Donnerstag, 14. Dezember 2017

Jeder sechste Dortmunder und jede zehnte Dortmunderin können ihre Schulden nicht bezahlen. Das geht aus dem Schuldner-Atlas von Creditreform hervor. Damit bleibt die Zahl der Schuldner in Dortmund auf hohem Niveau.

Die Zahl der Deutschen, die Schulden haben, ist insgesamt zum vierten Mal in Folge leicht gestiegen. In Dortmund liegt die Quote mit 14,4 Prozent zwar deutlich über dem deutschen Durchschnitt (10 Prozent), ist in diesem Jahr aber leicht gesunken. Dennoch belegt Dortmund im Vergleich der Deutschen Großstädte mit mehr 400.000 Einwohnern weiterhin den vorletzten Platz. Von den Dortmundern sind somit 71.035 Personen verschuldet.

 

Nur Duisburg ist mit einer Überschuldungsquote von 17 Prozent noch schlechter. Am besten schneidet die Kleinstadt Eichstätt in Oberbayern ab. Hier liegt die Überschuldungsquote bei nur 3,77 Prozent. Auch insgesamt belegt Bayern den ersten Platz. NRW landet unter den 16 Bundesländern auf Platz 13.

Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Sucht

Die Unternehmen schätzen ihre wirtschaftliche Lage als sehr gut ein. Auch das Konsumklima ist weiter gut: die Deutschen kaufen gerne ein. Dennoch haben derzeit fast sieben Millionen Menschen finanzielle Probleme – rund 60.000 mehr als im Vorjahr. Im Schnitt stehen sie mit 30.200 Euro bei ihren Gläubigern in der Kreide. Besonders angestiegen ist die Zahl der überschuldeten Menschen über 70.

 

“Überschuldung liegt dann vor, wenn der Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen”, schreiben die Autoren des Schuldner-Atlas 2017. Sprich: Die Ausgaben einer Person sind höher als die Einnahmen – und das über einen langen Zeitraum.

 

Wie kommt es, dass auch in Dortmund Menschen ihre Rechnungen nicht mehr begleichen können? Die Antwort auf diese Frage kennt Wolfgang Scharf, Geschäftsführer von Creditreform Dortmund und Witten. Insbesondere Arbeitslosigkeit, aber auch Erkrankungen, Sucht oder Unfälle führen demnach zur Verschuldung. Jungen Menschen mangele es zudem häufig an der “nötigen Finanzkompetenz”, sagt Scharf. Zudem arbeiten viele Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen: “Die Einkünfte daraus sind sehr gering und sorgen schon im normalen Alltag häufig für Probleme.” Kommen dann Schulden hinzu, würde es eng. Oftmals folge dann eine Überschuldung.

Dortmunder Norden besonders betroffen

“Der Dortmunder Schuldner ist männlich, zwischen 30 und 50 Jahre alt und wohnt im Norden” – so fasst Scharf die Ergebnisse zusammen. Damit zeige sich hier eine Kluft zwischen Arm und Reich innerhalb der Stadtgrenzen (siehe Karte). In den südlichen Stadtteilen ist die Verschuldung meist gering. Einzig Hörde liegt im roten Bereich, entwickelt sich aber gut. Hier sank der Wert im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozent auf jetzt 18,8 Punkte.

Arm und reich: Dortmund hat bei der Verschuldung ein klares Nord-Süd-Gefälle. Grafik: Creditreform (mapChart, Microm, TomTom)

Im Norden sind die Werte hingegen durchgehend überdurchschnittlich schlecht. Eine besonders hohe Schuldnerquote haben Lindenhorst, Deusen und die Nördliche Innenstadt. Hier liegen die Werte zwischen 25,7 und 28,3 – rund viermal so hoch wie im Süden.

Dabei ist die Überschuldung längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Während die Zahl der Fälle in den unteren und oberen Gesellschaftsschichten jeweils leicht abnimmt, haben sich seit 2016 bundesweit rund 69.000 Menschen aus der Mittelschicht verschuldet.

Keine Besserung in Sicht

Viel besser wird es kurzfristig wohl nicht: “Für die nahe Zukunft ist trotz weiterhin sehr positiver konjunktureller Rahmenbedingungen nicht mit einer nachhaltigen Entspannung der privaten Überschuldungslage in Deutschland zu rechnen”, schreiben die Autoren des Schuldner-Atlas. Sie gehen davon aus, dass die Überschuldungszahlen, nicht nur in den nächsten Monaten, weiter ansteigen werden.

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