Sonntag, 20. August 2017

Die Dortmunder Feuerwehr muss kontinuierlich steigende Einsatzzahlen stemmen. Im Jahr 2016 war sie mehr als 140.000 mal ausgerückt. Brände machen dabei nur einen geringen Teil der Arbeit aus.

Auch im vergangenen Jahr hatte die Dortmunder Feuerwehr alle Hände voll zu tun. Insgesamt haben Feuerwehr und Rettungsdienst 140.027 Einsätze bewältigt. Das sind rund 3800 mehr als im Vorjahr (2015: 136.226 Einsätze). Damit hat sich auch 2016 der Trend weiter fortgesetzt.

„Seit 2009 sind die Fallzahlen kontinuierlich und spürbar gestiegen“, sagt Dirk Aschenbrenner, Leiter der Feuerwehr Dortmund.

Alle 3:42 Minuten ein Einsatz

Quasi im Minutentakt wird in der Einsatzleitstelle der Feuerwehr ein Einsatz registriert. Im Durchschnitt musste alle 3 Minuten und 42 Sekunden eine Einheit ausrücken. Viel Arbeit also für die 801 Feuerwehrbeamte, die von 63 Auszubildenden unterstützt werden.

140.027 Einsätze hatte die Dortmunder Feuerwehr im vergangenen Jahr. Foto: Feuerwehr
140.027 Einsätze hatte die Dortmunder Feuerwehr im vergangenen Jahr. Foto: Feuerwehr Dortmund

Dabei hat die Zahl der Feuerwehreinsätze sogar etwas abgenommen – von 9.769 auf 9.194 (-575). Hierzu zählen auch Unwettereinsätze. Glücklicherweise ist Dortmund 2016 weitgehend von extremen Wetterlagen verschont geblieben, die Unwettereinsätze gingen daher um fast die Hälfte auf 113 Einsätze zurück.

Weniger Brandopfer

Auch die Zahl der Brandeinsätze ist gesunken. Waren es 2015 noch 2.408, so verbuchte die Feuerwehr 2016 „nur“ 2.375 Einsätze. Darunter waren elf Großbrände. Eine Person kam bei einem Brand ums Leben.

Damit liegt Dortmund deutlich unter dem Schnitt im Vergleich zu anderen vergleichbaren Großstädten. Vergleichbare Städte haben im Durchschnitt drei bis sechs Todesopfer pro Jahr zu beklagen, sagt Aschenbrenner, der gleichzeitig an die Bevölkerung appellierte, den Brandschutz ernst zu nehmen. „Leider handeln viele Menschen noch sehr leichtsinnig. Wie in vielen anderen Bereichen, müssen die Menschen auch in Bezug auf den Brandschutz Vorsorge betreiben.“ Der Feuerwehr-Chef verglich den Brandschutz mit dem Anschnallen im Auto.

Brände sind nicht die Hauptarbeit

Einen deutlichen Anstieg hat es dagegen bei der Zahl der Rettungseinsätze gegeben. Im Bereich der Notfallrettung stiegen die Einsatzzahlen um 3,9 % auf 90.957 Einsätze. Das sind nochmal 3.555 mehr als im Vorjahr. „In diesem Bereich verzeichnen wir Jahr für Jahr einen deutliche Zunahme“, so Aschenbrenner. Fakt ist somit: Entgegen der gängigen Vorstellung, machen Brände inzwischen nur noch einen sehr geringen Teil der Feuerwehrarbeit aus.

Die steigenden Einsatzzahlen haben sich auch im laufenden Jahr fortgesetzt. Allein im ersten Halbjahr 2017 sind die Zahlen der Feuerwehr (+4,5%) und Rettungsdienst (+6%) gestiegen.

Der Rettungsdienst soll daher im kommenden Jahr bedarfsgerecht aufgestockt werden, sagt Aschenbrenner. Neue Wagen, ein zusätzlicher Notarzt und mehr Personal in der Leitstelle sind von Nöten, um die immer weiter steigenden Einsätze in den Griff zu bekommen.

Feuerwehr fehlt der Nachwuchs

Doch gerade die Personalfrage wird immer mehr zum Brennpunkt. Die Feuerwehr Dortmund sucht dringend Nachwuchskräfte, um die anstehenden Pensionierungswellen auszugleichen und die steigenden Fallzahlen zu bewältigen. Doch geeignete Bewerber zu finden, ist nicht einfach. „Die Zahl der qualifizierten Bewerber ist weiter rückläufig“, bedauert Aschenbrenner. Aufgrund von Aufstockungen in den vergangenen Jahren sei der Markt leer.

Ausbildungszentrum der Feuerwehr in Dortmund-Eving. Foto: Florian Forth/Dortmund24
Ausbildungszentrum der Feuerwehr in Dortmund-Eving. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Zweimal im Jahr schreibt die Dortmunder Feuerwehr 24 Ausbildungsstellen aus. In diesem Jahr gab es rund 200 Bewerbungen. Vor ein paar Jahren waren es noch mehr als dreimal so viele. Aschenbrenner: „Trotz des Bewerbungsüberschusses haben wir Probleme die Stellen zu besetzen.“ Bereits in den vergangenen Jahren seien teilweise Ausbildungsstellen unbesetzt geblieben, sagt der Feuerwehr-Chef. In den meisten Fällen reiche die Bewerber-Qualität einfach nicht an die Mindeststandards heran. Die Hürden bei der Feuerwehr sind hoch.

Sollten sich keine passenden Bewerber finden, müsse man auf dem Markt nach „fertigen“ Leuten suchen. „Wir werden dann versuchen geeignete Leute nach Dortmund zu locken“, kündigt Aschenbrenner an.

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