Sonntag, 19. November 2017

Gedenken statt Vergessen: Vor 79 Jahren starben bei der Reichspogromnacht Hunderte Juden. Sie war der Beginn der systematischen Judenverfolgung. Am Ende stand der Völkermord, bei dem über sechs Millionen Juden ermordet wurden. Damit dieser Teil deutscher Geschichte im Gewissen bleibt, fanden gestern in ganz Dortmund Gedenkfeiern statt.

Zerstörte Synagogen, eingeschlagene Geschäftsfenster und verwüstete jüdische Friedhöfe: Als die Nationalsozialisten vor 79 Jahren Juden in ganz Deutschland aufsuchten und deren Leben binnen weniger Stunden zerstörten, blieb kaum etwas übrig. Eine dunkle Zeit deutscher Geschichte begann, es folgte die Deportation Tausender Juden in abgelegene Konzentrationslager. In der Dortmunder Oper war am Donnerstagabend (9. November) von dieser dunklen Zeit wenig zu spüren.

Rabbiner Baruch Babaev spricht bei der Gedenkfeier in der Dortmunder Oper. Neben ihm steht ein Kranz der Stadt Dortmund. Foto: Anika Hinz/Dortmund24

Zwei Musikerinnen der Dortmunder Musikschule leiteten die Veranstaltung mit Flöte und Akkordeon ein. Daneben stand, umrahmt von großen Blumenkränzen, eine Bühne, auf der Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Rabbiner Baruch Babaev über die Pogromnacht sprachen. Sie regten mit ihren Worten über die Vergangenheit zum Nachdenken an. Dabei sprachen sie aber auch über die Gegenwart, von Politik und Populismus, und dass Faschismus nie wieder passieren dürfe. Aus diesem Grund, und weil vor allem immer weniger Zeitzeugen noch leben, müsse erinnert werden.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau spricht bei der Gedenkfeier in der Dortmunder Oper. Foto: Anika Hinz/Dortmund24

Auftaktveranstaltung in Dorstfeld

Der Gedenktag begann um 15 Uhr am jüdischen Mahnmal in Dorstfeld. Dort hörten Interessierte bewegende Worte von Bürgermeister Manfred Sauer, Bezirksbürgermeister Friedrich Fuß und von Rabbiner Baruch Babaev. Wie bereits in den vergangenen Jahren kam es auch in diesem Jahr zu Störungen seitens rechter Gruppierungen. Die Veranstaltung fand dennoch wie gewohnt statt.

Ab 19 Uhr ging es anschließend in der evangelischen Stadtkirche St. Petri weiter. Dort luden die Gastgeber, die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, zu einem ökumenischen Gedenken an die Pogromnacht vor 79 Jahren ein. Schüler des Goethe-Gymnasiums berichteten außerdem über Schicksale Dortmunder Familien während der Judenverfolgung. Musikalische Untermalung gab es von Christiane Cordt am Cello.

Jugendliche erinnern an die Geschehnisse

Auch in Wickede konnten Menschen am Denkmal gegen das Vergessen vor dem Seniorenhaus Lucia der verstorbenen Juden gedenken. Teil dieser Veranstaltung waren vor allem Kinder und Jugendliche. So kamen Schüler der Hauptschule Husen, der Bach-Grundschule und der Steinbrink-Grundschule.

Sie erzählten unter anderem davon, wie das Denkmal gegen das Vergessen entstanden ist. Neben den Schülern gestaltete auch die Konfirmandengruppe der evangelischen Kirchengemeinde Wickede die Gedenkstunde mit. Sie sollen auf diese Weise möglichst jung mit deutscher Geschichte konfrontiert werden. Nach der Gedenkstunde am Seniorenzentrum zogen die Beteiligten mit brennenden Kerzen durch die Stadt zum ehemaligen jüdischen Friedhof. Dort wurde gegen 17.45 Uhr ein Kranz niedergelegt.

Abschluss am Sonntag

In Dortmund gedenkt man noch bis zum kommenden Sonntag. Dann findet um 17 Uhr in der Bezirksverwaltung Hörde die Gedenkveranstaltung “Gemachte Verschwörung, entfachte Empörung” statt. Begrüßungsworte gibt es dort von Bezirksbürgermeister Sascha Hillgeris und wie schon bei der Veranstaltung am Donnerstag in Dorstfeld von Rabbiner Baruch Babaev. Mit dieser Abschlussveranstaltung endet auch die Ausstellung zu diesem Thema, die seit dem 20. Oktober zu sehen ist.

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