Sonntag, 19. November 2017

Wow! 90 Minuten pure Gänsehaut erlebt man in Dortmund sonst nur beim BVB im Westfalenstadion – wenn es denn wieder gut läuft. Doch für große Emotionen sorgte an diesem Wochenende jemand anderes: Dietmar Korthals, seines Zeichens Organist aus Leidenschaft. Bei einem Gottesdienst zu Gedenken an den im Sommer verstorbenen Linkin-Park-Frontmann Chester Bennington trieb er so manch einem Fan in der vollen Pauluskirche an der Schützenstraße die Tränen in die Augen. Wir haben Korthals’ Auftritt im Video festgehalten.

Wenn eine Kirche bis unter das Dach gefüllt ist, dann ist entweder Weihnachten oder Ostern. Die Pauluskirche an der Schützenstraße in der Nordstadt schafft das aber auch an einem grauen Vormittag Mitte November. Wie? Mit Linkin Park.

Dietmar Korthals spielte nach dem Selbstmord von Chester Bennington fünf Lieder der Band “Linkin Park” in der Pauluskirche an der Schützenstraße in der Nordstadt. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmun24

Die Kirchengemeinde ist bekannt für ihre Veranstaltungen, die im gewöhnlichen Kirchenalltag aus der Reihe tanzen. Was am Sonntag wiederum die Fans von Linkin Park freute. Denn die kamen in Scharen in die Kirche. Bereits gegen 9 Uhr war das Gotteshaus an der Schützenstraße gut gefüllt, obwohl die Messe erst um 10 Uhr beginnen sollte. Bis in den Oberrang nahmen die Besucher Platz – und verfolgten von dort einen unvergesslichen Gottesdienst.

Organist spielte Klassiker von Linkin Park

Denn an der Orgel hinter dem Altar hatte die Kirchengemeinde Dietmar Korthals an die Orgel gesetzt, seines Zeichens Organist aus Leidenschaft. Und der servierte dem Publikum fünf der größten Songs von Linkin Park: Über “Castle of glass”, “Numb”, “Burn it down” bis “What I’ve done” oder “One more light”. Die Songs der US-Band entfalteten auf der Orgel ihren ganz speziellen Sound, sorgten für Gänsehaut pur!

Und so dauerte es auch nicht lange, bis die ersten Fans ganz zaghaft mitsangen. Dazu hatte sie Pfarrer Friedrich Laker zuvor auch aufgefordert, denn dieser Gottesdienst sollte zwischen Kollekte und Vater Unser anders sein, als der gewöhnliche Sonntagsablauf.

Fan erzählt von US-Band

Dazu passte zum Beispiel das Interview des Pfarrers mit Linkin-Park-Fan Paul Schröder, der mit Limonade an den Stehtisch vor den Altar kam und aus seiner ganz persönlichen Linkin-Park-Biografie erzählte. “Ohne die Musik der Band hätte ich wohl nie die Freunde gefunden, die ich heute habe”, erzählt Schröder, bevor in der Pauluskirche das Video zu “One more light” über die Leinwand flimmert. Der Song gehört gleichzeitig zum letzten und gleichnamigen Studioalbum der Band, an dem ihr Leadsänger Chester Bennington mitwirkte. Im Juli 2017 hatte er Suizid begangen, die Musikwelt zeigte sich bestürzt.

Machen einen modernen Gottesdienst: Pfarrer Friedrich Laker und seine Frau und Pfarrerin Sandra Laker.
Machen einen modernen Gottesdienst: Pfarrer Friedrich Laker und seine Frau und Pfarrerin Sandra Laker. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmun24

Am Ende wurde es ein Gottesdienst, im dem die Pfarrer Friedrich Laker und Ehefrau Sandra Laker ihre Predigten an den Songtexten von Linkin Park orientierten. Im Fokus immer wieder das Thema “Depressionen”, an denen Bennington offenbar ganz unbemerkt von der Öffentlichkeit litt. Dieser Gottesdienst, so traurig der Anlass auch ist, war vielleicht eine Antwort darauf, wie man junge Menschen heutzutage wieder in die Kirche bekommt.

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