Donnerstag, 19. Oktober 2017

Na gut, so ganz stimmt das nicht. Schließlich wurde das Ganze liebevoll organisiert. Aber mit der ganz großen Liebe hatte dieses Speed-Dating trotzdem nicht viel zu tun. Vielmehr ging es beim “Speed-Dating der Kulturen” im Dietrich-Keuning-Haus darum, dass sich Geflüchtete und Dortmunder besser kennenlernen.

Dortmund – Im Saal des Dietrich-Keuning-Hauses (DKH) ertönen orientalische Gitarrenklänge. Ein Buffet verbreitet den Geruch türkischer Leckereien. In zwei Stuhlkreisen sitzen sich etwa 50 Menschen gegenüber. Meist Mann und Frau. Manchmal auch Mann und Mann oder Frau und Frau. Das spielt aber auch keine Rolle. Die meisten unterhalten sich angeregt. “Woher kommst du?” “Wohnst du schon lange in Dortmund?” “Was für Hobbys hast du?” Nach vier Minuten wechselt der äußere Kreis den Platz. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man die Veranstaltung tatsächlich für ein großes Dating halten.

Speed-Dating-Premiere

Interessierte Gesprächspartner, wohin man sieht. Verschiedene Kulturen, Geschlechter, Altersgruppen. Eine lockere Atmosphäre. Die Bereitschaft, andere kennenzulernen. Das “Dating-Konzept” ist aufgegangen. “Wir dachten, wir probieren das einfach mal aus”, sagt einer der beiden Veranstalter, Ali Sirin. Gemeinsam mit Levent Arslan, dem Programmleiter des DKH, hat er die Veranstaltung ins Leben gerufen. Am 2. November 2016 fand sie das erste Mal statt.

Das Ziel? “Wir wollen vor allem, dass ein Austausch und Dialog zwischen den Teilnehmern entsteht”, sagt Sirin. Ob überhaupt jemand zum Speed-Dating kommen würde, wussten die beiden vorher nicht. “Und wenn keiner kommt, ist das Champions League-Spiel schuld”, witzeln die beiden vorher noch.

Vielleicht doch ein wenig Liebe im Spiel?

Aber die Sorge ist unbegründet: Es war sogar so voll, dass die vorbereiteten Stuhlkreise erweitert werden mussten. Nach dem ersten Kennenlernen konnten die Teilnehmer sich beim Buffet später am Abend noch intensiver unterhalten. Vor allem die jungen Männer der Runde, viele aus Syrien, hatte Interesse daran, neue Leute kennenzulernen. Auch an intensiveren Freundschaften wären sie interessiert, wie einige erzählen. Eine, die viele Teilnehmer schon kennt, ist Alena Mörtl. Sie hat am Projekt “Ankommen” mitgewirkt und ist ehrenamtlich auch beim Speed-Dating dabei. “Zum Kennenlernen und Schauen, was sich sonst noch so ergibt”, sagt sie.

Nach den ersten Minuten der Dating-Runde zieht Veranstalter Levent Arslan schon mal ein erstes Fazit: “Läuft!” Und das trotz des BVB-Spiels. “Da wird es ganz sicher ein zweites Mal geben”, glaubt Arslan und hofft auf ein langfristiges, positives Ergebnis der Veranstaltung: “Es wäre natürlich toll, wenn sich Freundschaften entwickeln. Oder auch Beziehungen – welcher Art auch immer.”

Die Veranstaltung wird innerhalb des Projektes KODIAQ als Dialogforum durchgeführt. Die vom Planerladen e.V. initiierten Dialogforen haben das Ziel anhand von Filmvorführungen, Lesungen oder Podiumsdiskussionen mit Experten eine Plattform zu schaffen, bei der verschiedene Meinungen und Ansichten über migrations- und integrationsrelevante Themen ausgetauscht werden können. Diese sollen einer besseren Verständigung in der Stadt(teil)bevölkerung dienen und das Miteinander fördern.

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