Donnerstag, 14. Dezember 2017

Mit wenig Anstrengung durch die Stadt radeln, locker an stehenden Autos vorbeirollen und an der mehr oder weniger frischen Luft sein: Pedelec fahren liegt im Trend. Das dachte sich auch die Geschäftsführung der Lebenshilfe und hat sämtliche Dienstwagen gegen die motorisierten Fahrräder getauscht. Die Mitarbeiter sind davon aber wenig begeistert.

Dortmund – Seit etwas mehr als einem Jahr hat die Lebenshilfe Dortmund acht Pedelecs im Einsatz. Damit sollen die Mitarbeiter im Stadtgebiet zu den Kunden und Klienten fahren. Die meist kurzen Wege erlauben das, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Krystian Waletzko: “Wir sagen den Mitarbeitern: Für die Arbeit, die ihr hier tut, braucht ihr bis auf wenige Ausnahmen kein Fahrzeug.”

Vorreiterrolle ist “drastischer Schritt”

Damit nimmt der Verein eine Vorreiterrolle in Dortmund ein. Angeschafft wurden die Räder mit Unterstützungsmotor aus zwei Gründen: der erste ist der Umweltaspekt, sagt Waletzko: “Alle klagen immer, aber keiner will etwas tun”. Das wollte er ändern. Zudem seien die Dienstwagen teuer und Carsharing nicht ausgereift genug. Nach dem Kauf kosten die Autos mit Versicherung, Steuern und Parkgebühren rund 50 Cent pro gefahrenem Kilometer. Zu viel, fand die Geschäftsführung – und schaffte die Wagen ab.

Waletzko mit Pedelecs
Krystian Waletzko, stellvetretender Geschäftsführer der Lebenshilfe Dortmund, mit zwei der Dienst-Pedelecs. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Doch bei den Mitarbeitern kommt das nicht gut an. “Die Räder werden boykottiert”, sagt Waletzko. Meistens stehen sie in der Fahrradbox in der Tiefgarage. Die drei Räder in den Wohnstätten in Bodelschwingh und Hostedde seien jedoch häufiger in Gebrauch. Waletzko ärgert das ein wenig, er hatte mehr erwartet: “Ich bin selber kein geborener Radfahrer”, sagt er. Sein erstes eigenes Rad hatte er bereits kurz nach dem Kauf wieder abgegeben.

Von den Pedelecs ist er hingegen überzeugt: “Die Möglichkeit von Zuhause aus loszufahren und nicht nassgeschwitzt anzukommen ist doch grandios”, findet er. Dass seine Mitarbeiter das nicht wenigstens versuchen, findet er schade. “Alle behaupten steif und fest, mit dem Auto schneller zu sein. Dabei haben die meisten es mit dem Fahrrad noch gar nicht versucht”, sagt er. “Ab 15.30 Uhr bin ich an der Hamburger Straße schneller als die Autos.”

Auch Peter Pecht, Mitinhaber eines Fahrradgeschäfts in der Innenstadt, ist von den Rädern überzeugt: “Ich glaube, dass darin ein riesen Potenzial liegt, auch was die Pflegebetriebe angeht.” Immerhin sei jeder Meter, den man mit einem Elektrorad hinter sich bringe, sportlicher als mit dem Auto, sagt er. Dass es Vorbehalte gibt, kann er aber durchaus verstehen: “Ich zwinge die Kunden immer liebevoll, diese Räder zu fahren”, sagt er und grinst. Viele würden das Fahrgefühl erst verstehen, wenn sie es selbst erlebt haben.

Bei Regen kann weiterhin die Bahn genutzt werden

Diese Erfahrung hat auch Krystian Waletzko gemacht. Natürlich sei das Abschaffen der Dienstwagen ein “drastischer Schritt”, gibt er zu. Man müsse es aber ganz, oder eben gar nicht tun. Ausreden will er deshalb nicht gelten lassen. “Wir reden hier ja nur vom Stadtgebiet Dortmund”, sagt er. In die Außenbezirke müssten seine Mitarbeiter nur selten. Bei Regen könnten sie weiter das Bahnticket nutzen. Helme werden gestellt, Aktenordner passen in die Fahrradtaschen. Dass das Angebot dennoch nicht genutzt wird, findet er schade: “Die Leute bringen sich um die Möglichkeit, sich im Job zu bewegen, ohne sich kaputt zu machen und Dortmund mal anders zu sehen.”

Schaltung pedelec
An der Schaltzentrale eines Pedelecs können mehrere Stufen eingestellt werden. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Jetzt versuchen es die Lebenshilfe-Chefs mit einem neuen Anreiz: Ein Wettbewerb soll die Mitarbeiter auf den Sattel locken. “Wer die meisten Kilometer schafft, bekommt eine Prämie”, erklärt er. Mehr als 50 Kilometer müssten es aber schon sein, damit einer neuer Fahrradhelm oder ein Gutschein dabei rausspringen. Dass auch nach einem Jahr die Ablehnung überwiegt, stört ihn dabei wenig: “Wir werden das jetzt weiter durchziehen”, kündigt er an.

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