Donnerstag, 19. Oktober 2017

Etwa 800 Menschen müssen ihre Wohnungen im Hannibal in Dortmund-Dorstfeld aus Brandschutzgründen verlassen. Laut Stadt Dortmund besteht Gefahr für Leib und Leben. Der Besitzer des Hauses sieht das anders: Der Geschäftsführer der Berliner Firma Intown, Sascha Hettrich teilte am Donnerstagabend mit, er halte die Räumung durch die Stadt Dortmund für unrechtmäßig. Andere Maßnahmen hätten es aus seiner Sicht auch getan.

Er halte die “Maßnahme der Räumung des Wohnkomplexes für nicht rechtens, für unangemessen und ermessensfehlerhaft”, schrieb Hettrich in einer am Donnerstagabend verschickten Pressemitteilung. Das Immobilienunternehmen habe am Donnerstag zum ersten Mal von den detaillierten Brandschutzbedenken der Behörden erfahren.

Die Stadt Dortmund lässt den Gebäudekomplex räumen, weil der Brandschutz durch nicht genehmigte Umbauten nicht mehr gewährleistet sei. Schächte führen nun aus der Tiefgarage des Hannibal direkt in die Wohnungen. Im Falle eines Feuer könnte sich der Rauch so ungehindert ausbreiten. Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag sagte der Leiter des städtischen Krisenstabs und Baudezernent Ludger Wilde, dadurch bestehe eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben der Mieter. Eine sofortige Räumung sei alternativlos.

Intown: Räumung nicht notwendig

Der Intown-Geschäftsführer sieht das anders. Die Firma habe bereits einen eigenen Gutachter hinzugezogen. Nach dessen Meinung hätte man auch nur die Tiefgarage räumen und dort geschulte Brandwachen aufstellen können. Auch in den Etagen und Aufzugsräumen hätte man Brandwachen positionieren und die Entrauchungsanlage prüfen können.

“Wir sind überrascht von der uns heute um 14.30 Uhr ausgehändigten, schriftlichen Darlegung der Argumentation und der Nichtbeachtung der von uns bereits ergriffenen Maßnahmen und der fehlenden Bereitschaft der Stadt Dortmund über den Sachverhalt mit uns detailliert zu sprechen”, heißt es in der Intown-Mitteilung weiter. Ziel des Unternehmens sei “die zügige Mängelbehebung und der Wiederbezug der Wohnungen durch die Mieter.”

Kritik vom Mieterverein Dortmund

Gar nicht gut auf das Immobilienunternehmen Intown zu sprechen ist Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mietervereins Dortmund. Schon seit Jahren gebe es dort immer wieder Beschwerden über Mängel. Seitdem die Berliner Firma Intown Properties die Immobilie gekauft habe, seien bekannte Probleme nicht ausreichend behoben worden. Zum Beispiel würden die Aufzüge regelmäßig ausfallen, sogar Aufzugtüren würden teilweise nicht schließen.

Baudezernent Ludger Wilde kündigte auf der Pressekonferenz am Donnerstag an, dem Unternehmen Intown die anfallenden Kosten für die Evakuierung und Unterbringung der Hannibal-Bewohner in Rechnung zu stellen. Günstig wird das nicht. Für die Räumung sind alleine mehrere Hundert Einsatzkräfte im Einsatz.

Das erste öffentliche Statement des Intown-Geschäftsführers lässt vermuten, dass der Streit um diese Kosten am Ende vor Gericht landen wird.

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