Sonntag, 19. November 2017

Das “neue” Viertel hat zwar noch keinen Namen, aber schon zwei Quartiersmanagerinnen, die sich um den Imagewandel kümmern sollen: Yvonne Johannsen von den Urbanisten und Silvia Beckmann von der Stadtteilgenossenschaft InWest. Sie wollen das Problemviertel in der Innenstadt-West zwischen Dorstfelder Brücke und Unterdorstfeld voranbringen.

Das Viertel, das einen Imagewandel bekommen soll, liegt in der westlichen Innenstadt zwischen der Dorstfelder Brücke und Unterdorstfeld. Die Rheinische Straße führt durch das Viertel. Außerdem gehört das ehemalige Gelände von Hoesch-Spundwand, auf dem über 100 Jahre lang Spundwände gefertigt wurden, dazu. Seit 2015 steht die Produktion still. Auf dem Gelände soll unter anderem ein zukunftsorientiertes und urbanes Wohnquartier entstehen.

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Hier liegt das “neue” Viertel. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Noch ähnelt das Viertel der Nordstadt

Der Flair des neuen Quartiers auf dem ehemaligen Hoesch-Spundwand-Gelände könnte laut Bezirksbürgermeister der Innenstadt-West, Friedrich Fuß, auf den ganzen Bereich bis zur Dorstfelder Brücke ausstrahlen, also auf das ganze “neue” Viertel. Ähnlich sei das rund um den Phoenix-See passiert. “Zurzeit zählt das Viertel noch zu einem von 13 problematischen Sozialräumen in Dortmund”, sagt Fuß. “Die meisten davon liegen in der Nordstadt, aber ein Problemviertel eben auch hier in der Innenstadt-West.” Es sei vergleichbar mit der Nordstadt.

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In mancher Hinsicht ähnelt das neue Viertel der Nordstadt. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Silvia Beckmann, eine der beiden neuen Quartiersmanagerinnen, beschreibt das Viertel als sozial schwach. Es gebe viele Geringverdiener und viele Menschen mit geringem Bildungsabschluss. Als Quartiersmanagerin ist sie Ansprechpartnerin sowohl für die Bewohner im Viertel als auch für die Eigentümer. Diesbezüglich sei die Aufgabe auch schwieriger als in anderen Vierteln, weil die Immobilien selten großen Wohnungsunternehmen, sondern mehr Einzeleigentümern gehören würden.

Die zweite Quartiersmanagerin Yvonne Johannsen beschreibt das Viertel als “Durchfahr-Stadtteil”. Viele würden das Viertel auf der Rheinischen Straße zwischen östlichem Unionviertel und Dorstfeld passieren.

Irgendetwas zwischen Unionviertel und Dorstfeld

In Zukunft sollen die Dortmunder den Stadtteil aber als Viertel mit eigener Identität wahrnehmen. Laut Johannsen fühlen sich die Bewohner des Viertels nicht als Teil des östlichen Unionviertels, das durch Dortmunder U, FZW und zahlreiche andere Einrichtungen bekannt ist. Zum früheren Quartiersmanagement “Unionviertel”, das 2016 endete, gehörte zwar offiziell ein Teil des neuen Viertels bis zur Emscherallee. Aber laut Beckmann wurde das Viertel gegenüber dem östlichen Unionviertel, das näher an der Innenstadt liegt, vernachlässigt.

Zum westlich angrenzenden Dorstfeld fühlen sich die Bewohner laut Johannsen jedoch auch nicht zugehörig. “Viele, die schon länger hier leben, identifizieren sich mit dem alten Stahlgelände der Werk Union”, meint Johannsen. Daran lehnen sich auch die ersten Ideen für einen Namen für das neue Viertel an. Ein Vorschlag sei “Neue Werk Union”, verrät Johannsen.

Stärken durch Vernetzen

Johannsen und Beckmann sind seit September 2017 die Quartiersmanagerinnen für das neue Viertel. Seitdem haben sie viele Gespräche mit Institutionen vor Ort geführt und ausgelotet, wo Entwicklungspotenzial vorhanden ist. Sie wollen die Einrichtungen im neuen Viertel vor allem dadurch stärken, dass sie sie untereinander vernetzen. Mögliche Partner dabei sind der Migrantenverein Dortmund, die Kindertagesstätte Bartoldus, das berufliche Trainingszentrum und das Café U-Jack. “Bisher arbeiten sie alle unabhängig vor sich hin”, sagt Beckmann.

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Einige Einrichtungen sind im neuen Viertel aktiv – jedoch arbeiten sie nicht zusammen. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Außerdem sind Johannsen und Beckmann die Ansprechpartner für die Bürger vor Ort. Ihr Büro liegt in der Werkhalle an der Rheinischen Straße 143. Von der Straße sind sie nur durch ein großes Schaufenster getrennt. Wer zum neuen Kreativen-Treffpunkt Werkhalle gelangen möchte, läuft durch ihr Büro durch.

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Hinter dieser Scheibe befindet sich das Büro der Quartiersmanagerinnen.
Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Das sind die Quartiersmanagerinnen

Die beiden Quartiersmanagerinnen haben Raumplanung an der TU Dortmund studiert. Johannsen war danach als Quartiersmanagerin in anderen Städten tätig und ist seit Jahren bei den Urbanisten, die ihren Vereinssitz ebenso an der Rheinischen Straße haben. Beckmann ist im Vorstand der Stadtteilgenossenschaft InWest für das Immobilienmanagement zuständig.

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Yvonne Johannsen (links) und Silvia Beckmann haben schon viele Pläne für das Viertel. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Sie sind keine direkten Nachfolgerinnen des vorherigen Quartiersmanagements Unionviertel, das sich hauptsächlich um das östliche Unionviertel gekümmert hat und von der Stadt Dortmund gefördert wurde. Nach acht Jahren ist die Förderung jedoch ausgelaufen. Das neue Quartiersmanagement ist jetzt das erste, das nicht von der Stadt, sondern von der Bezirksverwaltung Innenstadt-West finanziert wird.

Für das erste Jahr von September 2017 bis September 2018 stellt die Bezirksverwaltung 35.000 Euro zur Verfügung. Laut Johannsen ist das Geld jedoch nur für das Personal und das Büro. Projektmittel müssen die Quartiersmanagerinnen selbst beschaffen. Beckmann und Johannsen sind jeden Dienstag und Donnerstag im Büro. Das Projekt ist zuerst auf ein Jahr befristet, soll aber laut Fuß auf drei Jahre verlängert werden. Dann sind Kommunalwahlen, und die neue Bezirksvertretung muss über eine Weiterführung des Quartiersmanagements entscheiden.

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