Donnerstag, 19. Juli 2018

Im September 2017 ist der Hannibal II in Dorstfeld wegen massiver Brandschutzmängel geräumt worden. Nun kündigte Eigentümer Intown an, das Gebäude sanieren zu wollen. Der Mieterverein Dortmund ist skeptisch. 

„Wir wollen das Gebäude schnellstmöglich wieder an den Start bringen. Die Stadt Dortmund hat uns eine zügige Bearbeitung des Bauantrags zugesichert“, sagte Sascha Hettrich, Geschäftsführer von Intown, gegenüber der dpa. Dem Bericht zufolge will Intown noch im Laufe des Sommers einen Bauantrag für eine Modernisierung des Gebäudes stellen. Auf ein genaues Sanierungskonzept ging man zunächst allerdings nicht ein. Lediglich ein wurde Zeitplan thematisiert. Intown rechnet mit einer Baugenehmigung bis Ende 2018 oder Anfang 2019. Dann müsste noch rund 12 Monate gebaut werden. Also wäre das Gebäude erst im Jahr 2020 wieder bewohnbar.


Der Hannibal-Wohnkomplex in Dorstfel. Foto: Florian Forth/Dortmund24
Der Hannibal-Wohnkomplex in Dorstfel. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Beim Mieterverein Dortmund weiß man nicht genau, was man von der Ankündigung von Intown, den Hannibal II sanieren zu wollen, halten soll. „Wir würden dieser Sanierungsankündigung gerne Glauben schenken, sind aber aufgrund unserer Erfahrungen erst einmal skeptisch“, sagt Dr. Tobias Scholz, Sprecher des Mieterverein Dortmund. „Die Glaubwürdigkeit von Intown hat doch arg gelitten in den vergangenen Monaten. Auch fehlen uns aktuell die Anhaltspunkte. Die entscheidenden Fragen bleiben offen.“ Bislang ist nicht bekannt, welche Maßnahmen am Gebäude und in den Wohnungen genau durchgeführt werden sollen.

Auch der von Hettrich gegenüber der dpa angekündigte Zeitplan wirft Fragen auf. In wenigen Monaten einen Bauantrag bei der Stadt zu stellen sei schon sehr kurzfristig, sagt Scholz: „Grundsätzlich kann ich natürlich immer einen Bauantrag einreichen, aber für eine schnelle Genehmigung brauche ich einen konkreten Plan. Da die Bauzeit mit 12 Monaten bereits abgeschätzt werden kann, müssen entsprechende Planungen ja bereits vorliegen.“

„Intown muss jetzt liefern“

Erst am vergangenen Dienstag habe man zuletzt mit Hettrich gesprochen, sagt Scholz. Von einer Sanierung war da keine Rede. Scholz: „Uns hat der Bericht von der dpa daher etwas überrascht. Uns liegt bislang keine Meldung von Intown vor.“ Für den Sprecher des Mietervereins liegt der Ball damit weiter klar beim Eigentümer: „Intown muss jetzt liefern. Sie müssen ihre Pläne konkretisieren und vor allem den Bewohnern ein Angebot machen, wie es in Zukunft weitergehen soll.“

Zum Hintergrund: Fast ein halbes Jahr ist es her, dass die Bewohner des Hannibal II in Dorstfeld ihre Wohnungen überhastet verlassen mussten. Die Stadtverwaltung hatte gravierende Brandschutzmängel festgestellt. Vermieter Intown sieht das allerdings anders und klagt gegen die Stadt. Die Leidtragenden sind damals wie heute die Bewohner.

Hals über Kopf mussten sie ihre Wohnungen verlassen und in Notunterkünften oder bei Bekannten unterkommen. Viele von ihnen haben bis heute keine neue Bleibe gefunden und noch immer viele persönliche Gegenstände im Hannibal.

Zugangsfrage für Mieter weiter ungeklärt

Die Stellungnahme von Intown gegenüber der dpa kann zudem den missverständlichen Eindruck erwecken, als würden die –  laut Intown noch bestehenden – 200 Mietverhältnisse ein Hindernis für die Sanierung darstellen. „Die Mietverträge bleiben weiterhin gültig. Instandsetzungs- oder gar Modernisierungsarbeiten sind mietrechtlich kein Kündigungsgrund auf Seiten des Vermieters“, sagt Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mietervereins Dortmund.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Mieter noch immer auf die Beantragung einer einstweiligen Verfügung beim Amtsgericht Dortmund angewiesen, um Zugang zu Ihrer Wohnung zu erhalten, stellt Scholz klar. Lediglich sechs Mieter haben bislang vor Gericht eine Verfügung erstritten.

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