Samstag, 18. August 2018

Um Burgen zu sehen, braucht man aus Dortmund gar nicht erst weit in Richtung Süden zu fahren. Es reicht ein Ausflug zur Hohensyburg, die über dem Ruhr-und Lennetal thront. Jedenfalls das, was von ihr übrig ist. Denn die Burg ist eine Ruine. Am Tag des offenen Denkmals haben wir uns das Gelände im Süden von Dortmund genauer angeschaut – und einige interessante Dinge erfahren.

1) Über 1300 Jahre alt

Die Hohensyburg, auch „Siggiburg“ genannt, gehört zu den ältesten Burgen in Westfalen. Sie wurde um das Jahr 700 gebaut. Die Sachsen, ein nichtchristlicher westgermanischer Völkerverband, nutzte sie einst. Später, um 775, wurde die Anlage vom Frankenkönig Karl den Großen erobert. 1150 bauten die Kölner Erzbischhöfe dann eine Steinburg auf dem Gelände. Die Burg diente auch als eine Art Kontrollturm, um Zollgrenzen zu überwachen – und natürlich um Feinde rechtzeitig zu erspähen.


Die Ruine der Hohensyburg mit Vincketurm im Hintergrund. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

2) Kriegerdenkmal in der Ruine

Im Mittelpunkt der alten Burgruine befindet sich ein Kriegerdenkmal. Das hat natürlich nichts mit dem Mittelalter zu tun. Es stammt von 1930 und zeigt einen toten Soldaten. Die liegende Statue wurde zu ehren der gefallenen Soldaten im 1. und 2. Weltkrieg errichtet. Davon Zeugen auch die Steintafeln mit den eingravierten Namen der Soldaten.

3) Zu dünne Mauern

Es wird vermutet, dass die Hohensyburg keine Wehrburg war. Das heißt, sie konnte aufgrund ihrer dünnen Mauern (circa 1,40 Meter) keine Angriffe abwehren.

Die Ruine der Hohensyburg. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

4) Turm gehört nicht zur ursprünglichen Anlage

Der hohe Turm in der Mitte des Areals sieht zwar sehr mittelalterlich aus, ist aber gar nicht so alt. Der Turm wurde 1857 errichtet – und zwar zu Ehren von Ludwig Freiherr von Vincke. Er gilt aufgrund seiner Verdienste um den Aufbau Westfalens nach der französischen Herrschaft als „Landesvater Westfalens“. Weil er in die Familie der Erbin der Hohensyburg einheiratete, wurde er Miteigentümer der Burgruine. Im Zweiten Weltkrieg nutzte die Wehrmacht den Turm zur Beobachtung. Übrigens: Der Vincketurm steht auf dem höchsten Punkt des Areals (244 Meter über NN) und ist 26 Meter hoch.

Die Ruine der Hohensyburg mit Vincketurm im Hintergrund. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

5) Adolf Hitler hinterließ auch seine Spuren

Im westlichen Teil des Areals baut sich das imposante Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf. Von dieser Terrasse hat man einen fantastischen Blick über das Ruhrtal. Was viele nicht wissen: Adolf Hitler hinterließ hier auch seine Spuren. Nachdem das Denkmal 1902 fertiggestellt wurde, haben es die Nationalsozialisten 1935 umgebaut. Von den vier flankierenden Standbildern wurden die von Kronprinz Friedrich Wilhelm und von Prinz Friedrich Karl entfernt. Die Nazis mochten die Monarchie offenbar nicht. Dafür durften die Statuen von Otto von Bismarck und von Helmuth von Moltke bleiben. Allerdings in veränderter Anordnung. Vorne zierte eine Gedenktafel mit Hakenkreuzen das Monument. Sie wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs abmontiert.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Areal der Hohensyburg. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

6) Eine der ältesten Kirchen Südwestfalens

Leicht unterhalb des Areals steht die Peterskirche, die eine der ältesten Kirchen Südwestfalens ist. Zudem gibt es hier einen der ältesten Friedhöfe in Westfalen. In etwa um das Jahr 776 wurde sie erbaut.

Ach übrigens, diesen tollen Ausblick hat man von der Hohensyburg:

Der Blick von der Hohensyburg ins Ruhrtal mit der Ruhr, der Stadt Hagen, dem Hengsteysee und dem Koepchenwerk (ganz rechts). Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Info: Wer die Hohensyburg besuchen möchte, kann das das ganze Jahr lang tun. Sie ist frei zugänglich. Von der Aussichtsterrasse vor dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal hat man einen fantastischen Blick über das Ruhr- und das Lennetal bis hin nach Hagen und das nördliche Sauerland.

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