Sonntag, 19. November 2017

Deutschland, so heißt es, ist das Land der Dichter und Denker – und der herausragenden Ingenieurskunst. Ist das noch so? China oder Indien schließen immer weiter zu Deutschland auf,  zudem herrscht in manchen Branchen Fachkräftemangel in unseren Landen. Das Heisenberg-Gymnasium in Dortmunds Stadtbezirk Eving macht aber Hoffnung. Es gehört seit neuestem zu den 29 besten Schulen in ganz Deutschland, was die Naturwissenschaften betrifft.

Mathe, Informatik, Biologie, Chemie, Physik, Technik – was für viele Schüler nach Folter klingt, ist für Deutschland und seine Wirtschaft von großer Bedeutung. Die Industrie braucht gute Ingenieure, um sich technisch weiterzuentwickeln, weiterhin Vorreiter auf der Welt zu sein. Audi, Siemens, Bayer oder Bosch sind nicht umsonst weltweit führend.

Freuen sich über das Zertifikat “MINT-EC”: (v.l.) Ulrike Eisenberg (Schulleiterin des Heisenberg-Gymnasiums), Marcus Mundry (MINT-Koordinator), Daniela Schneckenburger (Schuldezernentin) und Katja Mohr (stellvertretende Schulleiterin des Heisenberg-Gymnasiums. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Das Heisenberg-Gymnasium leistet dazu seinen Beitrag. Oben genannte Fächer gehören zu den Förderschwerpunkten der Schule. Beispiel: der schuleigene Laborgarten. Seit zehn Jahren können Schüler hier ausprobieren, was sonst nur im Schulbuch theoretisch erklärt wird. Bis zu 500 Schüler aus anderen Schulen in ganz NRW kommen pro Jahr sogar ins Heisenberg-Gymnasium nach Eving, um hier Forschung hautnah zu erleben.

MINT-Fächer in der Oberstufe möglich

Es gibt außerdem Projekte, die außerhalb des Unterrichts stattfinden – AGs im naturwissenschaftlichen Bereich zum Beispiel. Das Gymnasium nimmt zudem regelmäßig an Wettbewerben wie “Jugend forscht” oder der “Chemieolympiade” teil. Und in der Oberstufe können die MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik gewählt werden.

So macht das Gymnasium Naturwissenschaften für die Schüler schmackhaft. Kommen also nur kleine Albert-Einsteins aufs Gymnasium, die auf Naturwissenschaften abfahren? “Nein”, sagt Lehrer Dr. Marcus Mundry, “es kann sein, dass man in der fünften Klasse als sprachenbegeistertes Kind auf die Schule kommt und später das Interesse an den Naturwissenschaften entwickelt.”

Ging durch den Bewerbungsmarathon für das EC-MINT-Zertifikat: Katja Mohr, stellvertretende Schulleiterin des Heisenberg-Gymnasiums. Rechts neben ihr: MINT-Koordinator Dr. Marcus Mudry. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Und so ist es am Heisenberg-Gymnasium so, dass in den Fächern Physik, Mathe oder Informatik gar nicht so eine Jungs-Dominanz herrscht, wie man annehmen könnte. Die Naturwissenschaften, das wird hier klar, werden langsam auch attraktiv für Mädchen. Das liege, so Mundry, auch daran, dass es am Heisenberg-Gymnasium viele weibliche Lehrer in dem Bereich gäbe. “Die dienen den Mädchen dann als Vorbild.”

Heisenberg-Gymnasium gehört zu den besten in Deutschland

Jetzt wurde das Gymnasium für sein Engagement mit dem sogenannten “MINT-EC-Zertifikat” ausgezeichnet. Die Abkürzung MINT steht für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Nur 28 weitere Schulen in ganz Deutschland können sich mit dieser Auszeichnung schmücken. Diese Schulen kooperieren miteinander, tauschen Lehrer untereinander, bieten sich gegenseitig Material und Labore an.

Am Heisenberg-Gymnasium etwa ist es möglich, DNA zu sequenzieren – sie zu entschlüsseln. Eine Methode, die die Wissenschaft revolutionierte, aber so teuer ist, dass nicht jede Schule sich die Apparatur dafür leisten kann. Am Heisenberg-Gymnasium schon – auch dank Sponsoren.

In Dortmunds Verwaltung hat man die Auszeichnung für das Gymnasium mit Begeisterung vernommen. Schuldezernentin Daniela Schneckenburger zeigte sich bei ihrem Besuch in der Schule jedenfalls angetan. “Wir brauchen Menschen, die die Spitzenposition Deutschlands verteidigen. Das Kapital dafür sitzt auch hier in Dortmund – in den Köpfen.” In einem so rohstoffarmen Land wie Deutschland sei es wichtig, Kernkompetenzen wie die Naturwissenschaften zu setzen. “Das ist wichtig, damit unsere Enkelkinder eines Tages auch in einem Land mit Wohlstand sitzen.”

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