentlicht. Der Erhebungszeitraum erstreckt sich auf drei Jahre. Läuft’s gut, könnte die Reanimationshilfe demnächst in ganz Deutschland eingesetzt werden.

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