Samstag, 26. Mai 2018

Für einen Großteil der Dortmunder Studierenden steigt der finanzielle Druck immer mehr. Gründe dafür sind hohe Mieten und wenig Bafög. Das hat die 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks ergeben.

Dortmund – Das Gutachten des Deutschen Studentenwerks (DSW) zeigt, dass die Quote von Studenten, die neben dem Studium arbeiten, innerhalb von vier Jahren von 62 auf 68 Prozent geklettert ist. Auch finanzielle Hilfe der Eltern ist häufiger nötig. Die Unterstützung der Familie stieg im Schnitt von 261 Euro (2012) auf 309 Euro (2016) pro Monat.


Ein Luxus-Studentenwohnheim soll auf dem Gelände vom alten Karstadt-Technik-Haus entstehen.Grafik: Gerber Architekten, Kampstraße
Sieht so günstiger Wohnraum aus? In Dortmund soll in den nächsten Jahren so ein Luxus-Studentenwohnheim auf dem Gelände vom alten Karstadt-Technik-Haus an der Kampstraße entstehen.Grafik: Gerber Architekten

Dieter Timmermann, Präsident des DSW bedauerte, dass laut einer Befragung im Sommer 2016 lediglich 18 Prozent aller Studenten durch Bafög unterstützt werden. Das sei die niedrigste Quote seit Beginn der 90er Jahre. Das ist auch die Erklärung für den Zuwachs an jobbenden Studierenden: „Weil das Bafög nicht ausreicht, kompensieren das die Studierenden mit vermehrter Erwerbstätigkeit und die Eltern müssen sie stärker unterstützen“, so Timmermann. Deswegen sollen die Bafög-Sätze regelmäßig erhöht werden.

Hochschulpakt für preisgünstigen Wohnraum

Das Bundesbildungsministerium betonte jetzt, dass die aktuelle Sozialerhebung noch nicht die positiven Auswirkungen der Bafög-Erhöhung vom Herbst 2016 spiegele. Die Erhebung war zu dem Zeitpunkt schon abgeschlossen. Der Betrag wurde auf bis zu 735 Euro erhöht. Das DSW hält auch diesen Betrag für zu niedrig. Auch aus Dortmund gibt es Kritik. „Es ist aus unserer Sicht notwendig, dass das BAföG regelmäßig angepasst werden muss und nicht – wie im letzten Jahr geschehen – erst nach sieben Jahren“, fordert Peter Hölters, Geschäftsführer des Studierendenwerks Dortmund.

Im Herbst 2016 hat es eine Bafög-Erhöhung gegeben. Das kam für viele Hochschulen deutlich zu spät. Foto: dpa

Ein Bund-Länder-Hochschulsozialpakt soll Abhilfe schaffen und mehr preisgünstigen Wohnraum für Studierende schaffen. Laut Ergebnis der 21. Sozialerhebung sind Studierende in Deutschland im Schnitt 24,7 Jahre alt, unverheiratet, für ein Vollzeitstudium eingeschrieben und verfügen über 918 Euro im Monat.

Mieten in Dortmund gestiegen

Die Studierenden gehen aber auch mehr arbeiten. Darüber hinaus seien die Mieten gestiegen, sagt Petra Mikolajetz, Pressesprecherin des Studierendenwerks in Dortmund. „Wenn durchschnittliche Mieten von 309 Euro aufgewendet werden müssen, 168 Euro für Ernährung und jedes Semester der Semesterbeitrag anfällt, dann kommt man zu dem Schluss, dass die Ausgaben sehr hoch sind“, so Mikolajetz. Viele Studierende nutzen die Nebentätigkeiten auch, um berufliche Erfahrungen zu sammeln, praktische Erfahrung fehle den meisten im Studium.

Zum Vergleich: Während die Durchschnittsmiete für Studenten in Dortmund bei 309 Euro liegt (deutschlandweit Platz 38 von 58), zahlt man beim Spitzenreiter in München durchschnittlich knackige 387 Euro im Monat. Im Vergleich zu den übrigen NRW Städten sieht es in Dortmund allerdings nicht so schlecht aus.  Im Landesvergleich der zwölf Studierendenwerksstandorte in NRW befindet sich Dortmund auf Platz 10, günstiger sind nur noch Siegen mit 308 Euro und Paderborn mit 301 Euro.

Die Sozialerhebung ist eine internationale Langzeituntersuchung. Seit 1951 findet sie ungefähr im Dreijahrestakt statt und liefert Informationen zur wirtschaftlichen und sozialen Lage Studierender.

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