Mittwoch, 24. Januar 2018

Sie sind die Pest bei jedem Unfall im Straßenverkehr: Gaffer. Sie behindern Einsatzkräfte, verletzen die Persönlichkeitsrechte von Unfallopfern und sorgen für Staus. Eine neue Art von Sichtschutzwänden könnte in Dortmund bald für Hilfe sorgen. 

Normalerweise baut Jürgen Duesmann (48) Montagebühnen, Maschinengestelle und Schweißkonstruktionen aus Stahl. Dem Geschäftsmann aus Gronau ist jetzt eine Idee gekommen, die bei Polizisten und Feuerwehrmännern im ganzen Land gut ankommen könnte – der “Gafferstop”. Die Sichtschutzwand soll aktuelle Systeme um einiges voraus sein.

Große, rote Augen und die Aufschrift “Gafferstop” sind auf der Sichtschutzwand abgebildet. Löcher in der Wand sollen den Windwiderstand reduzieren. Foto: Signal Iduna

Auf die Idee gekommen ist Duesmann, als er mit seinem Kollegen Dieter Dankbar an einer Unfallstelle vorbeifuhr und sah, wie die Einsatzkräfte Sichtschutzwände aufbauten. “Als wir das gesehen haben, haben wir gesagt: ‘Das können wir besser'”, erzählt Duesmann. Also setzte sich der Stahlbauer an den Schreibtisch und entwarf ein Konzept für eine neue Sichtschutzwand. Dabei heraus kam ein System aus vier Stahlstangen, zwischen die die Sichtschutzwände gespannt werden. Die Wände wiederum passen mit speziellen Halterungen an jede Art von Leitplanke. Praktisch: Der “Gafferstop” passt in einen Koffer, der in etwa so groß ist, wie eine Aktentasche. Das Ganze wiegt etwa 15 Kilo.

Passt in einen kleinen Koffer: Das Modulsystem “Gafferstop” der Firma Duesmann. Foto: Signal Iduna

Nicht der einzige Vorteil gegenüber den aktuell im Einsatz befindlichen Sichtschutzwänden. Der “Gafferstop” soll darüber hinaus in zehn Minuten aufgebaut und deutlich günstiger sein: 1500 Euro kosten 20 Meter Sichtschutzwand bei Duesmann. Aktuelle Systeme dagegen schlagen mit 8000 Euro für 20 Meter zu Buche. Und: Bisher gelangen sperrige Sichtschutzwände mit einem  Anhänger zu Einsatzstellen. Mit dem Kofferkonzept fällt das jetzt weg.

Laken und Decken gegen Gaffer

Bei der Dortmunder Feuerwehr kommen Sichtschutzwände aktuell nicht so oft zum Einsatz. “Der Bedarf ist bei uns nicht ganz so groß”, sagte ein Sprecher am Mittwoch gegenüber Dortmund24. Ab und zu kämen Decken oder Laken zum Einsatz, wenn es darum ginge, Persönlichkeitsrechte zu schützen.

Hatten die Idee für den “Gafferstop”: Jürgen Duesmann (2.v.l.) und Dieter Dankbar (Mitte). Das System wurde bei der Signal-Iduna in Dortmund vorgestellt, die Polizeien und Feuerwehren in NRW versichert. Weiterhin im Bild: Eric Schewe (ganz links) von der Signal Iduna, Andreas Jedamzik (2. v. r., Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft) und Veit Seeliger (rechts, Signal Iduna). Foto: Signal Iduna

Dennoch könnte die Dortmunder Feuerwehr künftig in den Genuss des neuen Systems kommen. Der “Gafferstop” soll in einer Pilotphase mit mehreren Feuerwehren getestet werden. Welche das am Ende sind, ist noch nicht klar. Duesmann jedenfalls hat bereits Anfragen von Feuerwehren aus Aachen, Viersen und sogar aus Süddeutschland bekommen.

Die Landesgruppe der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft könnte sich vorstellen, das System in ganz NRW oder sogar deutschlandweit einheitlich einzuführen. “Damit alle Einsatzkräfte vor Ort wissen, wie es funktioniert”, so Sprecher Andreas Jedamzik.

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