Donnerstag, 19. Oktober 2017

Dicke Luft in Dortmund: Nach Daten des Umweltbundesamtes werden die zulässigen Stickstoffdioxid-Werte überschritten. Damit steht die Stadt auf Platz Drei der Luftverpester in Nordrhein-Westfalen. Etwas dagegen tun kann die Verwaltung nicht. 

Dortmund – In zehn Städten Nordrhein-Westfalens ist die Luft zu stark mit schädlichem Stickstoffdioxid belastet. Das geht aus Messwerten des Umweltbundesamts (UBA) für 2016 hervor. Spitzenreiter in Sachen dicke Luft ist demnach Köln, gefolgt von Düsseldorf, Dortmund und Hagen. Schuld sind nach Worten von UBA-Präsidentin Maria Krautzberger vor allem alte Diesel-Autos.

Stadt kann nichts machen

In Dortmund erfassten die Messgeräte an der Brackeler Straße zu hohe Werte und zwar im Jahresdurchschnitt 51 Mikrogramm. An fünf Stunden im Jahr ist hier die Belastung zudem besonders hoch: Dann enthält die Luft pro Kubikmeter sogar 200 Mikrogramm des Reizgases – das Fünffache des Grenzwertes!

“Ein geeignetes Instrumentarium liegt uns nicht vor”, sagt Stadtsprecherin Heike Thelen. Was helfen könnte, wären der Ausschluss aller Dieselfahrzeuge oder neue Fahrzeugtechnologien.

Stickstoffdioxid bringt Gesundheitsprobleme

Stickstoffdioxid (NO2) kann Schleimhäute angreifen, zu Atemproblemen oder Augenreizungen führen sowie Herz und Kreislauf beeinträchtigen. “Es kann aus Sicht des Gesundheitsschutzes nicht akzeptiert werden, dass die Kommunen keine Handhabe haben, um beispielsweise Diesel-Autos mit hohem Ausstoß aus den belasteten Innenstädten auszuschließen”, sagte Maria Krautzberger laut Mitteilung.

Weil Stickoxid-Grenzwerte an vielen Messstellen der Hauptverkehrsstraßen immer wieder überschritten werden, leitete die EU-Kommission bereits 2015 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland ein. Die Deutsche Umwelthilfe reichte in sieben Bundesländern Klagen ein, um Fahrverbote speziell für Diesel-Autos durchzusetzen.

In NRW zog die Organisation gegen Aachen, Bonn, Essen, Gelsenkirchen, Köln und Düsseldorf vor Gericht. Dortmund bleibt vorerst verschont. Wann es eine höchstrichterliche Entscheidung zu Diesel-Fahrverboten geben wird, ist allerdings noch unklar. Der Fall liegt beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Über den weiteren Zeitplan könne noch keine Aussage getroffen werden, hatte das Gericht kürzlich mitgeteilt.

Plan für emissionsfreie Innenstadt in der Mache

Dortmund erarbeitet zurzeit das Programm “Emissionsfreie Innenstadt”. Das soll zum Beispiel E-Autos den Vorrang geben und zur Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel oder des Fahrrads aufrufen. “Hier wäre eine Zusammenarbeit auf Länderebene wünschenswert”, so Heike Thelen. Der Plan sei aber nicht von jetzt auf gleich fertig, sondern eher langfristig zu verstehen.

Besser sieht es in NRW übrigens bei der Feinstaub-Belastung aus: Hier wird der EU-Grenzwert von über 50 Mikrogramm an mehr als 35 Tagen im Jahr in keiner Stadt überschritten.

Mit Material von dpa

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